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5.3.3 chische/ emotionale Gewalt

Unter psychischer Gewalt versteht man alle Handlungen von Eltern oder Erziehungsberechtigten, die Kindern sprachliche - und emotionale Bedrohung vermitteln, sie festhalten und isolieren oder ängstigen und überfordern. Je jünger ein Kind ist und je häufiger bzw. regelmäßiger es diesem Umgang ausgesetzt ist, desto schädlicher sind die Auswirkungen auf das Kind. Jede andere Form der Beeinträchtigung des Kindeswohls geht immer mit mehr oder weniger starken psychischen Beeinträchtigungen des Kindes einher. [1]Nach Kindler gibt es fünf verschiedene Formen, die einzeln oder in Kombination auftreten können und als psychische Gewalt angesehen werden müssen. [2]

Ÿ feindselige Ablehnung (z.B. ständiges Herabsetzen, Beschämen, Kritisieren oder Demütigen eines Kindes)

Ÿ Ausnutzen und korrumpieren (z.B. Kind wird zu einem selbstzerstörerischen oder strafbaren Verhalten angehalten oder gezwungen bzw. ein solches Verhalten des Kindes wird widerstandslos zugelassen)

Ÿ Terrorisieren (z.B. Kind wird durch ständige Drohungen in einem Zustand der Angst gehalten)

Ÿ Isolieren (z.B. Kind wird in ausgeprägter Form von altersentsprechenden sozialen Kontakten fern gehalten)

Ÿ Verweigerung emotionaler Responsivität (z.B. Signale des Kindes und seine Bedürfnisse nach emotionaler Zuwendung werden anhaltend und in ausgeprägter Form übersehen und nicht beantwortet)

Die psychische Misshandlung ist in der Handlungsebene jedoch schwer zu beweisen. Der Grund dafür ist, dass diese Faktoren schwer zu beobachten und deren Folgen nicht sofort erkennbar sind. Außerdem ist die Grenze zwischen üblichen und weitgehend tolerierten, auf psychischem Druck basierenden Erziehungspraktiken (z.B. Hausarrest, Liebesentzug, Schimpfen) und psychisch schädigendem Elternverhalten fließend. Daher steht eine einheitliche Definition psychischer Gewalt bislang aus und die Forschungslage ist dürftig. Zudem besteht in der Definition von psychischer Gewalt ebenfalls das Problem, dass es kaum ersichtlich ist, wann genau der Punkt erreicht ist. [3] Deshalb können Jugendämter und Familiengerichte nur bedingt eingreifen, da diese nur einzelne Formen von Kindesmisshandlung bearbeiten. In der Regel tritt die psychische Gewalt mit anderen Misshandlungsformen auf. Ein weiteres Problem der Gewalt an Kindern ist auch das fehlende Wahrnehmungsvermögen des Kindes, sodass es oftmals bei psychischer Gewalt diese nicht als solche wahrnimmt. Jedoch muss der Maßstab von psychischer Gewalt nach normaler durchschnittlicher Erkenntnis und Emotionalität beurteilt werden. [4]

  • [1] Ebd., S. 45-46
  • [2] Kindler, H., Lillig, S., Herbert, B., Meysen, T., Werner, A. (Hrsg.), 2006. Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München, Kap. 4-1
  • [3] Vgl. Kinderschutztentrum Berlin e. V. (Hrsg.), 2009. Kindeswohlgefährdung. Erkennen und Helfen. Berlin, S. 45
  • [4] Vgl. Krieger, W., Lang, A., Meßmer, S., Osthoff, R., 2007. Kindesmisshandlung. Vernachlässigung und sexueller Missbrauch. Stuttgart, S. 13
 
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