< Zurück   INHALT   Weiter >

4 Mediennutzung

Mediennutzung – Grundlagen, Trends und Forschung

1 Medien und Mediennutzung

Medien nehmen seit jeher eine großen Stellenwert in unserem Alltag ein. Sie erleichtern uns die Kommunikation, die Arbeit, das ganze Leben. Immer schneller werdende und komfortablere Mittel und Wege sind das Bestreben in unserer modernen Medienwelt. Individuell auf den Konsumenten zugeschnitten sollen sie sein, dabei nicht aufdringlich und möglichst einfach zu bedienen und zu verstehen. Gerade das Internet gilt in Medienkreisen sowohl als

„Freund“, als auch „Feind“. Die Freundschaft gilt den eben angesprochenen Zielen, die sich durch Social Media und anderen Online-Medien optimal umsetzen lassen. Zum „Feind“ werden diese jedoch hauptsächlich für Printpublikationen, deren Rückgang in den vergangenen Jahren durchaus deutlich zu verzeichnen ist.

So wie sich die Medien verändern, so verändern wir auch unser Nutzungsverhalten. Oder noch konkreter: Wir bestimmen den Medienwandel. Durch unsere Nutzungsgewohnheiten und der Einstellung zum jeweiligen Medium verändern wir die Anforderungen an den Markt. Aufgrund der steigenden Internetnutzung mussten etliche Tageszeitungen reagieren und ihr Angebot online ausweiten. Ähnlich erging es Fernsehsendern, deren Zuschauer plötzlich das Programm auf ihrem Smartphone sehen wollten. Der Markt wird immer dynamischer, schnelllebiger und erfordert eine ebensolche Reaktion. Konsumenten werden plötzlich zu Anbietern, kostenlose Angebote erhöhen den Konkurrenzdruck. Zuschauer, Leser oder Hörer haben eine derart breite Auswahl an Angeboten, dass sie nach individuellen Vorlieben und Belieben wählen können – jederzeit und überall.

Medien sind in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Massenmedien informieren und geben Entscheidungsträgern, Unternehmen und anderen öffentlichen Personen die Möglichkeit, nach außen mit möglichst vielen Menschen zu kommunizieren. Sie haben eine Kontrollund Kritikfunktion und sind damit maßgeblich an der Meinungsbildung jedes Einzelnen beteiligt. Nicht umsonst werden sie, neben der Legislativen, Judikativen und Exekutiven, als „vierte Gewalt im Staat“ bezeichnet. Zudem nutzen wir weitere Medien, insbesondere zur Kommunikation. Diese können ebenfalls verwendet werden, um eine große Masse zu erreichen, aber auch, um einen Dialog zwischen zwei Nutzern herzustellen. Auch hier wird im engeren Sinne ein Informationsziel verfolgt.

Unsere Mediennutzung scheint einen derart wichtigen Part in unserem Leben eingenommen zu haben, dass man in manch einer Online-Ausgabe des Spiegels die Schlagzeile

„Steigender Medienkonsum: 585 Minuten Lebensausfall?“ findet. Tatsächlich konsumiert der Durchschnittsbürger heutzutage täglich etwa zehn Stunden Medien – im Jahr 1990 waren es gerade einmal etwas mehr als sechs Stunden pro Tag. Unabhängig davon, was das für unser soziales, „echtes“ Leben bedeutet – es zeigt schlichtweg die enorme Bedeutung der Medien für unseren Alltag. Dass sich diese mit dem verstärkten Aufkommen von Smartphones und Tablets und der Möglichkeit, immer und überall zu beinahe jedem Artikel, Film oder Musikstück Zugang zu haben, verstärkt, ist logisch.

Doch wird jedes Medium gleich angenommen? Welche Rolle spielt die Glaubwürdigkeit des Mediums? Hier lassen sich gravierende Unterschiede feststellen, die besonders im Rahmen der Mediennutzung eine enorme Bedeutung haben. So werden Printmedien, trotz Rückgang, glaubwürdiger empfunden als Onlinemedien. Sozialen Netzwerken sprechen die meisten Konsumenten sogar die geringste Glaubwürdigkeit aus, Webseiten von Unternehmen gelten dagegen als sehr vertrauenswürdig.

Abbildung 1: Glaubwürdigkeit der Medien

Was sagen uns diese Erkenntnisse, die eigentlich in den Bereich der Medienwirkungsforschung zu verzeichnen sind, für unsere Mediennutzung? Wir wählen unsere Medien nach Nutzen aus. Glaubwürdigkeit und Vertrauen haben in der heutigen Angebotsmasse und

-überflutung zudem einen entscheidenden Einfluss auf unsere Wahl.

Dennoch ließe sich das Beispiel Glaubwürdigkeit durch andere Bedürfnisse, wie Kommunikationsmittel, Medium zur Meinungsbildung oder Unterhaltung, ersetzen. Und auch hier schließt sich wieder der Kreis der Bedeutung der Medien: Wir haben die Möglichkeit, für jedes unserer Bedürfnisse ein anderes Medium zu nutzen und damit eine potentielle lückenlose Befriedigung zu bekommen.

Doch wie konsumieren wir Medien? Laut Hasebrink erfolgt unsere Mediennutzung in

drei Phasen:

Medienauswahl: Hierunter versteht man die sogenannte „prä-kommunikative“ Phase, also die Zeit, bevor wir uns mit Medieninhalten beschäftigen. Die Mediennutzungsforschung beschäftigt sich in dieser Phase mit Fragen wie: „Wie werden Medien ausgewählt?“, „Warum werden bestimmte Angebote überhaupt ausgewählt?“

Medienrezeption: In diesem Zeitraum geht es um die „kommunikative“ Phase. Hier wird das beleuchtet, was während des Kontaktes zwischen Medienangebot und Nutzer geschieht. Es geht um die Fragestellungen: „Wie wird ein Angebot angenommen; wie wird es verarbeitet und welche Reaktionen folgen darauf?“, „Welche psychologischen Prozesse laufen während der individuellen Nutzung ab?“

Medienaneignung: Hier geht es um die „postkommunikative“ Phase, also um den Zeitraum nach der Nutzung des Medienangebots. In der Forschung geht es hier um die Fragen: „Kann man durch die Auswahl der Medien Rückschlüsse auf das Weltbild des Nutzers ziehen?“, „Wie integrieren sie die Medienauswahl, welche Konsequenzen werden gezogen?“

 
< Zurück   INHALT   Weiter >