Die Verschmelzung der Medien und die Auswirkungen auf den klassischen Journalismus

Eine Verschmelzung der „klassischen“ Onlinemedien mit vom Publikum generierten Inhalten sozialer Medien findet statt. „Das, was jahrzehntelang getrennt war, wächst im Internet zwangsläufig zusammen. Jahrzehntelang beschäftigten sich Journalisten entweder mit Wort oder mit Ton oder Bild, online aber vermischen sich die hergebrachten Gattungen Presse, Radio und Fernsehen. Und damit besteht die Chance, eines neuen, aufregenden Journalismus.“ Medienmacher müssen künftig nicht nur für ihr Publikum arbeiten, sondern mit ihm in einen unablässigen Dialog treten. Journalismus wird in Zukunft nicht mehr als Produkt, sondern als steter Prozess verstanden.

So schnell und permanent, wie sich das Netz ändert, so ändern sich in den Redaktionen immer schneller auch die Arbeitsbereiche und Aufgaben: Online-Archive sind mittlerweile für Suchmaschinen geöffnet und „Search-Engine-Optimizer“ engagiert, um bei Google News zu landen. Homepages sind heutzutage nur noch ein Zugang unter den vielen dargebotenen Inhalten. An sämtlichen Stellen auf der eigenen Homepage werden Kommentarfunktionen eingebettet, Fotostrecken und Videos integriert und können E-Mail-Newsletter und sogenannte RSS-Feeds (automatisches News-Abonnement) abonniert werden. Redaktionen durchsuchen nicht nur Themen in einschlägigen Blogs und Foren, sondern zunehmend auch in sozialen Netzwerken und über Mikrobloggingdienste. Das führt auch dazu, dass journalistische Angebote ein Interesse haben, sich breit aufzustellen, indem sie Inhalte, die andere produziert haben, in ihr Angebot integrieren: „Kuratieren, nicht selbst produzieren. Dieses Einpflegen qualitativ hochwertiger fremder Inhalte verbreitert das eigene Angebot und wertet es auf, da gute, interessante Information im Internet schnell im Überangebot untergeht.“ Die User wünschen sich Orientierung. Was sie nicht im Angebot sehen, suchen und finden sie mit Sicherheit woanders. Als Journalist ist es beinahe fahrlässig, diese Chance nicht zu nutzen, sinnvoll auszuwählen und Inhalte kritisch zu prüfen. „Aktiv auswählen macht den Reiz beim Nutzen von Online-Angeboten aus. Dazu müssen zuallererst Alternativen sichtbar sein: Jede gute Online-Seite führt zu weiteren. [...] User möchten vorher wissen, worauf sie sich einlassen. Und sie möchten auf gar keinen Fall gegen ihren Willen etwas aufgedrängt bekommen, sondern sich bewusst dafür entscheiden.“ In Deutschland wird diese Strategie von den Bloggern, Nutzern und Usern in die Tat umgesetzt; von den Medien selbst nur recht zögerlich akzeptiert.

Besser als Professor Jay Rosen in seinem Blog-Eintrag vom 6. September 2010 kann man den Wandel, der stattgefunden hat, nicht zusammenfassen: „The Journalists formerly known as the Media.“ – Journalisten, früher auch einmal bekannt als die Medien. Dabei wird die Marke wichtiger als das Medium. Das Profil muss stark sein; Inhalte multimedial. Statt einer Veröffentlichung von Inhalten geht es heute eher um Kommunikation: „Journalisten produzieren für Medien keine Beiträge, sie kommunizieren mit ihren Lesern – mitunter auch im direkten Dialog.“ Während früher alle Inhalte von der Marke selbst erarbeitet wurden und auf der Webseite den Nutzern präsentiert wurden, heißt es heute jedoch eher, eine Plattform zu sein. Eine starke Marke besticht heute in Zeiten des Überangebots an Information durch Auswahl relevanter Beiträge und Verlinkungen.

 
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