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6.3 Crossmedia, Social Media und New Storytelling

Bunz schreibt: „Während eine publizistische Marke bislang vor allem mit einem Medium verbunden wurde, wird in Zukunft gelten, dass eine Marke für einen bestimmten Inhalt steht, der über verschiedene Plattformen wie Zeitung, Internet, Mobiltelefon oder Internet-TV verteilt wird – ,Crossmedialität' von Inhalten lautet derzeit das neue verlegerische Zauberwort, dessen Umsetzung gar nicht so einfach ist.“ Nicht nur, aber auch das hat den klassischen Journalismus mit seinen Medien verändert. Für Onlinemedien journalistisch tätig zu werden, heißt mehr als schreiben. Die Verknüpfung von Text, Bild und Ton setzt vernetzte Fähigkeiten und Kompetenzen wie visuelles Denken, akustisches und filmisches Gespür, aber auch das Beherrschen von Gestaltungstechniken voraus. Crossmediales Arbeiten wird immer wichtiger und das Internet bietet eine ideale Kommunikations-Plattform hierfür. Eine Vielzahl an journalistischen Produkten wird heute von vornherein digital produziert, auf verschiedenen Kanälen verbreitet und miteinander vernetzt. Diese technische Konvergenz führt zu einer abnehmenden Trennung zwischen den einzelnen Medienbereichen Print, Fernsehen und Radio.

Gerade im Netz ist das Prinzip wichtig, mit einer großen Anzahl an Nischenprodukten zu arbeiten, dem „Long Tail“. Der größte Unterschied von Onlinezu den klassischen Medien liegt jedoch in der Aktivität des Nutzers. Selbsttätig navigiert sich der User durch den virtuellen Raum und kommuniziert direkt mit anderen Usern. Keines der klassischen Medien bietet derartige Möglichkeiten.

Crossmedia bedeutet: alle Ausspielwege nutzen, die uns die klassischen Medien und das Internet bieten. Aber wichtig ist, gegenseitig davon zu profitieren und ein Gesamtbild aller Inhalte in verschiedenen Arten und Weisen zu bieten. Das heißt: weg von der reinen Begleitung des Fernsehprogramms als Online-Artikel und einem Fernsehtipp dazu im Radio. Sondern eine Geschichte oder ein Thema in allen Medien zu präsentieren – im Radio mit einem Experten im Studio und den Fragen am Telefon oder via Internet. Im Fernsehen eine Dokumentation, aus deren O-Tönen noch ein Erklärstück im Vorfeld der Radiosendung läuft. Das Interview mit dem Protagonisten aus der Doku im Internet in Gesamtlänge und dort wieder die Möglichkeit, mitzureden. Das geschilderte ist nur ein grobes Abbild, wie man vorgehen kann, tatsächlich gibt es zu einer Geschichte schier unendlich viele Möglichkeiten, crossmedial auszuspielen. Vor allem aber auch: so zu arbeiten. Die Idee des Newsdesks findet fernab vom Nachrichtengeschehen auch Einzug in Kultur und Unterhaltung. Geplant wird gemeinsam – mit Audio, Video und Online-Strategie. Welche Inhalte finden Eingang in welches Medium, wie kann man diese gut verpacken, verwerten, aufarbeiten? Wie können wir die Nutzer darauf aufmerksam machen, wo finden diese danach die Inhalte vielleicht sogar gebündelt?

Und Social Media? Das ist heute für viele Redaktionen schon mehr als nur ein FacebookAuftritt. Social TV, Social Radio, Live-Chat und Live-Blogging – das alles sind die Worte, die das klassische Fernsehen und Radio von heute begleiten. Der Tatort wird nicht nur von Millionen Zuschauern im Fernsehen zur Sendezeit verfolgt, sondern währenddessen auch im Internet diskutiert und kommentiert. Während der Film in der Mediathek auch im Livestream läuft, tauschen sich in den Social Networks die Fans und Kritiker aus. Das Fernsehschauspiel wird zum digitalen Massenerlebnis. Alle Interessierten twittern unter einem Hashtag, so werden die Inhalte im Netz auffindbar. Der Second Screen – der zweite Bildschirm des Nutzers – wird immer häufiger eingesetzt. Ob Scribble Live, Couchfunk oder andere Anbieter. Während im Fernsehen lineares Programm läuft – das Lagerfeuer von früher – findet parallel die Diskussion unter der neuen Familie, der Community, statt. Die Konsumenten sitzen nicht mehr alle an einem Ort, aber sind miteinander verbunden.

 
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