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3.3.3.1 Inhaltsanalyse

Die Inhaltsanalyse liefert die Grundlage für den zu verstehenden Gegenstand (Gesetzeslage) und definiert gleichzeitig den zu interpretierenden Raum. Mit der Dimensionenbildung werden die untersuchten Bereiche, theoretisch hergeleitet, festgelegt. Damit der exploratorische Charakter trotzdem beibehalten werden kann, wurden die konstituierenden Bereiche der schulischen Integration weit definiert. Die Strukturierung des Textes folgt nach der von Berelson (1952) für eine quantitative Inhaltsanalyse festgeschriebenen Vorgehensweise. Danach ist die Objektivität (1) der Analyse der Dokumente durch die nachvollziehbare Entwicklung der Kategorien gegeben. Die Systematik (2) ergibt sich aus der Definition der zu analysierenden Dokumente: Bundesverfassung, Bundesgesetze, Interkantonale Vereinbarungen, Verfassung des Kantons Solothurn, Kantonale Gesetze, Kantonale Regierungsratsbeschlüsse, Kantonale Vollzugsverordnungen und das Projekthandbuch Spezielle Förderung im Kindergarten und in der Volksschule. Die Analyseeinheit bilden die beschriebenen Dokumente, die zum Untersuchungszeitpunkt relevant gewesen sind (Jahr: 2012). Für die Analyse sind die für die Schulische Integration festgelegten Dimensionen „Diagnostik“, „Finanzen“, „Recht“, „Institutionen“ und „Aus- und Weiterbildung“ relevant. Die entsprechenden Dokumente wurden interpretativ nach diesen Dimensionen analysiert ohne weitere Unterkategorien zu bilden. Wenn also ein bestimmter Teil des Dokumentes als bedeutend erachtet wurde, wurde dieser Textausschnitt der entsprechenden Dimension zugeordnet (vgl. Lamnek, 2010). Allerdings verliert der Aspekt der Quantifizierung (3) insofern an Bedeutung, als nicht die Auftretenshäufigkeit eines Elementes betrachtet wird, sondern seine Existenz an sich und seine Einbindung in den betrachteten Kontext. Diese Vorgehensweise entspricht der „Within Methode“, da die Strukturierung der Dokumente (Quantitative Analyse) die Voraussetzung für ihr Verständnis (Juristische Hermeneutik) bildet. So wird der manifeste Kommunikationsinhalt (4) zuerst quantifiziert, dann strukturiert, um ihn dann in einem darüber hinaus gehenden Schritt zu verstehen.

3.3.3.2 Juristische Hermeneutik

Die hermeneutische Analyse lässt sich grundsätzlich nicht auf eine bestimmten Form festlegen. Sie ist vielmehr eine Plattform, derer man sich bedienen kann, um den Erkenntnisgegenstand besser verstehen zu können. Im Gegensatz zu quantitativen Methoden ist sie daher auch nicht klar beschreibbar, da besonders „…die Praxis der eingesetzten Deutungsverfahren vielen Autoren als etwas Unbeschreibbares gilt.“ (Reichertz & Soeffner, 1994, S.310 zitiert nach Knassmüller & Vettori, 2007). Der zentrale Aspekt der Hermeneutik, das Verstehen, spielte für die Auswertung der in dieser Untersuchung gesammelten Daten eine zentrale Rolle. Nach der Aufbereitung der Dokumente durch die Inhaltsanalyse, mussten die für Beantwortung der leitenden Fragestellungen (vgl. Kapitel 3.2) relevanten Textinhalte interpretiert werden, um so die formale Struktur abbilden zu können.

Da es sich um eine Auslegung des Rechtes handelt, kommt in diesem Fall die juristische Hermeneutik zur Anwendung. Um von den festgelegten Dimensionen zu einer klaren formalen Struktur zu gelangen, muss der darin abgebildete Gesetzesrahmen konkretisiert werden. Die Grundlage liefern dabei die vier klassischen Auslegungskriterien (vgl. Savigny, 1840), durch die der einem Gesetz inhärente Sinn erfasst wird:

• grammatikalisch,

• historisch,

• systematisch und

• (teleo-)logisch.

Dadurch, dass in dieser Betrachtungsweise vor allem soziale Prozesse (vgl. Zippelius, 2012) durch die Gesetzgebung initiiert werden sollen, ist vor allem die teleologische Auslegung des Gesetzes relevant. Die für diese Studie relevante formale Struktur wird in allen vier aufgezeigten Auslegungskriterien offensichtlich, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. So steht bei der grammatikalischen Auslegung der Wortsinn im Vordergrund. Dies ist weitestgehend durch die vorhergehende Dimensionenbildung und die damit verbundene Zuordnung der Themenbereiche gewährleistet. Die historische Auslegung bezieht sich vorzugsweise auf die zeitliche Einordnung und Interpretation eines sich stark wandelnden Bildungssystems. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil die sich seit dem Jahre 2011 vollzogenen Veränderungen im solothurnischen Bildungssystem zu mehreren, sich überlappenden, formalen Strukturen führten.

Bei der systematischen Auslegung gilt es, die Subsidiarität als grundlegendes, für den schweizerischen Rechtsstaat typisches Prinzip, zu berücksichtigen. Es ist für die Auslegung der Gesetzeslage insofern handlungsleitend, dass dieses Prinzip unter anderem den föderalistischen Charakter des Staates mitdefiniert. Demzufolge sind die meisten konkreten Handlungsanweisungen auf kantonaler Gesetzesebene zu finden. Während die übergeordnete Ebene des Bundes grundsätzlich die Rahmengesetzgebung enthält. Unbenommen sind dabei auf interkantonaler Ebene vorgesehene Konkordate, die ebenfalls die kantonale Gesetzgebung binden können. Somit wird mit der Sinnhaftigkeit der Interpretation der Gesetze auch gleichzeitig ihr Kontext berücksichtigt und damit die „Einheit des Rechtes“ (vgl. Zippelius, 2012) bewahrt.

Durch die Berücksichtigung der vier juristischen Auslegungskriterien kann in der vorliegenden Arbeit die Einordnung der kleinsten Einheiten (Gesetzesworte) in den Gesamtzusammenhang (Rechtsstaat) einer zeitlichen, logischen und exakten Sicht überführt und auf ihren gegenseitigen Einfluss hin interpretiert werden. [1]

  • [1] Dieses wichtige Grundprinzip der Hermeneutik wurde von Schleiermacher (1838) postuliert und dann vor allem von Heidegger (1963) in Form des hermeneutischen Zirkels ausgeführt.
 
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