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7 Hintergründe zur Entstehung und den Folgen von Gewalt an Kindern

7.1 Hintergründe des Entstehens von Gewalt gegen Kinder

Mehrere Forschungen aus verschiedenen Disziplinen versuchten, eine Erklärung zu finden, wie Gewalt gegen Kinder entsteht und wie sie nachgewiesen werden kann. Die multifaktoriellen Erklärungsmodelle werden auf mehreren Ebenen integriert[1]. Belsky (1980) stellt in seiner Untersuchung fest, dass sich die Ursachen von Gewalt gegen Kinder auf vier Ebenen erstrecken: die individuelle Ebene, familiäre Ebene, soziale Ebene und gesellschaftlich-kulturelle Ebene[2]. Deutschland und Südkorea rücken grundsätzlich ebenfalls vier zentrale Risikofaktoren ins Licht.

a) Kindliche Risikofaktoren

b) Elterliche- und familiäre Risikofaktoren

c) Risikofaktoren im sozialen Umfeld

d) Kulturelle und gesellschaftliche Faktoren

7.1.1 Kindliche Risikofaktoren

Die Kinder trifft grundsätzlich keine Schuld an der Gewalthandlung. Jedoch zeigen einige Studien, dass kindliche Merkmale die Risikofaktoren erhöhen oder verringern können. Zuerst wird die Häufigkeit von Gewalt gegen Kinder nach Alter und Geschlecht des Kindes betrachtet[3]. Säuglinge und Kleinkinder im ersten Lebensjahr erleben mehr Gewalt als Kinder im restlichen Kinder- und Jugendalter. [4]Grund dafür ist, dass sich die Kleinkinder nicht selbst regulieren können und die Eltern unter Umständen Belastungen sowie Sorgen um das Kind empfinden. Zudem unterliegen Kinder zwischen sechs und zehn Jahren dem größten Gefährdungsrisiko von sexueller Gewalt betroffen zu sein, wobei dies in der Regel mehr Mädchen als Jungen betrifft[5]. Dagegen haben Jungen, mehr als Mädchen, von ihren Eltern körperliche Züchtigung erlitten, was bis zu körperlicher Misshandlung eskalieren kann [6]. Zusätzlich erhöhen physische Merkmale, sowie Verhaltensprobleme der Kinder, ebenfalls das Risiko einer Misshandlung. erleben beispielsweise Kinder mit Entwicklungsstörungen vermehrt, nicht nur körperliche sondern auch sexuelle Gewalt[7], da sie weniger in der Lage sind, sich selbst zu schützen und gut zu behaupten. Die Merkmale dieser Kinder fassen Deegener und Körner in einer Übersicht von Risikofaktoren aus umfassenden Literaturen zusammen (Tab. 9).

Quelle: Deegener und Körner. 2011[8]

Tabelle 9: Die kindlichen Risikofaktoren in Deutschland

Eine südkoreanische repräsentative Forschung [9] belegte, dass auch die Schulnoten des Kindes und Jugendlichen Einfluss auf Gewalt haben. Haben die Schüler bei Prüfungen nicht so gut abgeschnitten oder schlechte Zeugnisse erhalten, war die Gewalt gegen Kinder wesentlich höher, als bei Schülern mit guten Schulnoten. In diesem Zusammenhang zeigt die Tabelle 10 die kindlichen Merkmale, die in Südkorea zu vermehrten Gewalthandlungen führen.

Quelle: National Child Abuse report in Südkorea [10]

Tabelle 10: Die kindliche Risikofaktoren in Südkorea 2011

  • [1] Bender, D., Lösel, F., 2005. Misshandlung von Kindern: Risikofaktoren und Schutzfaktoren. In: Deegener, G., Körner, W. (Hrsg.), Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Göttingen, S. 319
  • [2] Belsky, J. 1980. Child maltreatment: An ecological integration. American Psychologist (35), S. 320-335
  • [3] Bender, D., Lösel, F., 2005. Misshandlung von Kindern: Risikofaktoren und Schutzfaktoren. In: Deegener, G., Körner, W. (Hrsg.), Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Göttingen, S. 326; Moon, S. (Hrsg.), 2010. Understanding Child Abuse and Neglect. Paju, S. 76
  • [4] Hong, K. (Hrsg.), 2000. The national survey of child abuse. Journal of Korean Council for Children's Rights, Seoul. Vol. 4(2), S. 109
  • [5] Garbarino, J., Bradshaw, C., 2002. Gewalt gegen Kinder. In: Heitmeyer, W., Hagan, J. (Hrsg.), Internationales Handbuch der Gewaltforschung, Wiesbaden. S. 903; Wetzels, P., 1997. Gewalterfahrungen in der Kindheit. Hannover, S. 171
  • [6] Bender, D., Lösel, F., 2005. Misshandlung von Kindern: Risikofaktoren und Schutzfaktoren. In: Deegener, G., Körner, W. (Hrsg.), Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Göttingen, S. 327; BMFSFJ, BMJ, 2003. Gewaltfreie Erziehung. Eine Bilanz nach Einführung des Rechts auf gewaltfreie Erziehung. Berlin, S. 7-8
  • [7] Garbarino, J., Bradshaw, C., 2002. Gewalt gegen Kinder. In: Heitmeyer, W., Hagan, J. (Hrsg.), Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Wiesbaden, S. 903
  • [8] Deegener, G., Körner, W., 2011. Risiko- und Schutzfaktoren Grundlagen und Gegenstand psychologischer, medizinischer und sozialpädagogischer Diagnostik im Kinderschutz. In: Körner, W., Deegener, G. (Hrsg.), Erfassung von Kindeswohlgefährdung in Theorie und Praxis. Lengerich, S. 208-209
  • [9] National Human Rights Commission of Korea, 2006. Survey of Child Abuse “Neglect“; Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt, 2011. Survey of Child Abuse. Seoul, S. 84-85
  • [10] National Child Protection Agency, 2011. National Child Abuse Report. S. 123
 
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