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3 Medienordnung

Die Medienstruktur der Bundesrepublik Deutschland

1 Einleitung

Medien und Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland zeigen ein mannigfaltiges Bild. Dies bezieht sich sowohl auf die Mediendienstleistungen und -angebote, als auch auf die politischen Rahmenbedingungen und die Charakteristik des Mediensystems selbst. Dabei kommt den Medien die Meinungsbildungsund Informationsfunktion zu, aber auch die Unterhaltung ist ein Aspekt, den Medien bedienen.

Betriebswirtschaftlich betrachtet gehören die Medien zur Kulturund Kreativwirtschaft. Die Kulturund Kreativwirtschaft entwickelte sich seit den 80er-Jahren zu einem der innovativsten und dynamischsten Wirtschaftszweige Deutschlands. Mit mehr als 63 Milliarden Euro hat sie im Jahr 2009 zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung beigetragen. Sie lässt sich damit mit großen Industriezweigen wie Maschinenbau und Automobilbau vergleichen.

Medien werden nach Merkmalen wie

▪ Mobilität,

▪ Interaktivität,

▪ Aktualität,

▪ zeitliche Intensität,

▪ Periodizität und inhaltliche Kontinuität

unterschieden und in verschiedene Mediengattungen eingeteilt. Dazu gehören:

▪ elektronische Medien (Fernsehen und Hörfunk),

▪ Printmedien (Zeitungen und Zeitschriften),

▪ Neue Medien/Multimedia (Internet, Online-Dienste, Datendienste),

▪ Satellitendienste,

▪ Nachrichtenagenturen, Produzenten und Vertriebspartner.

Traditionelle Wirtschaftsbereiche, neue Technologien und moderne Informationswie Kommunikationsformen werden durch die Kulturund Kreativwirtschaft vereint. Dies geschieht auf den folgenden elf Teilmärkten:

▪ Kunstmarkt

▪ Pressemarkt

▪ Werbemarkt

▪ Buchmarkt

▪ Markt für darstellende Künste

▪ Markt der Architektur

▪ Designwirtschaft

▪ Filmwirtschaft

▪ Musikwirtschaft

▪ Rundfunkwirtschaft

▪ Software-/Games-Industrie

Die Kulturund Kreativwirtschaft umfasst also Unternehmen, die überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind. Sie befassen sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen, kreativen Gütern und Dienstleistungen.

An dieser Stelle zeigt sich, wie breit die Medienstruktur zu betrachten ist. Die folgende Tabelle gibt den Überblick über die Struktur.

Tabelle 1: Überblick über die Medienstruktur

Märkte

Teilmärkte

Marktstruktur

Übertragungswege

Übertragungsarten

Fernsehen Hörfunk Print Online Satelliten

Agenturen (Dienstleister)

öffentlich-rechtlich privat

freie Angebote

Bezahlangebote

Kabel Satellit Antenne Online

(Vertrieb/ Abo)

analog digital

Aus der Tabelle wird der Umfang des Mediensektors deutlich. Sie zeigt sowohl auf der Marktseite, als auch bezüglich der Verbreitungswege und der -technologien eine große Anzahl von Kombinationsmöglichkeiten und denkbaren Verflechtungen. In Deutschland handelt es sich um ein grundsätzlich freiheitliches Mediensystem, was jedoch nicht bedeutet, dass dieses nicht in Gesetzmäßigkeiten und Regeln eines demokratischen Staates eingeordnet ist. Die folgende Tabelle zeigt die Zuständigkeiten und Kompetenzbereiche auf.

Mediensektoren und Gesetzgeber

Abbildung 1: Mediensektoren und ihre Gesetzgeber

Je nach Medienart lassen sich unterschiedliche Zuständigkeiten definieren, die zwischen Bund, Ländern bis hin zur Europäischen Union und den Vereinten Nationen reichen. Entsprechend ergeben sich daraus diverse Gesetzmäßigkeiten wie zum Beispiel die Landesrundfunkgesetze (LRG), die Landesmediengesetze (LMG), die Landespressegesetze (LPG) sowie das Telemediengesetz (TMG) und das Telekommunikationsgesetz (TKG).

