Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Sozialwissenschaften arrow Kinderschutz in institutionellen Arrangements
< Zurück   INHALT   Weiter >

6.3 Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass auf die gestellte Frage nach dem tatsächlichen Ausmaß der Gewalt gegen Kinder und der genaueren Verbreitung und Häufigkeit des Problems in Deutschland und Südkorea die Forschung aus Hellfeld und Dunkelfeld bisher kein eindeutiges Ergebnis aufweist. Die vielfältigen Untersuchungen belegen, dass bisher die Gewalt gegen Kinder umfangreich in Familien bzw. in Institutionen auftritt. Es kann daher mithilfe dieser Studien heute in beiden Ländern das Auftreten und die Häufigkeit der Gewalt gegen Kinder als soziales Problem anerkannt werden. In Südkorea hat sich, nach dem Bericht des nationalen KSZ, die Zahl der Taten von Gewalt gegen Kinder im Jahr 2001 von 2105 auf 6058 im Jahr 2011 erhöht, während im gleichen Zeitraum die Anzahl der KSZ zunahm[1].

Es wird deutlich, dass nach dem Anstieg der KSZ die Fälle von Gewalt gegen Kinder, vom Dunkelfeld ins Hellfeld gerrückt sind, also vermehrt erfasst und ensprechende Maßnahmen eingeleitet wurden. Jedoch haben ebenfalls gleichzeitig die Rückfälle der Gewalt gegen Kinder stark zugenommen. Das bedeutet, dass das KSS in Bezug auf Gewalt gegen Kinder in Südkorea durch ineffiziente Maßnahmen agiert, die keine andauernde Wirkung zeigen.

Weiterhin traten die Formen der Gewalt gegen Kinder und die Duplizität mit anderen Formen der Gewalt gegen Kinder immer mehr auf und wurden in über 80% der Fälle durch die Eltern und Verwandten ausgeführt. Die meiste Gewalt erfahren Kinder also zu Hause und Eltern wenden vor allem dann Gewalt an, wenn die Risikofaktoren in der Betreuung oder Versorgung anstiegen. Dabei ist die Belastung der Eltern eng verbunden mit der gesellschaftlichen- und kulturellen Lage, z.B. konfuzianistische Wertstellung, Arbeitslosigkeit bzw. alleinerziehende Väter oder Mütter, Armut.

Moon stellte in ihrer Forschung fest, dass über 80% der Eltern in Südkorea ihre Kinder und Jugendlichen aus disziplinarischen Gründen züchtigen[2]. Auch in Deutschland erhöhte sich die Zahl der Kindesmisshandlungen von 1915 auf 3450 im Zeitraum von 1994 bis 2012 kontinuierlich, wogegen die Zahl der sexuellen Missbräuche von Kindern von 15096 auf 12623 gleichzeitig abnahm. Jedoch ist dieser Statistik nicht die gesamte Zahl von Gewalt gegen Kinder zu entnehmen, sondern nur die Zahl im Hellfeld aus polizeilich registrierten Fällen nach dem StGB. Deswegen gibt es vermutlich in Deutschland bisher viele Fälle von Gewalt gegen Kinder im Dunkelfeld, wie die Dunkelfeldforschungen aufzeigen konnten.

Weiterhin auffällig ist, dass SchülerInnen in der Schule in Südkorea häufig psychische Gewalt durch ihre LehrerInnen erlebt haben und gezüchtigt wurden, weil es in Südkorea bisher kein Gesetz für das Verbot der schulischen Züchtigung gibt. Jedoch wurde seit 2011 das Verbot der schulischen Züchtigung nach der Anordnung regionaler Superintendenten für Bildung, z.B. Seoul, Gangwondo, Gyeonggido, Jeollabukdo, eingeführt. Jedoch befinden sich diese Maßnahmen in Abhängigkeit von der Meinung der Superintendenten der Ausbildung in den Provinzen. Deswegen ist das Thema der schulischen Züchtigung heftig umstritten.

Eine Folge der Kindesmisshanldungen ist in beiden Ländern die Kindstötung. In Südkorea wurde nach dem Bericht der nationalen KSZ von 2001 bis 2011 insgesamt 87 Kinder und Jugendliche durch Gewalt getötet, darunter meistens Säuglinge und Kleinkinder. Ebenfalls gab es in Deutschland nach der Todesursachenstatistik von 2000 bis 2012 insgesamt 663 Fälle (Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre) von Kindstötungen durch Misshandlungen. Leider gibt es in beiden Ländern keine genaue Datenlagen, welches die Anzahl der gesamten Tötungsdelikte wiedergibt. Allerdings fanden tatsächlich bisher nicht wenige Kinder und Jugendliche durch Gewalt den Tod.

  • [1] 2009 trug ein KSZ in Südkorea (mit ca. 6-10 SozialarbeiterIhnen) für durchschnittlich 240000 Kinder und Jugendliche die Verantwortung. Die Kinderschutzrate lag im gleichen Jahr bei ca. 0,55 Kinder pro 1000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Vgl. Kang, d., Moon, Y., 2011. Kindesmisshandlung. Recht und System. Seoul, S. 217
  • [2] Vgl. Moon, Y., 2004. Child Abuse und Resilience. Seoul, S. 18
 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften