Internet

Das Internet hatte in Indien zunächst einen schwierigen Start. Hohe Kosten schreckten viele User ab. Außerdem gab es nur wenige Dienstanbieter. Videsh Sanchar Nigam Limited (VSNL), eine der Regierung angegliederte Agentur, und die Telekommunikationsbehörde waren de facto die einzigen Content-Anbieter. Eine weitere Ursache für den mäßigen Start des Internets war die schlechte Telekommunikationsinfrastruktur. Das wenig effiziente und technisch in schlechtem Zustand befundene Telefonnetz hemmte die Entwicklung stark. Seit der Jahrtausendwende hat das Internet begonnen, sich aufgrund politischer und infrastruktureller Veränderungen schneller auszubreiten. Die staatliche Förderung von Computern und Internetanschlüssen für Betriebe und Bildungseinrichtungen ebneten dem Internet den Weg und bescherte der indischen IT-Industrie Wachstumsraten von ca. 40 Prozent pro Jahr.

2006 loggten sich wöchentlich 9,4 Mio. Menschen ins World Wide Web ein. Das ist ein Zuwachs von 1,2 Prozent. Das Internet konnte somit seine Reichweite auf 3,4 Prozent, gemessen an der Gesamtbevölkerung, ausbauen. Zu diesem Anstieg führten vor allem zahlreiche neue Cybercafés. Lediglich zwei von 1 000 Einwohnern haben einen privaten Breitband-Internetanschluss. Insgesamt gab es im Februar 2008 39,2 Mio. Breitbandanschlüsse in Indien. Derzeit sind 12 Prozent der Bevölkerung mit dem Internet verbunden. Drei Viertel aller Nutzer surfen regelmäßig im Netz.

„As reach of Internet increases, office is no longer the main place of access. As many as 34 % of users now surf from cybercafé and 30 % from home. About 20 % of Internet users access it from the work-place.“ 24

Dabei ist Internet fast ausschließlich den sozial höher gestellten Bevölkerungsschichten im urbanen Raum vorbehalten. Knapp 80 Prozent der 49 Mio. Internetnutzer sind Bewohner der großen Metropolen des Landes. Weiten Teilen der Bevölkerung mangelt es am Zugang zu einem Computer mit Internetanschluss. Außerdem setzt die Nutzung des Internets gewisse Computerund Englischkenntnisse voraus, da die meisten Webangebote in englischer Sprache sind. Allerdings bevorzugen 70 Prozent aller User Webangebote in indischen Sprachen. Der Anteil der Menschen, die Englisch preferieren, sank deutlich gegenüber 2007 auf reichlich ein Viertel aller Nutzer.

Einer Studie des Indian Market Research Bureau (IMRB) zufolge sind 80 Prozent der User männlich und gehören zur Altersgruppe der 19bis 34-Jährigen. Der Großteil der Männer, die Internet nutzen, sind Angestellte eines mittelständigen bzw. großen Unternehmens mit geregeltem Einkommen (im Schnitt 10 000 iR). Lediglich 17,6 Prozent der Frauen nutzen das Netz regelmäßig. Selbst in den Städten sind es nur geringfügig mehr. Trotz des Nutzerzahlenanstieges in Großstädten um ein Drittel, pflegt das Internet landesweit eher ein Minderheiten-Dasein. Auch wenn Economic Times von einer Demokratisierung des Internets in Indien spricht, so bleibt laut Einschätzung des NRSC das Internet als Medium des

21. Jahrhunderts in Indien bisher hinter den Erwartungen zurück: „The growth seems slower than expected. The Internet as a medium seems to have paused on its growth trajectory“ . Doch gibt es in Indien im Bezug auf Internetnutzung nicht nur ein Gefälle zwischen Stadt und Land, sondern auch innerhalb der einzelnen ländlichen Regionen. Während der Süden des Landes ein Drittel aller Internetuser vereint, gilt der Osten mit nur 15 Prozent der User als unterrepräsentiert. Der elektronische Briefverkehr (Mailing) ist Hauptbeweggrund der Inder, online zu gehen. Im internationalen Vergleich nimmt Blogging einen sehr hohen Stellenwert ein. Zunehmend beliebter wird Online-Shopping. Webseiten existieren heute von allen bedeutenden indischen Zeitungen, Universitäten, NGO´s, Konzernen und öffentlichen Einrichtungen. Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass der meiste Content auf dem indischen Internetmarkt von wenigen Firmen angeboten wird.

Telekommunikation

Bereits 13 Prozent aller Inder haben ein Mobiltelefon. Im Februar 2008 gab es 250,9 Mio. Mobilfunknutzer. Dabei wächst der Anteil der Bevölkerung mit Mobiltelefon rapide an. Monatlich werden etwa 6,5 Mio. neue Nutzungsverträge abgeschlossen. Im April 2008 überholte Indien die USA und wurde hinter China das Land mit dem größten mobilen Kommunikationsnetzwerk. Das Telefon ist Ausdruck neuen Wohlstandes und gilt als Statussymbol. 2007 wuchs der indische Mobilfunkmarkt um 81,2 Mio. Teilnehmer. Für 2008 werden 89,8 Mio. erwartet. Damit ist Indien vor China, Pakistan und Indonesien der am schnellsten wachsende Mobilfunkmarkt weltweit. Bis 2010 werden 60 Prozent aller Inder, die in Großstädten leben, über Mobiltelefon bzw. Festnetzanschluss erreichbar sein. Die Regierung (Department of Telecom) hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2012 auch in ländlichen Gebieten 200 Mio. Mobiltelefone zu zählen. Insgesamt sollen 2010 500 Mio. Telefone in Indien zur Verfügung stehen. Damit gehört Indien zu den am schnellsten wachsenden Telekommunikationsmärkten der Welt.

 
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