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3.4 Zeitschriften

Dieselben Entwicklungen, die in der Zeitungsbranche für höhere Auflagen sorgten – innovative Druckmethoden, niedrigere Preise, höhere Werbeeinnahmen – trugen auch zur raschen Verbreitung von Zeitschriften, die auch zumeist ein breites Publikum ansprachen, bei. Es entwickelte sich eine Vielzahl verschiedener Arten von Zeitschriften, die sich aber, anders als Zeitungen, vor allem am nationalen Markt orientieren. Bereits im späten 19. Jahrhundert entstand ein breitgefächertes Angebot an Zeitschriften, die auch im 20. Jahrhundert noch sehr einflussreich sind. Zu ihnen zählen das Atlantic Monthly, The Nation und Harper's Magazine. Die größte Leserschaft erzielten jedoch jene Magazine, die Themen rund um die größer werdende Freizeit und dem steigenden Konsumverhalten der Amerikaner aufgriffen. Einige dieser Magazine waren Cosmopolitan, das Ladies' Home Journal und die Saturday Evening Post.

Mit dem Aufkommen der Zeitschriften verkauften Verleger nicht mehr nur eine Lektüre, sondern sie verkauften gewissermaßen ihre Leser an die Anzeigenkunden. Da im Gegensatz zu Zeitschriften Zeitungen lediglich ein örtlich begrenztes Publikum erreichten, wandten sich vor allem große finanzkräftige Anzeigenkunden, die ihre Produkte landesweit verbreiten wollten, sehr bald an die auflagenstärksten Zeitschriften. Dieser Trend setzte sich fort und bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Zeitschriften zu einem wichtigen Werbemedium geworden.

Trotz der frühen Verbindung wirtschaftlicher Interessen der Verleger, deren vornehmliches Interesse an hohen Auflagenzahlen und Anzeigeneinnahmen lag, und freiem Journalismus, ist das journalistische Handeln zur selben Zeit geprägt durch eine neue Generation von Zeitungsund Zeitschriftenredakteuren, den sogenannten Muckrakers, die soziale Korruption in den USA aufdeckten. Diese Journalisten erzeugten durch ihre Artikel ein öffentliches Interesse an Regierungsund Wirtschaftsreformen und begründen die lange amerikanische Tradition des investigativen und die Demokratie unterstützenden Journalismus. Dennoch traten die Zeitschriften erst in den 1920erund 1930er-Jahren mit der Entwicklung wöchentlicher Nachrichtenzeitschriften als einflussreiche Meinungsund Nachrichtenmacher hervor. Die wohl bekannteste Wochenzeitschrift TIME wurde 1923 von Henry Luce und Briton Hadden gegründet und zielte auf Leser ab, die zu beschäftigt waren, um täglich eine Zeitung zu lesen. TIME war auch die erste Zeitschrift, die Nachrichten in unterschiedliche Kategorien wie Innenpolitik, Wirtschaft oder Wissenschaft aufteilte und als Vorbild zahlreicher europäischer Nachrichtenmagazine gilt. Newsweek, das ein sehr ähnliches Format verwendete, wurde 1933 gegründet. Weitere bekannte wöchentlich erscheinende Nachrichtenmagazine sind Bloomberg Businessweek (seit 2009, ursprünglich 1929 gegründet als BusinessWeek) und U.S. News & World Report (1933 als United States News gegründet, firmiert seit dem Zusammenschluss mit dem World Report 1948 unter dem aktuellen Namen).

Da Zeitschriften sich auf einem überaus wettbewerbsstarken Markt gegenüberstehen, wurde es für die Zeitschriftenverleger sehr bald wichtig, eine klar umgrenzte Zielgruppe anzusprechen. Die Computerund Internetechnologie hat ihnen hierbei geholfen, bestimmte Produkte für Publikumsgruppen mit speziellen Interessen zu entwickeln. Ein Ergebnis dieser Spezialisierung war ein sprunghafter Anstieg regelmäßig erscheinender Veröffentlichungen von 6 960 im Jahre 1970 auf fast 10 000 im Jahre 1999. Dieser Trend erfuhr im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends eine radikale Umkehr. Seit 2006 ist der amerikanische Zeitschriftenmarkt in einer ernsthaften wirtschaftlichen Krise. Neben den Verkaufszahlen sanken trotz des Online-Geschäfts auch die Werbeund Anzeigeneinnahmen. Dies führte zu strukturellen Veränderungen. So musste die Zeitschrift Reader's Digest, 1922 gegründet und lange Jahre die führende amerikanische Zeitschrift, 2010 einen Rückgang der verkauften Auflage von 22,2 Prozent verkraften. Das 1991 gegründete Game Informer Magazine, das sich inhaltlich mit Videound Computerspielen beschäftigt, konnte jedoch im gleichen Jahr einen Zuwachs von 33,3 Prozent verzeichnen.

Tabelle 3: Die 10 auflagenstärksten Publikumszeitschriften

Publikumszeitschriften

Auflage (2013)

Game Informer Magazine

7 864 326

Better Homes and Gardens

7 621 456

Reader's Digest

5 527 183

Good Housekeeping

4 354 740

Family Circle

4 143 942

National Geographic Magazine

4 125 152

People

3 637 633

Womans' Day

3 374 479

Time

3 281 175

Taste of Home

3 268 549

Von den vier traditionellen Nachrichten-Zeitschriften TIME, Newsweek, Bloomberg Businessweek und U.S. News & World Report, die seit über 70 Jahren Wettbewerber auf dem amerikanischen Markt sind, haben alle mit einem Rückgang ihrer verkauften Auflagen zu kämpfen. Die Auswirkungen auf die einzelnen Zeitschriften sind jedoch ganz unterschiedlich. Während Newsweek einen Rückgang um 31,6 Prozent zu verkraften scheint, hat der ehrwürdige U.S. News & World Report im Dezember 2010 seine Druckausgabe eingestellt und erscheint seither nur noch als Online-Ausgabe. Als letztes der großen Nachrichten-Magazine befindet sich die TIME noch unter den 25 auflagenstärksten Publikumszeitschriften der USA. Trotz Krisenjahre behauptete die TIME sich unter den zehn auflagenstärksten. Für die Wettbewerber kann noch Hoffnung bestehen, denn es bleibt abzuwarten, inwieweit technologische Innovationen wie Anwendungen für Smartphones, Handhelds und SocialMedia-Anwendungen abermals eine neuerliche Trendwende einläuten können.

 
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