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21. Das Recherche-Interview

Einstieg. Der Befragte, d.h. unser Experte, wird von unserem Anruf gestört. Wir müssen den Experten für uns gewinnen: Zeit für Auskünfte zu haben, ist nicht selbstverständlich. Was muss ich der Person am Telefon sagen, damit sie bereit ist, mir Zeit zu opfern?

Der Experte muss sich zurechtfinden können. Daher lautet der Einstieg: (Vorstellung), dann: „Ich recherchiere über die Probleme der Güterbeförderung auf der Bahn und auf der Straße.“

Ich moderiere also meine erste Frage an. Dazu: Kurze Sätze, kein Springen im Thema („Ich wollte dazu und dazu etwas wissen.“)

Vorbereitung. Was will ich von diesem Experten wissen? Welchen Aspekt kann der Experte abdecken? Schreiben Sie die Fragen auf. Wo steht der Experte im Kreis der am Konflikt Beteiligten?

Abfolge. Die Abfolge der Fragen lässt sich folgendermaßen darstellen: Enge Einstiegsfrage

Ergebnis: Fakten

Position des Experten einnehmen

Ergebnis: Hintergründe, Meinungen, Wertungen Gegenposition zu Experten einnehmen

Ergebnis: Zusammenfassungen Abschließende Meinung des Experten erfragen

Ergebnis: Weitere Experten?

Noch einmal anrufen?

• Verwenden Sie viele interpretierende Nachfragen, so z.B. „Das heißt also, ...“; „Verstehe ich das richtig ...“

• Keine Unsicherheit zeigen durch Floskeln wie „Könnten Sie mir ...“,

„vielleicht“, „ein bisschen genauer“, „Ich würde gerne ...“. Stattdessen:

„Wie ist denn das genau ...“.

• Statt Kritik an Meinungen des Experten zu äußern, ist es geschickter zu fragen: „Fast alles lässt sich verbessern. Was lässt sich denn Ihrer Ansicht nach an der Organisation von Greenpeace verbessern?“ oder

„Wenn Sie entscheiden könnten, wie Sie wollten, was würden Sie an der Organisation verbessern?“

Oder: Erst nach Fakten fragen: „Wer kann an der Camel Trophy teilnehmen?“, „Wie viele Bewerbungen hatten Sie letztes Jahr?“ – Dann erst: „Was könnte man verbessern?“ und „Warum nehmen keine Frauen teil?“ Also: Erst Fakten, dann Meinungen des Experten.

Ausstieg. „Sagen Sie mir bitte Ihren Vornamen. Damit Sie auch wissen, mit wem Sie gesprochen haben, mein Name ist (Vorname, Nachname). Unter welcher Nummer kann ich Sie, wenn ich noch Rückfragen habe, nochmals anrufen?“

Geben und Nehmen. Geben Sie dem Experten einige Informationen, die Sie zuvor von anderen Gesprächspartnern erhalten haben. Vielleicht gibt der Experte dann auch weitere Informationen, die er/sie sonst nicht gegeben hätte.

Als Hauptquelle für die Recherche im Alltag dient mittlerweile das Internet. Leider wird dabei allzu oft „recherchieren“ mit „googeln“ verwechselt. Zahlreiche Hinweise dazu, wie man das Internet darüber hinaus verwenden kann, finden Sie bei Schreiber (1982) oder in den Beiträgen der Sammelbände von Leif (1998, 2003). Für Informationen über Medien ist kress.de eine gute Adresse. Wenn Sie nach sozialwissenschaftlichen Informationen, von den Universitäts-Instituten über Datenquellen bis hin zu weiteren Suchmaschinen suchen, so eignet sich der Informationsdienst infosoc.uni-koeln.de.

Und wenn Sie schon einmal online sind, können Sie auch gleich mehr über die Arbeit und Fortbildungsangebote der ARD.ZDF Medienakademie erfahren (ard-zdf-medienakademie.de). Sie können sich auch über die Verfasser des Buches informieren: Jürgen Friedrichs (iss-wiso.uni- koeln.de/jfriedrichs.html) und Ulrich Schwinges (schwinges.de).

 
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