Unterschiedliche Bedeutungskontexte des lebenslangen Lernens

Ein weiteres Merkmal der theoretischen Unbestimmbarkeit stellen die unterschiedlichen Verständnisse des lebenslangen Lernens dar, denen unterschiedliche Bedeutungskontexte zugrunde liegen. Die Analyse des Datenmaterials zeigt auf, dass ein Verständnis des lebenslangen Lernens auf der Basis mindestens eines Bedeutungskontextes oder auf der Basis der Kombination mehrerer Bedeutungskontexte formuliert werden kann. Ein Muster von Bedeutungskontexten, das z. B. typisch für eine Interviewgruppe wäre, konnte nicht identifiziert werden. Die Verständnisse stellen den persönlichen Bezug der Interviewten zum lebenslangen Lernen dar und ermöglichen einen Einblick in den Bedeutungshof, welcher der absoluten Metapher ,lebenslanges Lernen' innewohnt. Mithilfe des Datenmaterials konnten folgende Bedeutungskontexte rekonstruiert werden, welche die Interviewpartner/-innen bei der Darlegung ihres jeweiligen Verständnisses des lebenslangen Lernens thematisieren:

Abbildung 9: Bedeutungskontexte der absoluten Metapher ,lebenslanges Lernen'

Die ersten drei Bedeutungskontexte beziehen sich auf die anthropologische Verankerung von Lernen und eine damit verbundene Lernvoraussetzung, auf die pädagogische Unterstützung zur Anbahnung von Lernprozessen sowie auf die Differenzierung von Lernprozessen in drei Lernkontexte.

Die letzten drei Bedeutungsebenen basieren auf unterschiedlichen Referenzebenen: Der vierte Bedeutungskontext umfasst die persönliche Referenzebene, auf der lebenslanges Lernen gleichgesetzt wird mit beruflicher und allgemeiner Weiterbildung auf freiwilliger Basis. Die letzten zwei Bedeutungskontexte hingegen veranschaulichen die pragmatische Funktion der absoluten Metapher ,lebenslanges Lernen': Sie spiegeln Erwartungen wider, die mit dem lebenslangen Lernen verbunden werden. Dabei erfolgt eine Funktionalisierung des Ausdrucks ,lebenslanges Lernen' in Form einer strategischen Verwendung. Auf der gesellschaftlichen Referenzebene wird lebenslanges Lernen als Notwendigkeit erachtet und erhält die Funktion einer Bewältigungsstrategie potenzieller beruflicher Diskontinuitäten. Auf der bildungspolitischen Referenzebene nimmt lebenslanges Lernen die Funktion einer Reformstrategie ein.

 
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