< Zurück   INHALT   Weiter >

5.3 Neue Formen von Onlinemedien erobern das Netz

Ganz offiziell spricht man seit 2005 vom sogenannten Web 2.0. Tim O'Reilly beschrieb in seinem viel zitierten Aufsatz das „Mitmachnetz“ als neuen Ort der Kommunikation und der Kollaboration; verbunden mit Multimedia und Entertainment. Gabriele Hooffacker bemerkt dazu: „Die kommunikativen Formen [...] nutzen nicht nur die [...] Verknüpfung von Dokumenten, sondern die besonderen Möglichkeiten von Useraktion und Userkommunikation, die sich aus der Verbindung von digitaler Datenverarbeitung und Telekommunikation ergeben.“ Inzwischen bürgert sich mehr und mehr der Begriff „Social-Media-Web“ oder auch „Social Web“ ein. Das Social-Media-Web ist ganz einfach als ein vom User generiertes und Teilnahme-Netz zu beschreiben, in dem jeder mit jedem vernetzt sein kann und Inhalte endlos teilen kann. Mit der Durchdringung des Internets durch diese neuen Webapplikationen

– der sogenannten Social-Media-Tools – wird die Vision von Tim Berners-Lee Wirklichkeit.

Die nachfolgende Grafik gibt einen einleitenden Überblick über das umfangreiche

Spektrum von Social Media.

Abbildung 2: „The Conversation Prism“

Soziale Medien sind Events, Musik, SMS-Services, Blogs, Social Bookmarks, Wikis, soziale Netzwerke, Apps und vieles mehr. Eine kurze Bestandsaufnahme, gespickt mit ein paar Zahlen: Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, hat Ende 2013 über eine Milliarde monatlich aktive Nutzer. In Deutschland sind etwa 15 Millionen Menschen täglich auf Facebook. Die Plattform lässt die Nutzer nicht nur Freundschaften knüpfen, sondern vor allem Inhalte teilen. Die Nutzer erfahren von Interessantem über ihre Bekannten und deren Einträge auf ihrem Profil. Videos, Links, Texte, Fotos und auch Musik werden empfohlen und konsumiert. Seit Anfang 2010 wächst Facebook in Deutschland monatlich um rund eine Million Nutzer. Andere soziale Netzwerke, die zwischenzeitlich auf dem deutschen Markt ebenfalls eine beträchtliche Anzahl an Nutzern aufweisen konnten, sind die VZnet Netzwerke mit über 17 Millionen Nutzern. Das Soziale Netzwerk verlor jedoch in den Jahren 2011 und 2012 massiv an aktiven Nutzern und ist gerade dabei, sein Angebot nach und nach einzustellen. Social Networks werden bereits von über 80 Prozent der 14bis 29-Jährigen genutzt und zwar täglich fast vier Stunden. Es gibt auch Plattformen, die sich nur einem großen (Medien-)Bereich widmen und Nutzer für sich verbuchen können. Sie bieten den Nutzern Raum zur Selbstverwirklichung und lassen ihre Inhalte bewusst wiederum mit anderen Social Communities verknüpfen. Dazu zählen insbesondere die Musikplattform myspace.com, Online-Musikdienste wie last.fm, blip oder spotify, Photo-Communities wie flickr.com, picasa, Video-Plattformen wie vimeo, youtube, dailymotion, myvideo oder sevenload. Hinzu kommen Wikis, sogenannte Questionund Answer-Seiten, Livestream-Anbieter, Bookmarking und Link-Dienste, Shopping-Seiten mit Community-Anschluss, Blog-Plattformen und -Communities, Locations Based Services und Geotagging-Angebote wie gowalla, friendticker und foursquare sowie Netzwerke, die sich mit beruflicher Vernetzung beschäftigen (Xing oder LinkedIn). Obwohl der Markt im Prinzip gesättigt ist, schaffen täglich neue StartUps den erfolgreichen Sprung ins Web oder ihre Erfinder und Ideen werden von den Großen aufgekauft und integriert. Eines der größten Wikis im Bereich der Kollaborationen ist Wikipedia – die 2001 gegründete, in etwa 260 Sprachen existierende „Online-Enzyklopädie“ weist nach eigenen Angaben in der deutschsprachigen Version über mehr als eine Million Artikel auf; die englischsprachige Version etwa drei Millionen. Auch das Phänomen der Blogger rückt seitdem immer mehr in den Vordergrund. Sie veröffentlichen in ihren eigenen

„Onlinemedien“. Sie verfassen Artikel auf kostenlosen Plattformen, schreiben ihre Meinung, recherchieren selbständig. Sie bestücken ihre Beiträge mit Fotos, Videos und Links. Sie sind oft schneller als die eigentlichen Gatekeeper. Sie filtern Nachrichten nicht mehr nur nach Relevanz und Neuigkeitsgehalt, sondern häufig nach Interessengebiet. Eine ganz besondere Stellung nehmen Mikroblogging-Dienste ein. Twitter (auch Buzz oder bleeper) zeichnen sich durch die schnelle Weitergabe von Informationen aus, beschränkt auf wenige Zeichen, aber mit Übertragung in Echtzeit an sogenannte „Follower“. 2,4 Millionen deutsche „TwitterAccounts“ gibt es in Deutschland; täglich werden rund 1 Million deutschsprachige „Tweets“ verfasst. Mit diesen neuen Angeboten im Netz im Allgemeinen und den Mikrobloggingdiensten im Besonderen wird deutlich, dass jeder Nutzer Inhalte ins Netz stellen kann und diese mit anderen teilen kann. Außerdem wird so jeder auch zu einer kleinen eigenen Nachrichtenagentur. Onlinemedien sind überall. Ganz egal, ob Relevantes oder Neues verbreitet wird – Hauptsache ist dabei, dass es für einen bestimmten Nutzer zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort interessant ist.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >