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2.4.3 Kinderfürsorge seit der Industrialisierung (1960 – 2000)

Für den Wiederaufbau wurden 1961 erstmals zahlreiche Sozialgesetze erlassen, darunter auch das erste Kinderfürsorgegesetz. Nach diesem staatlichen Auswahlprinzip des KWG wurde von 1960 bis 1980 die Arbeit zum Wohl des Kindes und Jugendlichen praktiziert. Jedoch blieb in dieser Zeit wegen der Irrealität und der mangelnden Leistungsfähigkeit, der schlechten ökonomischen Bedingungen und ungünstigen Sozialstrukturen die erhoffte Wirkung der Kinderfürsorge aus. [1]Mittlerweile entwickelte sich die Zahl der sozialen Einrichtungen des Kinderschutzes rapide weiter (im Jahr 1967 befanden sich 65212 Kinder und Jugendliche in 568 sozialen Einrichtungen[2]). Im Jahre 1981 wurde das KWG schließlich überarbeitet und als neues Kinderwohlfahrtsgesetz (KWG) erlassen. Mit dieser Gesetzesänderung wurde die Fürsorge auf alle Kinder ausgeweitet. Dennoch gab es Ausnahmen, z.B. wurde die häusliche Gewalt gegen Kinder immer noch als privates Problem angesehen, was die staatlichen Eingriffe in solchen Fällen einschränkte. [3]

Bezüglich der Gewalt gegen Kinder hatte das Südkorea Social Welfare Council im Jahr 1979 eine Hotline für Gewalt gegen Kinder etabliert und sollte ab dieser Zeit als freie Träger auf Gewalt gegen Kinder reagieren. Jedoch gab es keine Meldungen von Gewalt gegen Kinder und nach einem Jahr wurde diese wieder eingestellt. Später hat der Verein für Kinderschutz im Jahr 1983 eine Hotline für Beratung gegen Gewalt von Kindern eingeführt und etablierte diese im Jahr 1985 in städtischen Kinderberatungsstätten in Seoul, die aber wegen geringer Meldungen (96 Gefährdungsmeldungen in 5 Jahren) nicht sehr aktiv war. Es gab zu dieser zeit noch kein Kinderschutzgesetz für Gewalt gegen Kinder und ebenfalls nur eine geringe Wahrnehmung und Sensibilisierung der Bevölkerung für diese Thematik. Danach haben im Jahr 1989 die sozialen Einrichtungen für Kindeswohl und Geistesmedizin zur Prävention gegen Gewalt von Kinder die „Korea Association for Prevention of Child abuse and Neglect“ etabliert und mittlerweile die freien Träger z.B. Goodneigbors bzw.

Childfund Korea in das Zentrum für Prävention von Gewalt gegen Kinder integriert und geleitet. [4] Dabei gab es Begrenzungen der Intervention und Prävention, da keine Regelungen von Gewalt gegen Kinder in Südkorea vorlagen. Die Gewalt gegen Kinder erhielt erst Anfang der 1990er Jahre mehr Aufmerksamkeit, da mehrere Forschungsberichte und die Medien es häufiger thematisierten. Sie waren besonders von der Gewalt gegen Kinder in der konfuzianistischen Tradition Koreas schockiert, und es wurde stark zunehmend als soziales Problem wahrgenommen. Gewalt gegen Kinder als soziales Problem in koreanischer Atmosphäre anzuerkennen, war allerdings eine äußerst empfindliche Angelegenheit, da die körperliche Züchtigung als erzieherische Maßnahme angesehen wurde. Dieser Gedanke wurde als pädagogische Züchtigung oder eine