Dennoch muss innerhalb der Strukturbetrachtung die Charakteristik des Mediensystems tiefergehend beleuchtet werden. Ohne näher auf eine historische Betrachtung einzugehen, soll an dieser Stelle gesagt werden, dass die Geschichte Deutschlands maßgeblich für die heutige Struktur der Medien in der Bundesrepublik verantwortlich ist.

Je nach Epoche ergeben sich verschiedene Tendenzen, wie die Medienstruktur gestaltet war. In der Weimarer Republik waren es vor allem Printprodukte und der Hörfunk, die den Medienmarkt dominierten. Dieser war freiheitlich strukturiert. Dies änderte sich unter der nationalsozialistischen Herrschaft in den 1930er-Jahren. Im Dritten Reich wurden die Medien als Propagandaorgan genutzt.

Mit der Teilung Deutschlands nach Kriegsende verlief die Entfaltung des Mediensystems dann unterschiedlich und an der gesellschaftspolitischen Struktur orientiert.

So fungierten die Medien in der DDR als ein zentral gesteuertes Sprachrohr des Staates. In der Bundesrepublik setzte sich eine von den Alliierten forcierte, dezentrale, staatsferne Struktur in Form von Anstalten des öffentlichen Rechts durch. In den 1980er-Jahren folgte zusätzlich zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik die Etablierung des privaten Rundfunks und damit das duale Rundfunksystem. Mit dem Ende der DDR wurde auch in den fünf neuen Bundesländern die geschaffene duale Rundfunkstruktur, also die parallele Existenz von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk, eingeführt.

Die Medienlandschaft ist heute von einer freien und freiheitlichen Struktur gekennzeichnet, die durch das Grundgesetz in Form der Medienund Pressefreiheit gestützt ist. Als grundsätzliche Eckpfeiler bewegen sich Medien in Deutschland innerhalb eines demokratischen Regierungssystems, unterliegen keiner Zensur und wenig Staatskontrolle, bestehen aus privaten und öffentlich-rechtlichen Medien und fungieren als Meinungsbildner innerhalb der Gesellschaft.

Auch aktuell ist die Medienlandschaft Änderungen unterworfen. Vor allem seit dem Einzug des Internets gewinnt in diesem Zusammenhang auch der Begriff Medienkonvergenz an Bedeutung.

Unter Konvergenz wird das Zusammenwachsen bisher getrennter Einzelmedien sowie die Fusion von Informationsund Kommunikationstechnologien verstanden. Mit dem Begriff Medien werden daher heute fast alle informationsund kommunikationsrelevanten Bereiche charakterisiert. Somit sind Medieninhalte nicht mehr nur auf ein Marktsegment und eine Verbreitungsform beschränkt, sondern werden multipel genutzt und angeboten.

Beispiele hierfür sind unter anderem:

▪ Online gestellte Mediathekangebote von Fernsehsendern, so wird der PC zum TV

▪ Zeitungsnachrichten sind auch auf dem Handy abrufbar

▪ Per E-Mail immer erreichbar – das Smartphone macht es beispielsweise möglich

▪ Mit Blogs, Microblogs und Social Networks werden auch Privatnutzer zum Nachrichtenmacher

Konvergenz bedeutet also im weitesten Sinne eine Verschmelzung von Inhalten und Kommunikationswegen in alle Richtungen. So müssen heute neue Geräte verschiedene Technologien und Nutzungsmodi bündeln. Konvergenz tritt demnach in folgenden Bereichen auf:

▪ Technisch in Form von Empfangsgeräten und Verbreitungswegen

▪ Inhaltlich in Form einer Mehrfachverwendung und Verbreitung

▪ Bezüglich der Mediennutzung in Form von verschiedensten Konsummöglichkeiten

▪ Bezüglich der Organisationsstrukturen in Form der Funktion im Mediensystem

Konvergenz beeinflusst die Medienstruktur heute maßgeblich. Alle Sektoren und Märkte sind davon eingenommen.

 
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