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2 Begriff der Onlinemedien

Um sich mit der Geschichte der Onlinemedien auseinanderzusetzen, ist es zunächst notwendig, Onlinemedien zu definieren. Die Begriffe „Medien“, „Online-Medien“, „digitale“, „neue“ und „alte“ Medien werden in der Literatur teils unterschiedlich interpretiert und verwendet. Daher ist es in einem ersten Schritt umso wichtiger, auf unterschiedliche Sichtweisen aufmerksam zu machen und allen weiteren Erörterungen des Themas eine geeignete Definition zu Grunde zu legen.

Bereits der Begriff Medien wird je nach Auffassung und Standpunkt unterschiedlich ausgelegt. Klaus Merten differenziert beispielsweise zwischen physikalischen Medien der Wahrnehmung (z. B. Sprache und Schrift) und technischen Medien (welche sich der Sprache und Schrift bedienen). Ursula Ganz-Blättler und Daniel Süß teilen Medien in vier Kategorien ein: Printmedien (Tageszeitungen, Zeitschriften, Bücher), szenische Medien (z. B. Oper, Theater, Musical etc.), audiovisuelle Medien (Radio, TV, Film etc.) sowie „neue Medien“ (Internet, CD-ROM). Günter Bentele und Klaus Beck wählen die Kategorien materielle Medien (Luft, Wasser, u. a.), kommunikative Medien (Sprache, Bilder, Töne, u. ä.), technische Medien (Mikrofone, Kameras), institutionelle Medien (Verlage, Fernsehanstalten) und Gesamtmedien (Film, Hörfunk, Fernsehen …). Es wird deutlich, dass es DEN Medienbegriff nicht gibt. Es soll an dieser Stelle auch nur darauf hingewiesen sein, dass differenzierte Ansätze vorhanden sind und kein Anspruch auf DIE richtige Definition erhoben werden kann. In Anlehnung an Klaus-Dieter Altmeppen definiert dieser Beitrag Medien über „die Wechselwirkungen von Technik, Organisation und Funktion.“ Die Technik ist die Voraussetzung, um Medienkommunikation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Rundfunkanstalt oder das Zeitungsverlagshaus beispielsweise bieten eine Organisation(-sform), um „medienspezifische Strukturierungen hinsichtlich publizistischer Leistungen“ sicherzustellen. Zum einen sind mit Funktionen die wesentlichen Ansprüche der Zielgruppen an die Medien wie Unterhaltung, Kritik oder Information gemeint, zum anderen in Bezug auf Niklas Luhmann das „Dirigieren der Selbstbeobachtung des Gesellschaftssystems.“ Altmeppen definiert die Funktion des Dirigierens als eine Orientierung für die Rezipienten. Die Medien nehmen diese Aufgaben aufgrund gesellschaftlich delegierter Zuschreibung wahr und nicht wie bei anderen Organisationen im Rahmen der Vertretung von eigenen Interessen durch zum Beispiel Public Relations oder Marketing-Maßnahmen. Im Verständnis dieser Definition sind nur die Massenmedien Print, Hörfunk, Fernsehen und Film als Medien zu definieren. Oftmals werden diese auch von vielen Autoren als „alte“ oder „klassische“ Medien bezeichnet. Um von den neuen Medien abzugrenzen, sollen diese Bezeichnungen auch in diesem Beitrag verwendet werden. „Neue Medien“ hat es schon immer gegeben; immer dann wenn ein neues Medium den Markt erobert, wird Altes mit Neuem verglichen. „Neue Medien“ und „Online-Medien“ werden in der Literatur daher teils als Synonyme verwendet. Zum gegenwärtigen Stand der Technik vereinen Neue Medien die Bereiche Multimedia und digitale Medien sowie Onlinemedien. Auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert, sind multimediale Medien alle Onlineund Offline-Texte, -Bilder, -Töne, -Animationen und -Filme. Ein wichtiges Merkmal sind ihre Speicherfähigkeit auf digitalen Datenträgern (oder auch digitale Medien genannt). In ihrer Kombination ermöglichen sie als eine weitere wichtige Eigenschaft interaktive Anwendungen. Dies kann zum Beispiel ein Videospiel auf DVD sein. Zum Begriff Onlinemedien lassen sich in der Literatur wiederum unterschiedliche Ansatzpunkte finden. Eine Hürde, die es außerdem zu überwinden gilt, ist der ständige Wandel, dem Onlinemedien selbst permanent unterliegen. Eine zu eng gefasste Definition kann maximal eine Momentaufnahme darstellen. Das Institut für FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) fasst seine Definition von Onlinemedien dementsprechend weit: „Als Online-Medien werden alle Medien (Texte, Bilder, Töne, Animationen, Filme) bezeichnet, die in digitaler Form als Datei vorliegen und über ein Netz entweder unmittelbar abgerufen oder heruntergeladen werden können.“ Entsprechend dieser Definition können Onlinemedien demnach genauso Songtexte auf der Webseite einer Musikfirma sein, wie ein von dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel produziertes Video oder der Blogger-Text zum Thema „Was sind Onlinemedien eigentlich?“ von Blogger Max Mustermann. Waren Onlinemedien in ihren Anfängen wenig multimedial, so sind sie heute ohne multimediale Anwendungen nicht mehr vorstellbar. In der Literatur hat die Diskussion um eine einheitliche Definition bisher keinen Konsens ergeben. Dieser Fachbeitrag lehnt sich an Klaus-Dieter Altmeppen an, der Onlinemedien wie folgt definiert: Es „können derzeit lediglich die Online-Ableger der traditionellen Medien als Online-Medien bezeichnet werden. Nur sie können legitimerweise die Selbstbeobachtung der Gesellschaft auf autonomer Basis leisten, nur bei diesen Online-Medien sind die Organisationsmuster des Journalismus deutlich ausgeprägt.“ Dieser Beitrag soll vor allem die Geschichte der Entwicklung der klassischen Medien hinein in ein neues Online-Zeitalter aus journalistischer Sichtweise nachzeichnen. Ein besonderer Fokus wird auf das Print-Medium gelegt, da dieses zum einen als erstes Medium den Sprung in die Online-Welten vollzogen hat. Zum anderen weil seit den Anfängen der Verbreitung von Online-Inhalten der PrintBereich im Vergleich zu den anderen klassischen Medien mithin den stärksten Wandel erlebt hat.

 
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