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5 Staatlicher Hörfunk in der DDR

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildete sich in der sowjetischen Besatzungszone und etwas später in der DDR eine völlig andere politische Ordnung heraus als in den westlichen Teilen Deutschlands. Da zwischen dem Mediensystem eines Landes und seiner politischen Ordnung ein enges Verhältnis besteht, wirkten sich die unterschiedlichen Entwicklungen in beiden Teilen Deutschlands auch auf die jeweiligen Strukturen und Aufgaben von Presse, Film und Rundfunk aus.

Während in der Besatzungszeit in den Westzonen die Gründung von sechs unabhängigen Rundfunkanstalten unter deutscher Obhut erfolgte, schlug man in der sowjetischen Besatzungszone den Weg eines zentral gesteuerten Rundfunksystems ein. Am 12. Oktober 1949 übergab die Sowjetische Militäradministration der DDR-Regierung die Rundfunkkontrolle.

Die Lenkung und Kontrolle aller Medien der DDR erfolgte zentral gesteuert durch das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), genauer durch die ihm unterstehende „Abteilung für Agitation und Propaganda beim Zentralkomitee der SED“. Das zentrale Leitungsorgan der SED war das „Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrates“, dem wiederum der „Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst“ (kurz: ADN) unterstellt war. Der ADN war die offizielle (und einzige) Nachrichtenund Fotoagentur in der DDR, durch die Nachrichten an die Redaktionen verbreitet wurden.

Ein Kennzeichen der Massenmedien in der DDR war dabei die einseitige Richtung der Sprachregelungen und Anweisungen („von oben nach unten“). Durch einseitigen Informationsfluss sollten die Menschen zu parteitreuen Bürgern erzogen werden. In führende Positionen im Medienbereich gelangten fast nur Bürger mit entsprechender parteifreundlicher Überzeugung. Die beschriebene Struktur der Kontrolle und Anleitung der Medien blieb dabei von der Gründung der DDR im Jahre 1949 bis knapp ein Jahr vor deren Zerfall nahezu unverändert.

Im Jahre 1952 wurde in Ost-Berlin der gesamte DDR-Rundfunk zentralisiert und der einheitlichen Leitung des „Staatlichen Komitees für Rundfunk beim Ministerrat der DDR“ unterstellt, welches an die Stelle der eigenständigen Landessender und der Generalintendanz des Rundfunks trat. Im Jahre 1968 wurde die Leitung des Fernsehens aus dem „Staatlichen Rundfunkkomitee“ herausgelöst und das selbstständig geführte „Staatliche Komitee für Fernsehen“ gebildet. Beide Komitees waren dabei direkt dem Ministerpräsidenten der DDR und in zweiter Instanz der SED untergeordnet und unterstanden der „Abteilung für Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der SED“. Der gesamte Rundfunk unterlag damit der strikten Kontrolle und direkten Einflussnahme durch die Staatsführung (Staatsrundfunk).

Gegen Ende der 1980er-Jahre genehmigte das „Staatliche Komitee für Rundfunk“ die folgenden Hörfunkprogramme:

▪ Radio DDR I (Informationsund Unterhaltungsprogramme)

▪ Radio DDR II mit mehreren Bezirkssendern (bildungspolitisches Programm, das sich mit mehreren Bezirkssendern die Frequenzen teilte)

▪ Berliner Rundfunk (Service-, Informationsund Unterhaltungsprogramm)

▪ Berliner Rundfunk (regionales Programm für Berlin, republikweite Verbreitung – mit Ausnahmen)

▪ Jugendradio DT 64 (überregionaler Jugendsender)

▪ Stimme der DDR (Vollprogramm, republikweit zu empfangen, auch im Ausland)

▪ Radio Berlin International (kurz: RBI, Auslandsrundfunk, sendete am Anfang in Französisch, Italienisch, Dänisch, Spanisch, Chinesisch und Arabisch)

Im Herbst 1989 erfolgte mit dem Umbruch in der DDR auch das Ende des Monopols der SED über die Medien. Bereits in der Wendephase erfolgten erste Emanzipationsbestrebungen des Rundfunks in Form der sogenannten „Wendeprogramme“. Diese Programme wurden ursprünglich als systemstabilisierende Instrumente der DDR-Machthaber gegründet, entwickelten in der Wendephase aufgrund der politischen Veränderungen eine eigene Dynamik und verstärkten letztendlich damit den Wendeprozess noch zusätzlich.

Das Radioformat DT64 beispielsweise war ein Jugendprogramm des DDR-Rundfunks. Es wurde anlässlich des Deutschlandtreffens (DT) der FDJ im Mai 1964 zunächst als Sonderprogramm gestartet, Ende Juli 1965 weiter ausgeweitet und im März 1986 schließlich als Vollprogramm zugelassen. Mit der Wende setzte sich der Sender über die einstigen Kontrollund Zensurmaßnahmen der politischen Führung hinweg und berichtete beispielsweise als erster DDR-Sender von der Leipziger Montagsdemonstration. Das Jugendradio konnte nach der Medienwende nicht mehr eigenständig bestehen und wurde 1993 vom MDR als Jugendradio „MDR-Sputnik“ weitergeführt.

 
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