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2 Die gesellschaftliche Lage und gegenwärtige Kinder- und Jugendhilfe in Südkorea

2.1 Überblick über die südkoreanische Geschichte

Seit 1960 nahm das Wirtschaftswachstum in Südkorea zu und Korea entwickelte sich von einem Agrarstaat, zu einer Industrienation und erhielt dadurch viel Aufmerksamkeit und Bewunderung. [1] Die traditionsreiche Geschichte sowie kulturelle Identität ist jedoch weniger bekannt. Die koreanische Halbinsel hat eine Gesamtbevölkerung von ca. 48,61 Millionen Menschen und liegt zwischen Japan und China. [2] Die Geschichte reicht etwa 5000 Jahre zurück, jedoch ist ein genauer Zeitraum noch umstritten.

Die ersten Menschen besiedelten die umliegenden Gebiete der koreanischen Halbinsel vor ca. 700.000 Jahren. [3] Im Laufe der Zeit bildeten sich viele Stämme, welche von Stammesführern regiert wurden. Um 2333 v. Chr. entwickelte sich das Königreich Gojoseon, später folgten die drei Königreiche Päkje, Koguryo und Shilla, welche das Land teilten. Zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert etablierte sich in allen drei Ländern der Buddhismus[4] und es entwickelten sich politische Strukturen. Im Jahr 668 wurden schließlich alle Reiche unter Shilla vereinigt und die Flüchtlinge aus Koguryo im Jahr 698 gründeten das Königsreich Balhae im südlichen Zentrum der Mandschurei. [5] Danach existierten die Reiche Goryeo (918-1392) und Joseon (1392-1910). Die Joseon-Dynastie unterstützte den Konfuzianismus als ihre Leitphilosophie und drängte somit den zuvor weit verbreiteten buddhistischen Glauben zurück. Der Konfuzianismus spielte in den Familienverhältnissen Südkoreas eine besonders prominente Rolle.

M. Hong, Kinderschutz in institutionellen Arrangements, Kasseler Edition Soziale Arbeit 2, DOI 10.1007/978-3-658-10742-0_2, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2016

Wontroba und Menzel beschreiben den Konfuzianismus wie folgt:

„Der Konfuzianismus ist weniger eine Religion mit der Thematisierung einer übernatürlichen Welt, sondern weit mehr ein auf das irdische Leben bezogenes Doktrinensystem, in dem staatsphilosophische, moralische und ethische Imperative zusammenfließen. Eine Schlüsselstellung in diesem Denksystem nehmen die fünf ‚Pflichtverhältnisse' ein. Dabei handelt es sich um die Regeln der Beziehungen zwischen Souverän und Untertan, Vater und Sohn, Mann und Frau, dem älteren und dem jüngeren Bruder sowie zwischen Freunden. Nur das letztere Pflichtverhältnis postuliert einen Verhaltenskodex von Gleichberechtigten, fordert sogar Solidarität und Verständnis. Alle anderen Beziehungen sind auf Ungleichheit und Subordination aufgebaut und bilden ein stabiles hierarchisches Folge- und Kontrollverhältnis von monarchischer Autorität über die Autorität des Clanältesten und Familienvaters bis hinunter auf die Ebene der gleich unterworfenen Frauen und Kinder“[6]

Aufgrund der konfuzianistischen Ideale wurden der Autoritarismus und der Gehorsam als soziale, moralische und ethische Philosophie entwickelt. Dies bedeutet, dass die patriarchalischen Herrschaftsstrukturen ideologisch durch die konfuzianistischen Lehren und Traditionen zementiert wurden. [7] Hierdurch wird deutlich, dass der Konfuzianismus die Familie eindeutig in den Mittelpunkt stellt und ebenfalls die besondere Bedeutung der Ehrerbietung des Sohnes gegenüber dem Vater betont. [8] Der Gehorsam nach konfuzianistischem Ideal wurde von Generation zu Generation weitergegeben und dient daher als soziales Leitbild. Die große Bedeutung, die in Korea der Rangordnung beigemessen wird, kann den menschlichen Beziehungen also sehr leicht einen ausgesprochen autoritären Charakter geben. [9]

Von 1910 bis 1945 blieb Korea unter japanischer Okkupation. Auch nach der Befreiung im Jahre 1945 gelang die Halbinsel schnell wieder ins Visier externer Mächte das der Sowjetunion sowie der Vereinigten Staaten von Amerika. Dies entschied in der Folge über die zukünftige ambivalente Staatsideologie, Kommunismus und Kapitalismus. In diesem Zuge wurde die koreanische Halbinsel trotz der territorialen Einheit in zwei Staaten geteilt: In Süd- und Nordkorea. Nun befanden sich die zwei Staaten auch in einer ideologischen Trennung, welche bis heute andauert.

  • [1] Vgl. Korean Culture and Information Service Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus, 2009. Tatsachen über Korea. Seoul, S. 86
  • [2] Vgl. Ebd., S. 8
  • [3] Vgl. Ebd., S. 26
  • [4] Der Buddhismus war in Koguryo und Päkje bereits Ende des 4. Jahrhunderts (372 bzw. 384), in Shilla erst 535 durch König Beopheungwang (514-540) anerkannt worden. In allen drei Ländern spielten, bei der Würdigung des Buddhismus die Königshäuser eine wichtige Rolle. Kern, T., Köllner, P. (Hrsg.), 2005. Südkorea und Nordkorea. Frankfurt und New York, S. 21
  • [5] Vgl. Korean Culture and Information Service Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus, 2009. Tatsachen über Korea. Seoul, S. 28
  • [6] Wontroba, G., Menzel, U., 1978. Stagnation und Unterentwicklung in Korea. von der Yi-Dynastie zur Peripherisierung unter japanischer Kolonialherrschaft. Meisenheim am Glan, S. 70
  • [7] Vgl. Ebd., S. 201-203
  • [8] Vgl. Choi, J., 2004. Die Religion in der koreanischen Gesellschaft. In: Chei, W. (Hrsg.), Aspekte der koreanischen Kultur und Gesellschaft. Seoul, S. 54
  • [9] Vgl. Ebd., S. 55
 
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