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18 Der deutsche Film der 80er-Jahre

Die Krise des deutschen Films und des Kinos hielt auch zu Beginn der 80er-Jahre an. Die neu erfundenen Videokassetten und teure amerikanische Filmproduktionen wie Steven Spielbergs Der weiße Hai (1975) und ET – der Außerirdische bestimmten den Markt. Vor allem bei der Jugend galten Kinos als antiquierte Vergnügungsstätten. Viele von ihnen hatten ihre Vorführräume in kleine „Schuhschachtel-Kinos“ umgewandelt, in der Hoffnung, mit drei oder vier verschiedenen Filmen am Abend ein zunehmend disparateres Kinopublikum anlocken zu können.

Der Neue Deutsche Film mit seinen „Autorenfilmen“ verlor große Teile seines Publikums und zog sich auf alternative Spielstätten zurück. Eine neue Generation von Filmemachern orientierte sich an Hollywood und produzierte internationale Koproduktionen. Sie befassten sich vielfach mit politischer Geschichte und Zeitgeschichte, vor allem in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Dazu kam eine Reihe von seichten Unterhaltungsfilmen für ein breiteres Publikum.

Das Ende des Neuen Deutschen Films wird im Allgemeinen gleichgesetzt mit dem frühen Tod von Rainer Werner Fassbinder 1982 und dem Amtsantritt des konservativen Innenministers Friedrich Zimmermann, der unter anderem die Produktion von Herbert Achternbuschs Werk Das Gespenst stoppte, indem er die noch ausstehende Summe von 75 000 DM von den zugesagten 300 000 DM strich und in einer Bundestagssitzung erklärte, er werde keine Filme mehr finanzieren, die außer dem Produzenten niemand sehen wolle. Zimmermann setzte auch wesentliche Änderungen für die Vergabe der Bundesfilmpreise durch. Unter anderem sollte das Preisgeld nur noch 30 Prozent der gesamten Produktionskosten ausmachen. Für den deutschen Autorenfilm hatte diese Maßnahme schwerwiegende Folgen, da künftig kaum ein Filmemacher in der Lage war, die restlichen 70 Prozent einer Produktion vorzufinanzieren oder gar einzuspielen.

Dennoch wurden auch in dieser Zeit herausragende Filme produziert, unter anderem die Verfilmung von Lothar Günther Buchheims Roman Das Boot durch den Regisseur Wolfgang Petersen in den Bavaria Filmstudios in München-Geiselgasteig. Durch diese Verfilmung wurde Das Boot über Deutschland hinaus bekannt, was neben der Vorlage sicher auch mit der Besetzung zu tun hat, die sich wie ein „Who's who“ der modernen deutschen Filmgeschichte liest. Viele der mitwirkenden Schauspieler schafften durch diesen Film ihren Durchbruch, unter anderem Uwe Ochsenknecht, Heinz Hoenig, Jan Fedder, Martin Semmelrogge, Klaus Wennemann und Herbert Grönemeyer. Otto Sander und Jürgen Prochnow waren im Filmgeschäft schon bekannt.

Erfolgreich waren auch die an Hollywood orientierten Produktionen bzw. internationale Koproduktionen wie Die flambierte Frau (1983) von Robert van Ackeren, und der deutschUS-amerikanische Fantasy-Film Die unendliche Geschichte (1984) von Wolfgang Petersen nach dem Erfolgsroman von Michael Ende. Besonders beeindruckend gestalteten sich dabei die Spezialeffekte, denn 1984 war noch nicht an Computereffekte zu denken.

Die geistreiche und freche Komödie Männer (1985) von Doris Dörrie (Drehbuch und Regie) mit Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach in den Hauptrollen wurde von 5 Millionen Kinobesuchern gesehen und gewann die Goldene Leinwand. Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach erhielten den Deutschen Filmpreis als Beste Darsteller und Doris Dörrie bekam ihn für das Beste Drehbuch. Herbstmilch, die Verfilmung der Lebenserinnerungen der Bäuerin Anna Wimschneider durch Joseph Vilsmaier, war einer der großen Erfolge des Jahres 1989.

Verrisse in den amerikanischen Kritiken und überschwängliche Lobeshymnen in den europäischen Zeitungen gewann die deutsch-italienisch-französische Verfilmung von Umberto Ecos Erfolgsroman Der Name der Rose durch Jean-Jacques Annaud im Jahr 1986 mit Sean Connery als William von Baskerville und Helmut Qualtinger als Remigio da Varagine. Der Film, der in Kloster Eberbach, in den Cinecittà Studios, auf einem kostspielig verwandelten Hügel außerhalb von Rom und in den Abruzzen gedreht wurde, kostete 17 Millionen US-Dollar, konnte aber weltweit 77 Millionen Dollar einspielen.

Ein ganz besonderes Filmereignis war Out of Rosenheim von Percy Adlon, von dem auch Idee und Drehbuch stammen, mit einer unvergleichlichen Marianne Sägebrecht in der Rolle der Jasmin Münchgstettner, die nach einem handfesten Krach mit ihrem Mann in dem abgelegenen Wüstenmotel Bagdad Café landet.

 
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