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3.11 Schlussfolgerung

Die dargestellte Vielzahl verschiedener Medien in den USA legt das Vorhandensein einer Vielfalt an Informationen nahe. Doch die in den USA besonders starken, allgegenwärtigen Gesetze der freien Marktwirtschaft haben seit den 1980er-Jahren für eine starke Deregulierung der Eigentumsverhältnisse innerhalb der amerikanischen Medienlandschaft gesorgt. Während sich 1983 die Mehrheit der Medienunternehmen auf 50 Unternehmen verteilte, hat sich diese Anzahl 1992 auf etwa die Hälfte verringert und 18 Jahre später sind es lediglich fünf Medienkonzerne, die über 90 Prozent des US-Medienmarktes kontrollieren: Comcast/ NBCUniversal, LLC, The Walt Disney Company, Rupert Murdochs News Corporation Ltd., Viacom/CBS Corp. und Time Warner Inc. (vgl. Tab. 5).

Die hochkonzentrierte amerikanische Medienlandschaft ruft deshalb gerne Kritiker auf den Plan, die in dieser Konzentration eine Gefahr für die Demokratie sehen. Themen und Meinungen, die in den Augen der mächtigen Medienkonzerne nicht mehrheitsfähig sind, finden immer weniger mediale Beachtung. Wirtschaftliche Beweggründe definieren Inhalte und das Informationsbedürfnis der Bevölkerung einer Demokratie spielt nur noch eine vermeintlich untergeordnete Rolle. Mehr Leser, Zuschauer und Hörer bedeuten eine höhere Auflage bzw. eine höhere Einschaltquote und je höher die Auflage oder Einschaltquote ausfällt, desto höher sind die Werbeeinahmen.

Allerdings stehen in den USA rein wirtschaftliche Interessen dem traditionellen Selbstverständnis der kritischen Journalisten gegenüber. Die Muckracker scheuen sich nicht, ihre Rolle im Rahmen der „Checks and Balances“ wahrzunehmen – auch nicht gegenüber dem höchstem politischen Amt der Vereinigten Staaten von Amerika: dem des Präsidenten. Dies zeigen die Watergate-Affäre, Whitewatergate und die Affäre von Bill Clinton mit der Praktikantin Monika Lewinsky. Es wird sich zeigen, wie die amerikanischen Medien mit den Beschränkungen durch den Patriot Act umgehen und ob Medienvertreter die richtigen Schlüsse aus dem während des Golfkriegs praktizierten Embedded Journalism, der nur ausgewählten Journalisten erlaubte, in ausschließlich unkritischer Art und Weise über den Krieg zu berichten, ziehen. Aber auch die Gerichtsbarkeit unterstützt und schützt die Öffentlichkeit, wie beispielsweise mit dem Freedom of Information Act von 1966, den „Must-Carry-Bestimmungen“ und zahlreichen Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes der USA.

Alle gesammelten Erkenntnisse über das Mediensystem der USA zusammengefasst zeigen, dass das bestehende Mediensystem der USA nach den sechs Kategorien von Roger Blum ein liberal-investigatives Kommerzmodell ist (in Tabelle 7 kursiv hervorgehoben).

Tabelle 7: Das Mediensystem der USA nach Roger Blum (eigene Darstellung)

A

B

C

Politisches System

demokratisches System

autoritäres System

totalitäres System

Zensur

Zensurverbot

fallweise Zensur

permanente Zensur

Medienbesitz

privater Medienbesitz

gemischter Medienbesitz

öffentlicher Medienbesitz

Medienfinanzierung

Markt finanziert Medien

Markt und Staat finanzieren

Medien

Staat finanziert Medien

Medienkultur

investigative Medienkultur

ambivalente Medienkultur

konkordante Medienkultur

Medienorientierung

Kommerzorientierung

divergente Orientierung

Public Service Orientierung

86 Anhand des Typisierungsmodells von Blum lassen sich alle bekannten Mediensysteme kategorisieren und vergleichen. Nachfolgend eine kleine Länderübersicht. Die Reihenfolge der Ausprägungen (A, B und C) entspricht der Reihenfolge der vorgestellten Kriterien.

1) A, A, B, B, B, B: liberal-ambivalentes Mischmodell. Vertreter sind Großbritannien, Italien und Österreich.

2) A, A, B, B, B, C: liberal-ambivalentes Public Service Modell. Vertreter sind Deutschland und Frankreich.

3) A, A, A, B, C, C: liberal-konkordantes Public Service Modell. Vorzufinden in der Schweiz.

4) A, B, B, B, B, B: kontrolliert-ambivalentes Mischmodell. Vorzufinden in Russland.

5) B, B, B, B, C, C: kontrolliert-konkordantes Public Service Modell. Vorzufinden in Ägypten.

6) C, C, C, C, C, C: dirigiert-konkordantes Public Service Modell. Vertreter sind Nordkorea, China und Kuba.

Der Zugang zu Informationen ist für Bürger und Journalisten in gewisser Weise ein Grundrecht, das in den USA die Demokratie beförderte und bis heute wirkt. Oder um mit Thomas Jefferson zu sprechen: „Information is the currency of democracy.“

 
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