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20 Babelsberg – DEFA – Babelsberg, eine deutsche Filmgeschichte

Vorläufig beendet wurde 1990 ein Kapitel deutscher Filmgeschichte, was in den alten Bundesländern zunächst kaum zur Kenntnis genommen wurde. Die DEFA-Studios, die 1946 aus den Babelsberg Studios hervorgegangen waren, wurden mit ihren über 2 000 Mitarbeitern der Treuhandanstalt übergeben und von diesen nach der Entlassung der meisten Mitarbeiter in den Besitz eines französischen Investors überführt. Dieser französische Konzern investierte in den folgenden 12 Jahren rund 500 Millionen Euro in das Filmstudio und in die Medienstadt. Mit der Produktion von 12 Kinofilmen war das Jahr 2007 das erfolgreichste Geschäftsjahr seit der Privatisierung im Jahr 1992. Im Jahr 2009 arbeiteten mit Quentin Tarantino (Inglorious Basterds) und Roman Polanski (Ghostwriter) zwei der weltweit bekanntesten Regisseure in Babelsberg.

2010, also im Jahr 98 nach ihrer Entstehung, gründeten die Studios Babelsberg zusammen mit dem französischen Produktionsund Verleihunternehmen Celluloid Dreams und Clou Partners aus München das internationale Produktionsunternehmen TheManipulators.

21 Ausblick

Dieser Name „TheManipulators“ zeigt deutlich, wohin die Reise im digitalen Zeitalter des Films gehen wird. Es ist die permanente Weiterentwicklung von technischen Möglichkeiten zur Erzeugung des „Wunderbaren“.

Während bei Star Wars (1977/1980/1983) des amerikanischen Ausnahme-Produzenten, Drehbuchautors und Regisseurs George Lucas neben technisch höchst aufwändigen Spezialeffekten für einige Szenen immer noch Stop Motion verwendet wurde, kam 1995 mit Toy Story der erste von den Pixar Animation Studios komplett am Computer hergestellte Film in die Kinos. Seitdem befinden sich die Computeranimationsfilme auf dem Siegeszug. 2001 erschienen mit Die Monster AG und Shrek – Der tollkühne Held zwei sehr erfolgreiche Filme. Shrek erhielt sogar einen Oscar als bester Animationsfilm 2002, vor allem wegen seiner überzeugenden Darstellung von Wellen, Feuersbrünsten und von Haar. Mit Final Fantasy – Die Mächte in dir entstand der erste vollständig am Computer erstellte Film mit realistisch wirkenden menschlichen Figuren. Die Einspielergebnisse dieser Filme lassen erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Dennoch wird die Faszination von Filmen wie Attelage d'un camion, Nosferatu, Metropolis, Der Blaue Engel, Vom Winde verweht, Some like it hot, Rashomon, High Noon, Die zwölf Geschworenen, Wilde Erbeeren und hunderter weiterer Filme, die hier nicht genannt werden konnten, bestehen bleiben, denn letztlich entsteht jeder Film immer wieder im Kopf des Betrachters.

Ähnlich verhält sich die Antwort auf die Frage: „Was sind die wichtigsten Filme aller Zeiten?“ Beim Streit um die Top Ten gewinnen ästhetische Meilensteine – das Populäre fehlt. Wer sich die von Kennern ausgewählten zehn besten Filme aller Zeiten anschaut, hat nicht viel zu lachen. In den Top Ten, die die britische Zeitschrift Sight and Sound Ende 1992 bei einer Umfrage ermittelte, findet sich nur eine Komödie: Charlie Chaplins Moderne Zeiten. Kein Film von Buster Keaton, Ernst Lubitsch oder Billy Wilder schaffte es auf die vorderen Plätze. Und das Musical ist überhaupt nicht vertreten.

Was einen guten Film ausmacht, ist auch über hundert Jahre nach der Geburt des Kinos ungeklärt. Seine Qualität lässt sich weder nach rein ästhetischen Gesichtspunkten noch nach dem kommerziellen Erfolg bestimmen. Trotz dieser unbeantworteten Fragen hat es zahllose Versuche gegeben, einen Kanon des Kinofilms aufzustellen. 1977 befragte das American Film Institute alle seine 35 000 Mitglieder nach ihren Favoriten. Platz eins: Vom Winde verweht.

Bei einer Umfrage unter Filmschaffenden rangierte Sergei Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin vor Charlie Chaplins Goldrausch und Vittorio de Sicas neorealistischem Meisterwerk Fahrraddiebe. Danach kam erneut Chaplin mit Lichter der Großstadt. Doch wo bleibt Casablanca? Immerhin wählte das American Film Institute dieses Melodram von Michael Curtiz mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman zum besten US-Liebesfilm und zum drittbesten US-Film aller Zeiten, während Orson Welles mit Citizen Kane auf Platz 1 lag. Aber wie heißt der Schlusssatz in Some like it hot: „Nobody is perfect!“

Der Stummfilm hat gegenüber dem Tonfilm verloren – entweder wegen der enormen Entwicklung des Kinos oder wegen eines Nachlassens des historischen Bewusstseins. Geographisch hat sich bei derartigen Umfragen der Horizont erweitert, mit zwei Filmen des Japaners Akira Kurosawa sowie je einem seines Landsmanns Yasujiro Ozu und des Inders Satyajit Ray.

Regisseure nominieren eher Filme jüngeren Datums, etwa Martin Scorseses BoxerBiographie Wie ein wilder Stier oder Francis Ford Coppolas erste beide Teile des Paten, Rainer Werner Fassbinders Die Sehnsucht der Veronika Voss und Phillip Noyce's Die Stunde der Patrioten. Sie verstehen sich offenkundig nicht als Kuratoren eines Museums, sondern nennen Filme, die für ihre Arbeit von besonderer Bedeutung waren. Das ist sicher auch ein Grund für den Spitzenplatz von Fellinis 8 1/2, der das Filmemachen zum Thema hat.

Die Filmkritiker scheinen sich die Frage zu stellen: „Welche zehn Filme sollten mit einer Rakete in den Weltraum geschickt werden, um einer fremden Lebensform ein Bild vom Stand der menschlichen Zivilisation zu vermitteln?“ Die Regisseure dagegen: „Welche Filme würde ich mitnehmen, wenn ich selbst mit an Bord ginge?“

Das Publikum würde sich vermutlich auf Streifen wie Titanic oder Avatar einigen, denn bahnbrechende Filme sind nicht immer die, die den allgemeinen Geschmack ansprechen.

Literatur

Altendorfer, Otto: Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland Bd. 2, 2004

Beyer, Friedemann/Koshofer, Gerd/Krüger, Michael: UFA in Farbe. Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945, 2010

Bock, Hans M.: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film, 2007

Bock, Hans M./Mosel, Wiebke A./Spazier, Ingrun (Hrsg.): Die Tobis 1928 – 1945, 2003

Elsaesser, Thomas: Filmgeschichte und frühes Kino, 2002

Jacobsen, Wolfgang/Kaes, Anton/Prinzler, Hans Helmut (Hrsg.): Geschichte des deutschen Films, 2.

Auflage, 2004

Ross, Heiner (Hrsg.): Lernen Sie diskutieren. Re-education durch Film. Strategien der westlichen Alliierten nach 1945, 2005

Schröder, Nikolaus: Film. Die wichtigsten Werke der Filmgeschichte, 2007

Zimmermann, Peter/Moldenhauer, Gebhard (Hrsg.): Der geteilte Himmel. Arbeit. Alltag und Geschichte im ostund westdeutschen Film, 2000

ofdb.de filmdb.de film-datenbank.eu

 
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