< Zurück   INHALT   Weiter >

2 Technische Entwicklung

2.1 Johannes Gutenberg

Die entscheidende Erfindung, die die Produktion von Druckwerken in hohen Auflagen möglich machte, stammt von Johannes Gutenberg. Gutenberg, geboren und gestorben in Mainz, lebte von 1400 bis 1468. Er gilt als Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Metall-Lettern in Europa und des mechanischen Buchdrucks.

Die Verwendung von beweglichen Lettern revolutionierte die herkömmlichen Methoden der Buchproduktion. Gutenbergs Buchdruck wird deshalb als ein Schlüsselelement der Renaissance betrachtet. Der besondere Verdienst Gutenbergs besteht darin, mehrere Komponenten zu einem effizienten Produktionsprozess zusammengeführt zu haben. So hat er nicht nur die Verwendung von beweglichen Lettern eingeführt, sondern auch eine besonders geeignete Legierung aus Zinn, Blei und Antimon erfunden, eine ölhaltige Tinte und ein Handgießinstrument entwickelt. Zudem erfand er die Druckerpresse. 1997 wurde Gutenbergs Buchdruck vom US-Magazin Time-Life zur bedeutendsten Erfindung des zweiten Jahrtausends gewählt.

Die Entwicklungen des Erfinders leiteten eine dritte Medienrevolution ein, nach der Ausbildung der Sprache und Erfindung komplexer Schriftsysteme. Durch das Gutenbergsche Druckverfahren konnte schneller, billiger und in größeren Mengen gedruckt werden als je zuvor. Das führte dazu, dass Druckerzeugnisse die Handschriften ablösten und alltäglich

wurden. Das System trug zur Alphabetisierung bei, indem es Texte und somit auch Bildung wesentlich mehr Menschen als zuvor zugänglich machte. Kommunikationswissenschaftler sind der Überzeugung, dass die Erfindung der Gutenberg-Druckerei nicht nur einen neuen Zeitabschnitt der Medienentwicklung einleitete, sondern dass die Veränderung der Medientechnologie als wesentliche Ursache für soziale Veränderungen zu sehen ist.

Der Medientheoretiker Marshall McLuhan prägte den Begriff der Gutenberg-Galaxis in seinem 1962 erschienenen Buch „The Gutenberg Galaxy“. Es bezeichnet eine Welt, die vom Buch als Leitmedium geprägt ist. Insgesamt unterteilt McLuhan vier menschheitsgeschichtliche Epochen, die jeweils durch die Einführung eines neuen Mediums abgelöst werden.

Erstens das Zeitalter vor dem Buchdruck, das im Wesentlichen charakterisiert war durch mündliche Kommunikation und Wissensvermittlung. Zweitens die literale Manuskriptkultur, die durch die handschriftliche Speicherung und Weitergabe von kulturellen Inhalten in textlich fixierter Form gekennzeichnet war. In klösterlichen Schreibstuben wurden Texte per Hand vervielfältigt; es wurde laut vorgelesen. Drittens das Gutenberg-Zeitalter durch die Erfindung des Buchdrucks. Das System der Skriptorien, der Schreibstuben, wurde abgelöst. Verlage, Druckereien, Buchhandel entstanden. Die hieraus resultierende massenhafte Produktion von Büchern führte zu einem enormen Bildungsschub in allen gesellschaftlichen Schichten. Die Zunahme an verfügbarem Wissen beförderte den Meinungsstreit und die öffentliche Willensbildung. Vorher waren nur wenige Menschen des Lesens mächtig, die Zugänglichkeit zu Literatur zog aber auch eine Veränderung des Lesens selbst nach sich. Es veränderte sich vom Vorlesen zum Stilllesen, es begann eine allgemeine Alphabetisierung.

Die Auswirkung der neuen Technik umfasst jedoch nicht nur die Veränderung von Meinungen, Vorstellungen und ideologischer Prägung, sondern primär ist eine Verschiebung der Sinnesorganisation und die Art der menschlichen Wahrnehmung zu nennen. McLuhan spricht von einer Aufsprengung der oralen Stammesorganisation hin zu einer totalen Dominanz des Auges. Das mittelalterliche Denken in Bildern und Metaphern wurde abgelöst, komplexe Vorgänge wurden nun, in Form von Schrift, aufgespalten und dargestellt. Die geographische Verbreitung von Druckwerken forderte und förderte die Normierung und Standardisierung der Sprache bis hin zur Entwicklung von Nationalsprachen.

Nach dem Gutenberg-Zeitalter folgt viertens das Zeitalter der Elektrizität mit der Erfindung des drahtlosen Telegraphen durch Guglielmo Marconi 1894. Aber ein „Ende des Buchzeitalters“ – so lautet der deutsche Untertitel von McLuhans „Gutenberg Galaxis“ – hat dieser nie propagiert. Er war der Auffassung, dass sich in der Regel neue Medien zu alten hinzugesellen, sie beeinflussen und verändern, sie jedoch nicht verdrängen. Die Zeitung hat spezifische Eigenschaften, die ihr auch Rundfunk, Fernsehen und Internet nicht nehmen können. Salopp gesagt: Der Laptop passt nicht neben die Tasse Kaffee auf den Frühstückstisch.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >