TV und Radio finden um die Jahrtausendwende ins Netz

In der zweiten Phase der Onlinemedien begann ein anderer Medienbereich das Internet und seine Vorteile zu entdecken. Die ersten Radiosender fanden den Weg ins Netz. Die Anzahl der Weboder Internet-Radios lässt sich zwar nur schwer beziffern, sie hat sich aber in wenigen Jahren vervielfacht und wird heute auf mehrere tausend geschätzt. Im Dezember 2000 konnte man in Deutschland 21 öffentlich-rechtliche Radioprogramme von elf Sendeanstalten und viele private Angebote im Internet empfangen. Auch das Fernsehen entdeckte den Kommunikationsraum Internet für sich. Um die Jahrtausendwende noch recht eingeschränkt verfügbar, hat es in den darauffolgenden Jahren eine immer größere Bedeutung eingenommen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Übertragungsraten vom Server zum Anschluss der Nutzer noch nicht ausreichten, um ein durchgängig hochqualitatives Bewegtbild zu übertragen. Es fanden sich hauptsächlich kurze Videoausschnitte. „Das ZDF verfügte Ende der 1990er-Jahre über zwei Online-Angebote. ZDF.online wurde 1996 eingerichtet, um den Zuschauern einen Überblick über die Hauptsendungen der Fernsehanstalt zu geben und zusätzliche Informationen zu deren Themen zu bieten. Dies geschieht in multimedialer Präsentation mit Audios und Videos sowie mit interaktiven Elementen und Spielen. Im Jahr darauf startete das ZDF mit heute.online ein aktuelles Nachrichtenangebot im Internet. Dazu tat sich der Sender mit MSNBC zusammen. [...] heute.online brachte im Internet Nachrichten aus verschiedenen Ressorts wie Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, kombiniert mit Videound Audioausschnitten aus aktuellen Fernsehsendungen des ZDF sowie Beiträgen von Inlandsund Auslandskorrespondenten des Senders.“ Auch die privaten Anbieter finden um die Jahrtausendwende den Weg ins Netz, darunter auch die Marktführer RTL, ProSieben und Sat.1. „Sie enthalten außer programmbezogenen Inhalten und interaktiven Elementen auch aktuelle Informationen und Unterhaltendes.“ Die ersten Versionen heutiger Mediatheken entstanden.

Zusammenbruch der „New Economy“ – Auch für die Onlinemedien? (2001 – 2005)

Seit 2001 begann das Netz in ganz anderer Art und Weise seine Qualitäten zu zeigen: Als die Anschläge des 11. Septembers 2001 ein großes Bedürfnis nach aktuellster Berichterstattung produzierten, erfüllte das Büromedium Internet dieses Bedürfnis bis zur Grenzbelastung der Server. Im Bereich des Journalismus begann mit diesen Weiterentwicklungen auch eine neue Dimension der Krise: Der „(…) Online-Journalismus zwischen 2001 und 2005 ist von dunklen Wolken gezeichnet. Nicht nur die New Economy bricht zusammen; mit der allgemeinen Wirtschaftskrise, die einsetzt, werden die Zeitungsverlage von bitteren Anzeigenverlusten heimgesucht. Der Anzeigenumsatz des Medienträgers Zeitung sinkt um ein Drittel, von 6,6 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 4,5 Milliarden im Jahr 2003.“ Die Konsequenz, welche die Verlage daraus zogen: Auf der einen Seite wurden Online-Redaktionen abgebaut und auf der anderen Seite versuchten die Verlage nahezu verzweifelt, im Internet Geld zu verdienen. Neben Bannerund Pop-up-Werbung bauten die Verlage vermehrt auf den Verkauf von Artikeln und bezahlten Dossiers, das Abonnieren von „E-Papers“ sowie auf Provisionsmodelle – der Verlag wird beteiligt, wenn der Leser auf der Website eine Versicherung abschließt oder ein Bankdepot eröffnet. Doch der „Abschied von der Kostenlos-Kultur“, wie sie im Hause Springer propagiert wurde, funktionierte nicht. Die Meinung manifestierte sich immer deutlicher, dass im Internet für Verlage kein Geld zu verdienen ist.

 
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