Diskursive Praktiken: Formulierung von Voraussetzungen für eine bildungsbereichsübergreifende Institutionalisierung lebenslangen Lernens

Da die Reformansätze, die bei diesem Definitionsversuch thematisiert werden, sehr unterschiedlich gelagert sind (von partieller Strukturveränderung einzelner Bildungsbereiche und Bildungsorganisation bis hin zur Schaffung einer neuen Struktur im Weiterbildungsbereich mit der Gründung einer neuen Bildungseinrichtung) können in den diskursiven Praktiken der Interviewpartner kaum Gemeinsamkeiten identifiziert werden. Lediglich die Akteure aus der Bildungspolitik sind sich – gemäß des bildungspolitischen Mainstreams (vgl. BLK 2004, BMBF 2008) – bei den organisationalen Voraussetzung einig, dass der Ausbau von Beratungssystemen, wie z. B. der Bildungsberatung, bei der bildungsbereichsübergreifenden Institutionalisierung lebenslangen Lernens von Bedeutung sei. Ferner formulieren beide die berufspolitische Forderung nach einem Fortbildungsangebot zur Umsetzung des lebenslangen Lernens für pädagogisch Tätige, wobei keinerlei Aussagen über nähere inhaltliche Ausrichtungen geäußert werden.

Der bildungspolitische Akteur, der eine neue Bildungsstruktur für den Weiterbildungsbereich anstrebt, formuliert hauptsächlich Realisierungsund Gelingensbedingungen wie z. B. die Entwicklung einer ,neuen Pädagogik', die für die Umsetzung der neuen Bildungsstruktur notwendig sei. Wie diese auszusehen hat, wird nicht erläutert.

Der Vertreter aus der Bildungspolitik auf Bundesebene thematisiert hingegen zeitintensive Aushandlungsprozesse bei der interministeriellen ressortübergreifenden Zusammenarbeit zur Umsetzung lebenslangen Lernens.

Der Interviewpartner aus dem beruflichen Bildungsbereich benennt spezifische organisationale und berufsgruppenbezogene Voraussetzungen: Unter der Perspektive des lebenslangen Lernens müsse die gängige Praxis kurzfristiger Anpassungsmaßnahmen seitens der betrieblichen Bildung verändert werden und die Trainer/-innen müssten an das Thema ,lebenslanges Lernen' herangeführt werden.

Bei den angeführten Beispielen handelt es sich um eine deskriptive Wiedergabe von Einzelaussagen. Muster, die allgemeingültigere Rückschlüsse zulassen würden, konnten bei diesem Definitionsversuch nicht festgestellt werden, da die inhaltliche Ausrichtung des Definitionsversuchs zu unterschiedlich ist.

 
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