Gesellschaftlicher und theoretischer Begründungszusammenhang

Gesellschaftspolitischer Begründungszusammenhang

In der Politischen Bildung und im sozialwissenschaftlichen Unterricht hat das ökonomische Lernfeld in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Für diese Ausweitung haben sich verschiedene gesellschaftliche Interessengruppen massiv eingesetzt. Die Kultusministerien sind insoweit der Forderung nachgekommen, als dass sie den ökonomischen Lernbereich in den Bildungsplänen gestärkt haben.

Diese Neugewichtung des ökonomischen Lernfeldes ist fachdidaktisch jedoch nicht hinreichend vorbereitet und wird wissenschaftlich nur unzureichend begleitet. In dieses Vakuum sind vermehrt Wirtschaftsunternehmen, Stiftungen, Interessenverbände, Vereine und Initiativen gestoßen, die Unterrichtsmaterialien, curriculare Vorschläge und Lehrerweiterbildungen entwickeln. Die Produkte sind von unterschiedlicher Qualität. Oftmals sind sie tendenziös und genügen den Kontroversitätsanforderungen der Politischen Bildung nicht (vgl. Hedtke 2008; Haarmann 2014). Aufgrund der aktuellen Bedarfslage ist zu befürchten, dass die interessengeleiteten Privatinitiativen prägend auf das an Bedeutung gewinnende Lernfeld wirken. Es besteht die dringende Notwendigkeit, den politisch-ökonomischen Bildungsbereich fachdidaktisch zu erforschen und anzuleiten.

Der Gegenstand Globalisierung ist aus didaktischer Perspektive geeignet, verschiedene ökonomische und politische Lernfelder zusammenzuführen. In ihm bündeln sich zentrale Fragen des ökonomischen Lernfeldes, wie etwa der Wandel der Arbeitswelt mit seinen vielseitigen lebensweltlichen Implikationen, bis hin zu allgemeinen Fragen der Gestaltbarkeit einer Wirtschaftsordnung und der Möglichkeit einer grundsätzlichen Diskussion des Verhältnisses von Politik und Wirtschaft. Der Prozess der Globalisierung stellt eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar. Der „mündige Bürger“ der Zukunft wird sich noch viel stärker als bisher mit dem Prozess einer weltumspannenden Verflechtung wirtschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Aktivitäten auseinandersetzen müssen (vgl. Lange und Fischer 2010b). Zwar ist der Alltag vieler Jugendlicher durch verschiedene Formen der Mediennutzung, durch Mode und Musik längst global ausgerichtet. Ein handlungsleitendes Wissen über globale Zusammenhänge scheint jedoch noch nicht hinreichend entwickelt zu sein (vgl. Shell Deutschland Holding 2006, S. 167; vgl. Shell Deutschland Holding 2010, S. 171 f.).

 
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