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3.5 Die Entwicklung des Rundfunks

Seit 1919 gab es in den USA regelmäßig Radiosendungen, die aber lediglich über eine lokale Reichweite verfügten. Mit dem Beginn des kommerziellen Rundfunks in den Vereinigten Staaten im Jahre 1920 endete das Monopol der Printmedien. Bereits 1922 wurden erste Werbesendungen im Radio ausgestrahlt und im Jahre 1923 gab es in den USA über 500 Rundfunksender. Durch das frei empfangbare Unterhaltungs-, Nachrichtenund Musikangebot des neuen Mediums stieg auch der Verkauf von Radiogeräten. Wurden noch im Jahre 1920 5 000 Radios verkauft, stieg die Anzahl verkaufter Radios nur vier Jahre später bereits auf über 2,4 Millionen.

Das erste amerikanische Rundfunk-Network, der Zusammenschluss lokaler Sender mit einem nationalen Mantelprogramm und ergänzenden lokalen Beiträgen, war 1926 die National Broadcasting Company (NBC). Die NBC wurde durch die Radio Corporation of America (RCA), einem Zusammenschluss von Konzernen aus der Elektround Telefonindustrie gegründet. Bereits 1928 gab es in den USA drei nationale Radiostationen, zwei waren im Besitz der NBC und eine gehörte der Columbia Broadcasting System (CBS).

Obwohl das Radio zu Beginn überwiegend als Unterhaltungsmedium genutzt wurde, zog es durch aktuelle Berichterstattungen dramatischer Ereignisse während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren und des Zweiten Weltkrieges eine große Zuhörerzahl an. Präsident Franklin D. Roosevelt erkannte das Potential des neuen Mediums und nutzte gezielt Rundfunkübertragungen, um die amerikanische Öffentlichkeit zu informieren. Während seiner vier Amtszeiten (1933 – 1945) informierte Roosevelt die Nation regelmäßig in Radioansprachen, den sogenannten „fireside chats“, über das politische Vorgehen gegen die Weltwirtschaftskrise oder über aktuelle Entwicklungen des Zweiten Weltkriegs.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verdrängte das Fernsehen immer mehr das Radio als vorherrschendes Unterhaltungsund Nachrichtenmedium. Die Rundfunkanbieter passten sich der neuen Situation an, indem sie das herkömmliche Unterhaltungsprogramm durch Sendeformate mit Musik, gelegentlichen Nachrichten und Reportagen ersetzten. In den 1950ern bereits boten amerikanische Automobilhersteller Radios als Standardausstattung in ihren Autos an, was dem Rundfunk zu einem Schub verhalf. Nun war es für viele Amerikaner möglich, nicht nur zu Hause, sondern auch auf dem Weg von und zu ihrer Arbeit Radio zu hören. Seit Mitte der 1950er-Jahre löste das Format-Radio das vormals dominante Vollprogramm ab. Ein beliebtes Format dieser Zeit waren die Top Forty mit aktuellen Hits für junge Hörer. Die neuen Sendeformate unterstützten zugleich auch den Absatz von Werbezeiten.

In einer Zeit, in der das Fernsehen das dominante Medium darstellt, ist aber die Reichweite des Radios nach wie vor überaus beeindruckend. 1999 hatten 99 Prozent der amerikanischen Haushalte wenigstens ein Radiogerät. Im Durchschnitt hatte jeder Haushalt fünf Rundfunkempfänger. Trotz technologischer Innovationen, wie beispielsweise neben dem traditionellen Fernsehen das Internet, Anwendungen für Smartphones und Mobiltelefone sowie Social-Media-Angebote, und der daraus erwachsenen Konkurrenz, gaben 92 Prozent der USBevölkerung im Jahr 2012 an, dass sie täglich Radio hören. Innerhalb der letzten 20 Jahre, einem Zeitraum, in dem nicht zuletzt die Printmedien stark unter Druck gerieten, konnten die Rundfunkstationen ihre Einnahmen mehr als verdoppeln: Die Einnahmen stiegen von 8,4 Milliarden Dollar 1990 auf 17,3 Milliarden Dollar im Jahre 2010.

Ende 2013 gab es in den USA 15 358 Radiostationen. Davon sind 4 727 kommerzielle Mittelwellensender (AM), 6 612 kommerzielle UKW-Sender (FM) und 4 019 nicht-kommerzielle UKW-Sender bzw. Sender, die von Universitäten und öffentlichen Behörden zu Bildungszwecken betrieben werden. Dies bedeutet seit 2000 einen Anstieg um 2 641 Rundfunkstationen insgesamt. Darunter verbuchen allein die öffentlichen nicht-kommerziellen Rundfunkstationen in den Vereinigten Staaten einen Zuwachs um 1 879 Stationen.

Die Mehrzahl dieser öffentlichen Sender wird durch öffentliche und/oder private Mittel oder mittels eines Abonnements finanziert. Im Februar 1970 trat das National Public Radio (NPR) gemäß dem Public Broadcasting Act von 1967 in Kraft. Das NPR wurde gegründet, mit dem Ziel, sowohl über eine führende Institution in der nationalen Nachrichtenbeschaffung und Nachrichtenproduktion zu verfügen, als auch um eine landesweite Einrichtung für nicht-kommerzielle Radiostationen zu schaffen. In der Zwischenzeit ist das NPR-Network das zweitgrößte Rundfunk-Network, das in den vergangenen fünf Jahren einen kontinuierlichen Anstieg an Hörern verzeichnen konnte und im Jahre 2010 wöchentlich von nahezu 27,2 Millionen Hörern eingeschalten wurde.

 
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