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6.4 New Storytelling – Multimediales Erzählen von Geschichten

Große Medienhäuser machen es mittlerweile vor, wie man Geschichten nun auch auf ganz andere Art und Weise erzählen kann. Nicht nur zum Lesen, nicht nur zum Hören oder Anschauen, sondern miteinander interaktiv und multimedial verbunden – alles auf einer Internetseite miteinander verknüpft, nicht nur linear erlebbar, sondern vor allem zum Entdecken in eigener Geschwindigkeit und nach Interesse des individuellen Konsumenten. Eine Geschichte wird erzählt – meist bildstark, mit Zeitleisten, Zusatzinformationen, grafischen Elementen, interaktiven Karten, Audio-Slideshows, Fotostrecken, Videoschnipseln, Zahlen und Fakten, Diagrammen und so weiter. Der Nutzer „erlebt“ eine Geschichte, er kann sich auf der Internetseite durch ein Thema navigieren und die Inhalte Schritt für Schritt entdecken.

„Online first“ heißt es inzwischen überall – ein weiterer Punkt, der die Redaktionen bewegt. Was meint, dass die Inhalte zuallererst im Netz veröffentlicht werden sollen. Fernab der linearen Ausstrahlung, die erst Punkt 19 Uhr beginnt. Sobald der Beitrag fertig ist, steht er online. Die recherchierten Ergebnisse stehen als Text auch im Netz – so kann der Autor vielleicht noch den einen oder anderen Tipp der Nutzer in die finale Produktion für Radio oder Fernsehen nutzen. Und sich vor allem daran orientieren, was der Nutzer sucht und will: Informationen, rund um die Uhr, nicht erst, wenn die Sendezeit in der Fernsehzeitschrift feststeht.

6.5 Das Phänomen BuzzFeed

BuzzFeed ist ein Internetdienst, eine Webseite und eine App, die Phänomene im Internet, die Mems, verfolgt. Es ist eine Nachrichtenund Unterhaltungs-Webseite, eng angebunden an die sozialen Netzwerke und damit gleichzeitig selbst eine Social Media Plattform. BuzzFeed zeigt Listen, Fotos, Gifs, Zitate, es meldet Nachrichten und Soft News. Der Konsument kann sich durch das gesamte Angebot klicken und findet immer wieder neue Inhalte, die er entdecken, kommentieren und verbreiten kann. Die Rubriken heißen OMG und WTF – statt Kultur und Panorama. Geklickt wird, was neu und anders ist. BuzzFeed setzt auf Viralität – dem Interesse der Lesenden, diese Inhalte mit ihren Freunden und Bekannten zu teilen.

„BuzzFeed has the hottest, most social content on the web. We feature breaking buzz and the kinds of things you'd want to pass along to your friends“, beschreibt sich BuzzFeed selbst auf seiner Webseite buzzfeed.com. Denn klar ist – die meisten Leute wollen nicht nur informiert werden. Hard News bekommen sie oft als schlechte Nachrichten vorgesetzt, sie suchen Ablenkung. Sie sind auf der Suche nach der einfachen Unterhaltung und wollen sich darüber mit ihren Freunden unterhalten. „Es sind die ungesagten Dinge, die BuzzFeed so einzigartig machen – das Was-wäre-wenn, das So-könnte-es-gewesen-sein, die kleinen Gemeinheiten, die man Prominenten anhand von animierten Gifs in den Mund legt. Und natürlich die unzähligen Listicles, die aus den Untiefen des Internets zusammenbringen, was einfach zusammengehört.

„Shareability“ – also wie oft ein Beitrag geliked und geteilt wird, ist für BuzzFeed sozusagen Quotenmesser und ein starkes Signal für die Qualität von Inhalten.

BuzzFeed ist aber mehr als nur Unterhaltung und Katzenfotos. Auch wenn der Großteil der Inhalte aus einfacher Unterhaltung besteht – BuzzFeed investiert derzeit in investigativen Journalismus. „Als Publisher haben wir uns deshalb entschieden, alle Genres abzubilden und ein Komplettpaket zu schaffen – auch in Bereichen, in denen wir zuvor kaum etwas gemacht haben. Die Journalisten, die wir jetzt dafür anstellen können, sind extrem gut. Sie bereichern BuzzFeed mit ihren Inhalten und erweitern damit auch unser Portfolio.“ Ob das ein recherchierter Inhalt zum Nachrichtengeschehen der Welt oder süße Katzenfotos sind. Wichtig wird, was interessant ist.

BuzzFeed schafft damit, was die etablierten Medienhäuser kaum von sich behaupten können – sie verfolgen und setzen Themen, die ein breites Publikum interessiert und vor allem weiterverbreitet. Listen und Rankings, Animationen und Fotos werden zu Gesprächsthemen. Jetzt startet BuzzFeed auch auf Deutsch. Es ist davon auszugehen, dass es ab diesem Moment mehr denn je Einfluss auf die deutsche Medienlandschaft nehmen wird und Verlage, Radiound Fernsehsender zum Umdenken und vor allem Experimentieren zwingen wird.

 
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