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3.1.1.2 Dokumente auf Interkantonaler Ebene

Interkantonale Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE)

Artikel 2 Bereiche

In den Absätzen 1 und 2 wird festgelegt, dass die IVSE sich auf stationäre Einrichtungen bezieht, die Personen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr, höchstens aber bis nach Abschluss der Erstausbildung beherbergen, wenn sie vor ihrer Volljährigkeit in eine Einrichtung eingetreten oder dort untergebracht worden sind. Ferner bezieht sie die Einrichtungen externer Sonderschulung ein. Der Begriff Sonderschulung umfasst in diesem Zusammenhang Sonderschulen für Unterricht, Beratung und Unterstützung inklusive integrativer Sonderschulung sowie die Tagesbetreuung, nebst Früherziehungsdienste für Kinder mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Kinder und pädagogisch-therapeutische Dienste für Logopädie oder Psychomotoriktherapie, wenn sie nicht Teil des Regeschulangebotes ist. Die Kantone können den oben beschriebenen Bereichen einzeln beitreten oder nicht.

Artikel 5 Besondere Zuständigkeit

In Absatz 2 wird festgelegt, dass die Kosten für die externe Sonderschulung derjenige Kanton trägt, in dem der Schüler oder die Schülerin lebt.

Interkantonale Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Sonderpädagogik

Artikel 1 Zweck

Ziel der Interkantonalen Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Sonderpädagogik ist es, dass den Verpflichtungen der Kantone in der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule und dem Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen festgelegten Verpflichtungen nachgekommen wird. Dafür wird ein entsprechendes Grundangebot festgelegt, das die Bildung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf garantiert. Hierbei werden die Integration in die Regelschule gefördert und gemeinsame Instrumente angewandt.

Artikel 2 Grundsätze

Sonderpädagogische Bildung ist unentgeltlich und Teil des öffentlichen Bildungsauftrages, wobei integrative Lösungen separierenden Lösungen (unter Achtung des Kindeswohls und des schulischen Umfeldes) vorzuziehen sind. Sollten sonderpädagogische Massnahmen angeordnet werden, sind Erziehungsberechtigte in diesen Prozess einzubeziehen.

Artikel 3 Berechtigte

Vor der Einschulung haben Kinder das Anrecht auf sonderpädagogische Massnahmen, wenn festgestellt wird, dass ihre Entwicklung eingeschränkt oder gefährdet ist oder sie dem Unterricht in der Regelschule ohne spezifische Unterstützung nicht werden folgen können. Während der obligatorischen Schulzeit müssen dafür ihre Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten so stark beeinträchtigt sein, dass ein besonderer Bildungsbedarf festgestellt worden ist oder sie dem Unterricht in der Regelschule ohne spezifische Unterstützung nicht (mehr) folgen können.

Artikel 4 Grundangebot

In den Absätzen 1 und 2 wird festgelegt, dass das sonderpädagogische Grundangebot Beratung und Unterstützung umfasst, heilpädagogische Früherziehung, Logopädie und Psychomotorik, sonderpädagogische Massnahmen in einer Regelschule oder in einer Sonderschule, sowie Betreuung in Tagesstrukturen oder stationäre Unterbringung in einer sonderpädagogischen Einrichtung. Aufgabe der Kantone ist dabei die Organisation notwendiger Transporte zu Wohnort, Schule und/oder Therapiestelle.

Artikel 5 Verstärkte Massnahmen

In den Absätzen 1 und 2 wird festgelegt, dass falls sich vor der Einschulung oder in der Regelschule getroffenen Massnahmen als ungenügend erweisen, über die Anordnung verstärkter Massnahmen zu entscheiden ist. Sie zeichnen sich besonders durch lange Dauer, hohe Intensität, einen hohen Spezialisierungsgrad der Fachpersonen sowie einschneidende Konsequenzen auf den Alltag aus.

