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2.1.1 Historische Modelle sozialer Ungleichheit

Nach dieser kurzen Darstellung des hier leitenden Verständnisses von sozialer Ungleichheit sollen nun einige Konzepte auf Grund der vorherigen Überlegungen herangezogen werden, um das Wirkungsgefüge sozialer Ungleichheit zu erklären und darauf aufbauend die Relevanz von Bildung als zentraler Kategorie sozialer Ungleichheit herauszuarbeiten. Im Zentrum der Überlegungen stehen dabei die Vorstellungen von Bourdieu (insbesondere Bourdieu, 1971; 1985; 1997), die jedoch im Lichte der Modellvorstellungen von Marx (1867; 1885; 1894) und Weber (1922) zu verstehen sind.

2.1.1.1 Das Klassenmodell nach Karl Marx

In den Vorstellungen von Marx (vgl. Marx, 1867; Marx & Engels, 1872) wird der gesellschaftliche Wandel – und damit auch der Abbau sozialer Ungleichheit – durch einen immer währenden Konflikt verschiedener Klassen vorangetrieben. Auf der Grundlage seiner Analyse von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen baut er dazu eine Theorie über die Herrschaftsverhältnisse in einer Klassengesellschaft auf. Zentral sind darin die Begriffe „Produktion“ und „Privateigentum“, repräsentieren sie doch einerseits die Grundlage menschlichen Daseins und Zusammenlebens und bilden andererseits die Grundlage sozialer Ungleichheit (vgl. Burzan, 2007), denn eine Klasse begründet in einer Klassengesellschaft ihre Herrschaft durch ihr Verhältnis zu den Produktionsmitteln. Das wesentliche Kennzeichen der herrschenden Klasse, die durch die Bourgeoisie repräsentiert wird, ist der Besitz von Produktionsmitteln, der die Verfügung über den von der arbeitenden Klasse (Proletariat) erzeugten Mehrwert ermöglicht und ihr dadurch nicht nur ökonomische, sondern auch gesellschaftliche bzw. kulturelle Macht (Rechtssystem, politisches System, Religion, usw.) verleiht und so das Bewusstsein der Klassen prägt. Soziale Ungleichheit wird also dadurch bestimmt, dass das Proletariat, da es keine Produktionsmittel besitzt, seine Arbeitskraft zum Lebensunterhalt verkaufen muss (Ausbeutung). Durch die materielle Abhängigkeit des Proletariats von der die Produktionsmittel besitzenden Bourgeoisie ist ein selbstbestimmtes Leben nicht mehr möglich und entfremdet die Arbeiterschaft gleichzeitig von der von ihr geleisteten Arbeit.

Dadurch entwickelt sich ein Klassenbewusstsein mit „solidarischen Handlungsweisen“ (vgl. Burzan, 2007) und damit eine Klasse an sich und mit der Zeit eine Klasse für sich. Durch das Klassenbewusstsein und die klare Abgrenzung zur herrschenden Klasse, ergibt sich aus den unterschiedlichen Interessen (bestehende Verhältnisse beibehalten versus bestehende Verhältnisse verändern) nach einer bestimmten Zeit notwendig ein Klassenkonflikt der zu einer Revolution mit dem Ziel der Abschaffung des Privateigentums als ökonomischer Grundlage sozialer Ungleichheit und der Abschaffung von Klassen und der Herstellung einer gerechten sozialen Ordnung führt.

 
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