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3 Die ersten TV-Angebote in Berlin

Schon 1929 begann der Rundfunksender Witzleben in Berlin mit ersten Testsendungen, allerdings noch ohne Sendeton, also wie Stummfilm. Verglichen mit heutigen technischen Standards wirkte das wie „Steinzeit TV“. Sind heute für das analoge TV 625 Zeilen pro Bild die Norm, so waren das 1929 nur 30 Zeilen. Damals gab es 12,5 Bildwechsel pro Sekunde, heute mit 25 das Doppelte. Erst 1934 gab es über den Sender Witzleben erste Fernsehbilder mit Ton und bald schon Bauanleitungen für Fernseher im Eigenbau, denn eine Geräteindustrie war dafür noch nicht vorhanden – anders als beim Hörfunk. Am 22. März 1935 startete der Fernsehsender Paul Nipkow in Berlin ein regelmäßiges Fernsehprogramm, schon mit 180 Zeilen pro Bild, 1937 wurden sogar 441 Zeilen eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt sendete allerdings die BBC schon länger mit 401 Zeilen. Einen ersten Höhepunkt erlebte das Fernsehen in Deutschland mit Übertragungen von den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin. Hierfür wurde erstmals ein mobiler Fernsehsender in Dienst gestellt. Zu sehen waren diese Bilder

allenfalls in etwa 200 Haushalten auf dem sogenannten „Volksfernseher“ E 1, den man zum Stückpreis von 650 Reichsmark kaufen konnte. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs stoppte diese ersten Fernsehversuche, denn nun wurde politisch dem Rundfunk wegen seiner hohen Reichweite und der erprobten Technik für die Propaganda Priorität eingeräumt. Im Winter 1944 stellte der Fernsehsender in Berlin seinen Dienst ein.

4 Die Nachkriegszeit und der NWDR

Schon kurz nach Kriegsende gründete die britische Besatzungsmacht in Hamburg den Sender Radio Hamburg, der am 22. September 1945 als Nordwestdeutscher Rundfunk (NWDR) die Rundfunkanstalt für die gesamte britische Besatzungszone wurde, daher auch Berlin und Nordrhein-Westfalen mit einschloss. 1948 wurde der NWDR in deutsche Verwaltung übergeben, erster Generaldirektor wurde Adolf Grimme. Zum 1. Juni 1954 schied der neu gegründete SFB aus dem NWDR aus und im Februar 1955 wurde der NWDR in NDR und WDR geteilt.

Schon im Juli 1950 begann der NWDR mit dem Ausstrahlen erster Fernsehbilder, allerdings noch unregelmäßig und zu Testzwecken. 1952 gab es in der Bundesrepublik Deutschland 300 Besitzer von Fernsehgeräten. Diese wurden Zeuge des Starts eines regelmäßigen, täglichen Programms des Deutschen Fernsehens am 25. Dezember 1952 aus einem Hochbunker in Hamburg mit der allerersten Tagesschau. Damit war Fernsehen zwar verfügbar, aber noch für längere Zeit kein Massenmedium. 1957 gab es erst eine Million Empfangsgeräte, die meisten von Telefunken zum Preis von 1 000 DM. Erst ab 1959 verdiente dieses Medium annähernd den Beinamen Massenmedium: Es wurden täglich 5 000 Geräte verkauft, natürlich in schwarz-weißer Bildqualität. Ende 1959 gab es zwei Millionen Fernsehteilnehmer, ein Jahr später bereits vier Millionen. Den Fernsehbereich des seit 1955 aufgelösten NWDR übernahm bis 1961 der Nordund Westdeutsche Rundfunkverband, erst danach waren beide Sendeanstalten (NDR und WDR) in der Lage, ihr jeweiliges Sendegebiet autonom zu versorgen.

In der Anfangszeit des Fernsehens, empfangbar durch eine zunächst in der Wohnung, später am Haus angebrachte Antenne, wurden alle Sendungen live ausgestrahlt oder auf Filmmaterial vorproduziert. Daher existieren aus dieser Zeit nur wenige Originalmaterialien, manche Sendungen wurden vom Monitor abgefilmt und konnten so archiviert werden.

Innerhalb Europas galten zu diesem Zeitpunkt unterschiedliche technische Normen, erst ab 1955 gab es ein TV-Gerät, das in Europa fast überall einsetzbar war. Die erste große europäische Gemeinschaftsübertragung war 1953 die Krönung der englischen Königin Elisabeth II.

 
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