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5.3.4 Vernachlässigung von Kindern

Im Vergleich zu körperlicher- und sexualisierter Gewalt erhält die Vernachlässigung bisher, außer in spektakulären Fällen z.B. beim Aussetzen von Neugeborenen oder Verhungern lassen mit Todesfolge, weniger Aufmerksamkeit[1]. Die Vernachlässigung hat jedoch gravierende Konsequenzen für die geistige und sozial-emotionale Entwicklung von Kindern durch Deprivationserfahrungen und unzureichende Ernährung in den ersten Lebensjahren [2] . Trotzdem ist es schwierig eine einheitliche Definition von Vernachlässigung und einen Maßstab des Schweregrads und der Dauer zu finden.

Deegener und Körner definieren „Vernachlässigung als eine ausgeprägte, andauernde oder wiederholte Beeinträchtigung oder Schädigung der Entwicklung von Kindern durch die Sorgeberechtigten und -verpflichteten Personen. Dies geschieht durch unzureichende Pflege und Kleidung, mangelnde Ernährung und gesundheitliche Fürsorge, zu geringe Beaufsichtigung und Zuwendung, nachlässigen Schutz vor Gefahren sowie nicht hinreichende Anregung und Förderung motorischer, geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten“[3]. Unter Vernachlässigung versteht man absichtliche und andauernde oder wiederholte Handlungen, die die gesunde Entwicklung und Fürsorge behindert oder behindern wird. Sie ist jedoch schwer erkennbar, da man dem Kind weder sichtbaren Merkmale der Vernachlässigung ansieht, noch eine Gefährdung nach außen erkennbar ist, z.B. wenn das Kind längere Zeit alleine bleibt oder die Eltern mit ihren Kindern regelmäßige Besuche beim Kinderarzt nicht wahrnehmen.

Kindler stellt fest, dass die Formen der Vernachlässigung in verschiedene Bereiche unterteilt werden können. [4]

Ÿ Körperliche Vernachlässigung: z.B. unzureichende Versorgung mit Nahrung, Flüssigkeit, sauberer Kleidung, Hygiene, Wohnraum und medizinischer Versorgung

Ÿ Erzieherische Vernachlässigung: z.B. Mangel an Konversation, Spiel und anregenden Erfahrungen, fehlende erzieherische Einflussnahme auf einen unregelmäßigen Schulbesuch, Delinquenz oder Suchtmittelgebrauch des Kindes, fehlende Beachtung eines besonderen und erheblichen Erziehungsoder Förderbedarfs

Ÿ Emotionale Vernachlässigung: z.B. Mangel an Wärme in der Beziehung zum Kind, fehlende Reaktionen auf emotionale Signale des Kindes

Ÿ unzureichende Beaufsichtigung: z.B. Kind bleibt längere Zeit alleine und auf sich gestellt, keine Reaktion auf eine längere unangekündigte Abwesenheit des Kindes

In der Regel überschneiden sich die verschiedenen Formen der Vernachlässigung,

z.B. körperliche, erzieherische und emotionale Vernachlässigung gehen oft miteinander einher[1]. Mehrere Studien deuten zudem darauf hin, dass vernachlässigte Kinder in der Mehrzahl zeitgleich oder später auch noch andere Formen der Gewalt erleben[6]. Die Auswirkungen auf die Kinder sind auch hier umso stärker, je jünger die Kinder sind. Im Extremfall kommen Kinder durch Unterernährung oder mangelnde Zuwendung zu Tode. [7]

  • [1] Vgl. Herrmann, B., Dettmeyer, R., Banaschak, S., Thyen, U., 2010. Kindesmisshandlung. 2 Auflage. Heidelberg, S. 181
  • [2] Vgl. Ebd., S. 181
  • [3] Deegener, G., Körner, W. (Hrsg.), 2005. Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Göttingen, S. 37
  • [4] Kindler, H., Lillig, S., Herbert, B., Meysen, T., Werner, A. (Hrsg.), 2006. Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München, Kap. 3-2
  • [5] Vgl. Herrmann, B., Dettmeyer, R., Banaschak, S., Thyen, U., 2010. Kindesmisshandlung. 2 Auflage. Heidelberg, S. 181
  • [6] Kindler, H., Lillig, S., Herbert, B., Meysen, T., Werner, A. (Hrsg.), 2006. Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München, Kap. 3-3
  • [7] Kinderschutztentrum Berlin e. V. (Hrsg.), 2009. Kindeswohlgefährdung. Erkennen und Helfen. Berlin, S. 44
 
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