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1.2 Die methodisch-theoretischen Grundlagen

Die methodisch-theoretischen Grundlagen dieser Studie werden mit Hilfe einer ländervergleichenden Forschung und Analyse durchgeführt. In der gegenwärtigen internationalen Forschung im Hinblick auf das Kinderschutzsystem wird es zunehmend wichtiger, nicht nur die Sozialpolitik im eigenen Land zu verstehen, sondern durch den Blick auf andere Länder auch die möglichen Schwachstellen und Reaktionsmöglichkeiten zur Kenntnis zu nehmen. Dies kann zur Erweiterung der Perspektive für bestimmte Probleme führen und eine Übernahme alternativer Lösungen durch imitatives Lernen ermöglichen. [1]

„In recent years increasing attention has been given to the value of cross-national research and analysis to illuminate strengths and weaknesses in child welfare systems. International comparisons of child maltreatment way allow policy and practice in one or more countries to be benchmarked against others. And may also assist in the identification of alternative strategies to protect children from harm and promote their welfare“[2]

Nach der Fall-Variablen-Matrix der vergleichenden Forschung (Tab. 1), also eine Fallzahlen vergleichende Statistik, ist es in beiden Ländern angebracht, einen makro-historischen-internationalen Vergleich anzustreben. Dies bedeutet also, großräumig mit Vergangenheit beider Länder, auf internationalen Ebene einen Vergleich durchzuführen. Jedoch erweist sich dies als schwierig, da entsprechende Daten zur Auswertung einer solchen Analyse schlicht und ergreifend fehlen. Auch wenn Deutschland deutlich mehr Datensätze vorzuweisen hat, sind diese jedoch zu komplex und verworren, um sie mit den Variablen der südkoreanischen Daten in Verbindung bringen zu können.

Quelle: Schmid 2010[3] (zitiert nach Immerfall 1991)

Tabelle 1. Fall-Variablen-Matrix in der vergleichenden Forschung

Bisherige vergleichende Studien in Bezug auf beide Kinderschutzsysteme zeigen, dass die vergleichenden Kriterien und das Spektrum in diesen ländervergleichenden Studien weitgehend unterbestimmt und die Informationslagen unvollständig sind[4] . Ebenfalls existiert in Südkorea ein Rechtsvergleich mit Deutschland, der jedoch lediglich die oberflächlichen Gesetze bzw. Strukturen in Deutschland im Hinblick auf die Kinder- und Jugendpolitik betrachtet. Es ist unschwer zu erkennen, dass eine wesentliche Lücke zwischen theoretischen und praktischen Kontexten in der Kinder- und Jugendhilfe besteht. Auch gibt es zum Beispiel im Gesetz für den Kinderschutz einen vorgeschriebenen sicheren Raum, der in der Praxis jedoch nur begrenzt zur Verfügung steht und aus diesem Grund die oberflächliche Darstellung beider Länder problematisch betrachtet wird. Auch in Deutschland gibt es kaum vergleichende Literatur und Forschung in Bezug auf das Kinderschutzsystem in Südkorea, stattdessen wird vermehrt mit anderen europäischen Ländern verglichen.

Bei der ländervergleichenden Studie spielt es eine entscheidende Rolle, sich nach den wohlfahrtsstaatlichen Formen und deren politischem sowie kulturellen Verständnis und den dortigen Institutionen und Organisationen zu richten. Dabei muss immer der Hintergrund einer Einwicklungsgeschichte des jeweils anderen Gesellschaftsystems berücksichtigt werden, nur so wird es verständlich. [5] Durch rechtliche, institutionelle und politische Rahmenbedingungen werden Schutzmechanismen gegen die Gewalt von Kindern und Jugendlichen geschaffen. Diese Systeme müssen durch verschiedene Netzwerke organisatorisch und institutionell in enger Verbindung stehen. Nur so kann den noch immer komplizierten und offensichtlichen Problemen der Gewalt gegen Kinder und Jugendliche begegnet und ein professionelles Kinderschutzsystem aufgebaut bzw. effektive Veränderungen oder Verbesserungen in beiden Ländern erzielt werden. Dazu bedarf es einer sicheren Basisstruktur, welche nicht ausgereift oder kaum vorhanden ist. Das erfordert die Beurteilung und Untersuchung der Kinderschutzsysteme beider Länder, da es dann möglich wird, die besten Präventionsund Reaktionsmöglichkeiten gegen die Gewalt an Kindern herauszuarbeiten. Gleichzeitig ist das Ziel eines solchen Vergleichs, die unterschiedlichen Herangehensweisen auf die jeweiligen Länder zu übertragen, auch wenn wir von unterschiedlichen kulturellen Norm- und Wertvorstellungen in Hinblick auf das Kinderschutzsystem ausgehen. [6]

In dieser Studie wird das jeweilige Schutzsystem beider Länder anhand der folgenden Kriterien untersucht.

Ÿ Gesellschaftliche Lage von Kindern und Jugendlichen

Ÿ Verläufe von Kinderschutz bei Gewalt gegen Kinder

Ÿ Formen der Gewalt gegen Kinder

Ÿ Gesetzgeberische Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten der Gesetze

Ÿ Reaktion der zuständigen Instanz und familiengerichtliches Eingreifen

Ÿ Maßnahmen gegen Täter und Unterstützungsangebote für Opfer

Ÿ Risikoeinschätzung und Verfahren bei Verdacht auf Gewalt gegen Kinder

Ÿ Praxisbezogene Instanzen und deren Modellprojekte für die Präventionsaktivität

  • [1] Vgl. Ebd., S. 37; Vgl. Wagner, L., Lutz, R. (Hrsg.), 2009. Internationale Perspektiven Sozialer Arbeit. 2. Auflage. Wiesbaden, S. 9
  • [2] Munro, E., Manful, E., 2012. Safeguarding children: a comparison of England's data with that of Australia. Norway and the United States, S. 4
  • [3] Schmid, J., 2010. Wohlfahrtsstaaten im Vergleich. 3. Auflage. Wiesbaden, S. 40
  • [4] Vgl. Müller, R., Nüsken, D. (Hrsg.), 2010. Child Protection in Europe. Münster, S. 33
  • [5] Vgl. Ebd.
  • [6] Vgl. Ebd.; Vgl. Ginsburg, N., 2004. Structured diversity: a framework for critically comparing welfare states?. In: Kennett, P. (Hrsg.), A handbook of comparative social policy. Northampton, S. 201; Vgl. Gilbert, N., 1997. Combatting Child Abuse. Oxford, S. 240; Vgl. Schmid, J., 2010. Wohlfahrtsstaaten im Vergleich. 3. Auflage. Wiesbaden, S. 37
 
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