Artikel 6 Anordnung der Massnahmen

In den Absätzen 1,2,3 und 4 wird festgelegt, dass die für die Anordnung sonderpädagogischer Massnahmen zuständigen Behörden von den Vereinbarungskantonen bestimmt werden, die dann ihrerseits die Leistungsanbieter auswählen. Darüber hinaus wird der individuelle Bedarf durch eine bestimmte Abklärungsstelle, die nicht identisch mit den Leistungsanbietern ist, mit Hilfe des standardisierten Abklärungsverfahrens ermittelt. Die angeordneten Massnahmen werden fernerhin periodisch überprüft.

Artikel 9 Ausbildung der Lehrpersonen und des sonderpädagogischen Fachpersonals

In den Absätzen 1 und 2 wird festgelegt, dass die Grundausbildung der Lehrpersonen in Schulischer Heilpädagogik und des sonderpädagogischen Fachpersonals in den Anerkennungsreglementen der EDK oder im Bundesrecht geregelt wird, wohingegen das Weiterbildungsangebot von den Vereinbarungskantonen gemeinsam entwickelt wird.

Artikel 11 Ausserkantonale Leistungen

Die Finanzierung von Leistungen ausserkantonaler stationärer Einrichtungen und ausserkantonaler Einrichtungen der externen Sonderschulung richtet sich nach der Interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE)4.

Konkordat über die Schulkoordination

Artikel 2 Verpflichtungen

Die Konkordatskantone verpflichten sich, ihre Schulgesetzgebung in unterschiedlichen Punkten anzugleichen. Hierzu wird das Schuleintrittsalter auf das vollendete sechste Altersjahr festgelegt. Darüber hinaus dauert die Schulpflicht mindestens 9 Jahre bei 38 Schulwochen. Die ordentliche Ausbildungszeit (Maturität) dauert mindestens 12, höchstens 13 Jahre und das Schuljahr beginnt zwischen Mitte August und Mitte Oktober.

Artikel 3 Empfehlungen

In den Absätzen 1 und 2 wird festgelegt, dass die Konkordatskantone für alle Kantone Empfehlungen ausarbeiten. Die Empfehlungen beziehen sich neben den Rahmenlehrplänen auf gemeinsame Lehrmittel, die Sicherstellung des freien Übergangs zwischen gleichwertigen Schulen, den Übergang in die aufgegliederten Oberstufen, die Anerkennung von Examensabschlüssen und Diplomen, die in gleichwertigen Ausbildungsgängen erworben wurden, die einheitliche Bezeichnung der gleichen Schulstufen und gleicher Schultypen und gleichwertige Lehrerausbildung. Bei der Ausarbeitung der Empfehlungen ist die Konferenz schweizerischer Lehrerorganisationen anzuhören.

Artikel 4 Zusammenarbeit

In den Absätzen 1 und 2 wird festgelegt, dass die Konkordatskantone im Bereich der Bildungsplanung und -forschung sowie der Schulstatistik unter sich und mit dem Bund zusammenarbeiten. Dafür werden die notwendigen Institutionen gefördert und unterstützt und Richtlinien für jährliche oder periodische schweizerische Schulstatistiken ausgearbeitet.

Artikel 5 Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren

In Absatz 1 wird festgelegt, dass die Konkordatskantone der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren die Durchführung der unter Artikel 2-4 festgelegten Aufgaben übertragen.

Interkantonale Vereinbarung über die Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen

Artikel 2 GeNltungsbereich

In Absatz 1 wird festgelegt, dass die Vereinbarung für alle Ausbildungen und Berufe gilt, deren Regelung in die Zuständigkeit der Kantone fällt.

Artikel 4 Anerkennungsbehörde

In den Absätzen 1 und 2 wird festgelegt, dass wenn nicht der Bund zuständig ist, die EDK die Anerkennungsbehörde für die Ausbildungsabschlüsse in ihrem Zuständigkeitsbereich ist. Im Detail hat jeder beigetretene Kanton eine Stimme, während die übrigen Kantone eine beratende Stimme besitzen.