disziplinäre Strafe anerkannt und gebilligt. Man sah also die Erziehung der Kinder in der alleinigen elterlichen Verantwortung und betrachtete sie nicht als unabhängige Persönlichkeiten. Die elterliche Haltung, die die äußerliche Einmischung ablehnte, bestand weiter als innerfamiliäres Problem, obwohl schwerwiegende Gewalt an Kindern bestraft wurde. Aufgrund der konfuzianistischen Tradition, die den Kerngedanken der Erziehung dominierte, sollte Gewalt gegen Kinder nicht vorkommen, wenn es aber geschah, lag die Verantwortung dafür nur bei den Eltern. [5] In dieser Zeit hatten die freien Träger, die großes Interesse an der Thematik hatten, angefangen, sich für den Kinderschutz zu engagieren. Jedoch gab es große Beschränkungen, die ohne ein staatliches Gesetz das Einschreiten erschwerten. Je nach Eigenart des freien Trägers entschied dieser, verschiedene Interventionen, Therapien und Kampagnen durchzuführen. Trotzallem hatten diese Prozesse einen positiven Einfluss auf die Lösung des Problems, welches zu einer erneuten ideologischen Wende führte. Durch diese gedankliche Wende hatte der Staat die Möglichkeit, sich für den Kinderschutz in der Familie einzusetzen.

2.4.4 Gegenwärtiger Kinderschutz (2000 bis heute)

Obwohl bis zu diesem Zeitpunkt eine positive Einstellung zum konfuzianistischen Gedanken (Besitz der Eltern ihrer Kinder) bestand, veränderte sich die Sicht auf Kinder: sie wurden als individuelle und selbstständige Lebewesen mit Bewusstsein wahrgenommen. [6] Zudem wurden wegen anhaltender Zunahme von Gewalt gegen Kinder und wegen des sporadischen Eingreifens, die freien Trägern zum Kinderschutz im Jahr 2000 in die Pflicht genommen. Damit wurde das Kinderwohlfahrtsgesetz (KWG) im Jahr 2000 umfangreich überarbeitet, das das Kinderschutzsystem (KSS) regelt.

Es beinhaltet den Einsatz des Kinderschutzzentrums, die Einrichtung einer Notrufnummer für Angehörige und Opfer von Gewalt gegen Kinder, Erste Hilfe und Schutz sowie der Entzug und Einschränkungen der elterlichen Ansprüche etc. Zudem wurde aufgrund der politischen Veränderung in dieser Zeit die Übertragung von Aufgaben von staatlichen zu freien Trägern vorgenommen, d.h. die freien Träger erhielten die Kontrolle über das Kinderschutzsystem und das Kinderschutzzentrum (KSZ), welches sie unter eigener Verantwortung leiten. Das KSZ übernahm die verantwortliche Rolle im gesamten Prozess zur Vermeidung von Gewalt gegen Kinder sowie Kindesmisshandlung, sexuellen Missbrauch und Vernachlässigung. SozialarbeiterInnen im KSZ sind in alle Vorgänge eingebunden; von der Intervention bis hin zur Zielerreichung (Inobhutnahme des Kindes/Jugendlichen), z.B vom Verdacht auf Kindeswohlgefährdung (Notruf), der Evaluation, der Risikoeinschätzung von Kindeswohlgefährdung, dem Schutz der Familie, der Therapie, der Fortbildung und der Präventionsaktivität (z.B. für eine Kampagne in der Öffentlichkeit/ Präventionskampagnen in der Schule). Zudem gibt es zusätzlich auch regelmäßige interne und externe Sitzungen mit Experten im Fall von Klienten mit schwerwiegenden Problemen.

  • [1] Vgl. kim, Y., 1986. Jugendpolitik in Korea und in der Bundesrepublik Deutschland. Diss. Bochum, S. 78
  • [2] Vgl. Pyo, G., 2010. Kinder- und Jugendwohl. 2. Auflage. Paju, S. 59-60
  • [3] Vgl. Kindeswohlinstitut. 2002. Kindeswohl und Politik. Seoul, S. 36
  • [4] Vgl. Oh, J., Jeong, I., 2008. Child Welfare. Seoul, S. 291-292
  • [5] Vgl. Hwang, Ok-Gyung. 2002. die Konstruktion des Kinderschutzsystem und Analyse der Führung. In: Theology and mission (27), S. 524-525
  • [6] Vgl. Kim, S., Kim, H., Choe., H., 2013. Child Welfare. Paju, S. 96-97
 
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