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2. Kapitel: Formelle Institutionen, soziale Institutionen und Kultur

Sozialwissenschaftler versuchen, das menschliche Verhalten und menschliche Entscheidungen mit Hilfe von Institutionen besser zu verstehen. Einen wichtigen Beitrag zu diesem Verständnis liefert die „Neue Institutionenökonomik“, für die menschliches Verhalten nicht mehr als „atomisiert“ erscheint, sondern durch die institutionellen Rahmenordnungen als „rules of game“ (vgl. North 1990) bestimmt wird. Institutionen dienen aus dieser Sicht dazu, das Spannungsverhältnis zwischen begrenzter Rationalität und komplexer Umgebung zu reduzieren und darüber hinaus individuelle Rationalität mit kollektiver Rationalität zu versöhnen.

In diesem Kapitel werden verschiedene Perspektiven der Neuen Institutionenökonomik im Mittelpunkt stehen. In der Neuen Institutionenökonomik dominieren drei unterschiedliche Ansätze: Es werden mit unterschiedlichen Gewichtungen politische („Calculus Approach“), kulturelle („Cultural Approach“) oder soziale Gründe (die neue ökonomisch-soziologische Perspektive) für die Persistenz und Entwicklung von Institutionen genannt. Diese unterschiedlichen Perspektiven spiegeln die unterschiedlichen Ansätze zur Lösung des chinesischen Puzzles wider, die bereits erwähnt wurden. Es soll in diesem Kapitel gezeigt werden, dass die Meinungsunterschiede sowohl in der Neuen Institutionenökonomik als auch bei der Erklärung des chinesischen Puzzles darauf zurückzuführen sind, dass sich die Wissenschaftler jeweils einseitig mit bestimmten Arten von Institutionen beschäftigen und dass erst die gemeinsame Berücksichtigung der verschiedenen Institutionen und ihrer Wechselwirkungen zu einer befriedigenden Erklärung des Puzzles führen.

2.1 Der „Calculus Approach“ und der „Cultural Approach“

Nach Peter Hall und Rosemary Taylor lassen sich zwei Ansätze in der Neuen Institutionenökonomik unterscheiden: der „Calculus Approach“ und der „Cultural Approach“ (Hall/Taylor 2006: 939):

[…] those who adopt a calculus approach focus on those aspects of human behavior that are instrumental and based on strategic calculation. They assume that individuals seek to maximize the attainment of a set of goals given specific preference function and, in options to select those conferring maximum benefit. In general, the actor's goals or preferences are given exogenously to the institutional analysis. Contrast this with a „cultural approach” to such issues. The latter stresses the degree to which behaviour is not fully strategic but bounded by an individual's worldview. That is to say, without denying that human behaviour is rational or purposive, it emphasizes the extent to which individuals turn to established routines or familiar patterns of behaviour to attain their purposes. It tends to see individuals as satisficers, rather than utility maximizers, and to emphasize the degree to which the choice of a course of action depends on the interpretation of a situation rather than on purely instrumental calculation.

In der Tat spiegeln der „Calculus Approach“ und der „Cultural Approach“ eine zentrale Dichotomie in den Sozialwissenschaften wider, nämlich die Dichotomie von Individualismus und Kulturalismus, die u.a. den wesentlichen Unterschied in der Vorgehensweise von Ökonomen und Soziologen ausmacht (vgl. Schlicht 1990). Die Thematisierung von Institutionen in ökonomischen Beziehungen kann jedoch eine gute Gelegenheit bieten, diese zwei einander gegenüberstehenden Ausgangspunkte zu vermitteln. Trotz der zunächst großen Divergenz lassen sich der „Calculus Approach“ und der „Cultural Approach“ im Rahmen der Neuen Institutionenökonomik durchaus miteinander versöhnen.

 
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