Artikel 6 Anerkennungsreglemente

In den Absätzen 1,2 und 3 wird festgelegt, dass durch die Anerkennungsreglemente für Ausbildungsabschlüsse oder für Gruppen verwandter Ausbildungsabschlüsse die Voraussetzungen der Anerkennung (Artikel 7), das Anerkennungsverfahren und die Voraussetzungen für die Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse festgelegt werden. Die Anerkennungsbehörde erlässt nach Anhören der unmittelbar beteiligten Berufsorganisationen und Berufsverbände das Anerkennungsreglement, wobei es dafür der Zustimmung von zwei Dritteln der stimmberechtigten Mitglieder der zuständigen Anerkennungsbehörde bedarf.

Reglement über die Anerkennung der Diplome im Bereich der Sonderpädagogik (Vertiefungsrichtung Heilpädagogische Früherziehung und Vertiefungsrichtung Schulische Heilpädagogik)

Artikel 2 Geltungsbereich

In den Absätzen 1,2 und 3 wird festgelegt, dass das Reglement für den Abschluss der Ausbildung an einer Pädagogischen Hochschule, einer Universität oder an einer andern Hochschule oder die Befähigung zur Tätigkeit im Bereich der Sonderpädagogik gilt. Es ist auf Diplome für andere heilpädagogische Berufszweige nicht anwendbar.

Artikel 3 Anerkennungsvoraussetzung/ Ausbildungsziel

In den Absätzen 2 und 4 wird festgelegt, dass das Studium die Diplomierten in Beratungs- und Unterstützungstätigkeit im Bezug auf sonderpädagogische Massnahmen befähigen soll, differenzierte Diagnosen und Evaluationsverfahren anzuwenden, um erschwerende Lernbedingungen zu erfassen und dafür eine individualisierte sonderpädagogische Förderplanung zu konzipieren und durchzuführen. Dabei soll das familiäre, schulische und soziale Umfeld aktiv einbezogen werden und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachpersonen gepflegt werden. Aufgaben und Handlungen werden dabei vor einem wissenschaftlich fundierten theoretischen Hintergrund reflektiert und die Wirksamkeit der eigenen beruflichen Tätigkeit überprüft. Ferner sollen eigene Fort- und Weiterbildungen geplant werden können.

Zusätzlich sollen die Studierenden des Studiums der Heilpädagogik in der Lage sein, Unterricht und schulbezogene Fördermassnahmen gemäss besonderem Bildungsbedarf der Schülerinnen und Schüler zu planen, durchzuführen und auszuwerten. Sie sollen sowohl in der Regelwie auch in der Sonderschule tätig sein können, dabei integrative Schulungsmassnahmen anwenden und hinsichtlich sonderpädagogischer Problemstellungen beratend tätig sein können.

Auf interkantonaler Ebene sind es bestimmte interkantonale Abkommen, die sich auf den Bildungsbereich beziehen und diesen regeln. Dazu gehören die Interkantonale Vereinbarung für soziale Einrichtungen, die Interkantonale Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Sonderpädagogik, das Konkordat über die Schulkoordination, die Interkantonale Vereinbarung über die Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen und das Reglement über die Anerkennung der Diplome im Bereich der Sonderpädagogik. Sie regeln die Voraussetzungen für die interkantonale Zusammenarbeit im Bereich sozialer Einrichtungen, ebenso die Abklärung, das Grundangebot und die Form von verstärkten Massnahmen. Darüber hinaus stellen sie durch die Festlegung der Ausbildungsabschlüsse und gemeinsame Standards für den Schulbereich die Qualität sicher. Weiter wird festgelegt, welche Kompetenzen von Schulischen Heilpädagogen insgesamt erwartet werden, um den Beruf in adäquater Weise ausführen zu können. Die interkantonalen Vereinbarungen bieten einen weiteren Rahmen für die schulische Integration und geben dadurch Hinweise darauf, dass sich die Dokumentenanalyse auch auf die kantonale Ebene beziehen muss.

 
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