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5.3 Formen der Gewalt gegen Kinder

So relevant in den heutigen Tagen eine eindeutige Abgrenzung von verschiedenen Misshandlungsformen ist, so schwer fällt sie gleichzeitig. Ein Grund dafür ist, dass die häufige Vermischung[1] der Misshandlungsformen in der Praxis eine genaue Diagnose erschwert[2]. In der Regel fasst man vier zentrale Formen der Gewalt gegen Kinder in Deutschland und Südkorea zusammen: körperliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, psychische Gewalt und Vernachlässigung.

5.3.1 Körperliche/ physische Gewalt

Unter körperlicher Gewalt können alle gewaltsamen Handlungen von Eltern/ Erziehungsberechtigten oder anderen Bezugspersonen verstanden werden, die durch Anwendung von körperlichem Zwang bzw. Gewalt oder Züchtigung für einen einsehbaren Dritten, offensichtlich und sichtbar zu erheblichen physischen Beeinträchtigungen des Kindes und seiner Entwicklung führen oder vorhersehbar ein hohes Risiko solcher Folgen bergen[3]. Ob ein Kind dabei zu Schaden kommt, hängt nicht nur von der Härte und Intensität der Gewalthandlung ab. Darüber hinaus spielt die Empfindlichkeit des kindlichen Organismus (bei Säuglingen kann heftiges Schütteln schon zu lebens gefährlichen Hirnblutungen führen) und die situativen Umstände (wenn ein Kind mit den Kopf auf eine harte Kante, statt auf den weichen Teppichboden fällt) eine Rolle. [4] Werden diese Handlungen absichtlich vollzogen, gehen wir ebenfalls von einer Form körperlicher Gewalt aus. Die konkreten Formen der körperlichen Misshandlung sind also folgende [5] : Ohrfeigen; Schläge mit Händen, Stöcken, Peitschen; Stoßen von der Treppe; Schleudern gegen die Wand; Schütteln eines Kleinkindes; Verbrennen mit heißem Wasser oder Zigaretten; auf den Ofen setzen; Einklemmen in Türen oder Autofensterscheiben; pieksen mit Nadeln; ins kalte Badewasser setzen und untertauchen; eigenen Kot essen und Urin trinken lassen; Würgen und Vergiften.

  • [1] So wird beispielsweise sexuelle Gewalt häufig mit körperlicher Gewalt durchgesetzt, oder zur Aufdeckung sexueller Gewalt mit körperlicher Gewalt gedroht und Mittel der psychischen Misshandlung eingesetzt. Oft werden körperlich misshandelte Kinder zudem vernachlässigt. Nur die psychische Misshandlung tritt vergleichsweise häufig für sich alleine auf. Krieger, W., Lang, A., Meßmer, S., Osthoff, R., 2007. Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexueller Missbrauch. Stuttgart, S. 14
  • [2] Mertens, B., Pankofer, S., 2011. Kindesmisshandlung. Körperliche Gewalt in der Familie. Paderborn, S. 26; Höynck. T., Haug. M., 2012. Kindeswohlgefährdung. Rechtliche Konturen eines schillernden Begriffs. In: Marthaler, T., Bastian, P., Bode, I., Schrödter, M., Rationalitäten des Kinderschutzes. Wiesbaden, S. 20
  • [3] Vgl. Kindler, H., Lillig, S., Herbert, B., Meysen, T., Werner, A. (Hrsg.), 2006. Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München, Kap. 5-2
  • [4] Engfer, A., 2005. Formen der Misshandlung von Kindern Definitionen, Häufigkeit, Erklärungsansätze, In: Egel, U.T., Hoffmann, S.O., Joraschky, P. (Hrsg.), Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. 3. Auflage. Stuttgart, S. 7
  • [5] Deegener, G., 2005. Formen und Häufigkeiten der Kindesmisshandlung. In: Deegener, G., Körner, W. (Hrsg.), Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Göttingen, S. 37
 
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