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7.2 Folgen von Gewalt gegen Kinder

Die meisten Studien in Deutschland und Südkorea unterscheiden zwischen kurzfristigen- und langfristigen Folgen[1] . Einige Kurzzeitfolgen bzw. Symptome treten typischerweise nur bei bestimmten Formen von Kindesmisshandlung auf. Bei physischer Gewalt finden sich häufig typische Verletzungen und Organschäden, wie Schütteltrauma, bestimmte Quetschungen, Beulen und Hämatome, Skelett-, Weichteil-, Augen-, Mundverletzungen sowie Verbrennungen und Verbrühungen, die bis zum Tod führen können. Außerdem treten die typischen Langzeitfolgen im Erwachsenalter auf, die sich in emotionalen (z.B. Depressionen, Suizid, Angststörungen einschließlich posttraumatischer Belastungstörungen, niedriges Selbstwertgefühl), interpersonalen (z.B. Reviktimisierung) und sexuellen Störungen (sexuelle Funktionsstörungen, Promiskuität) sowie Persönlichkeitsstörungen erhärtet zeigen. [2] Obgleich Vernachlässigungen und psychische Gewalt gegen Kinder häufig auftreten, existieren vermehrt Befunde zu Folgen sexueller und körperlicher Gewalt[3], da Vernachlässigungen und psychische Gewalt selten auffallen und daher kaum nachgewiesen werden können. Eine weitere Studie aus Südkorea[4] zeigt, dass je nach Erfahrung von Gewalt in der Kindheit, die Zunahme von Aggressionen und Depressionen, die Abnahme des Selbstbewusstseins, die Zunahme von Computerspielesucht, Gedanken an Selbstmord, delinquentem und selbstschädigendem Verhalten durch eine negative Beziehung mit den Eltern beeinflusst wird. Jedoch kann bisher weder in Südkorea, noch in Deutschland errechnet werden, wie viele Kinder mit welchen Verletzungen oder Folgen von Gewalt durch die Erziehungsberechtigten betroffen sind[5]. In der Übersicht von Moggi werden die Kurzzeit- und Langzeitfolgen in der wissenschaftlichen Fachliteratur bei allen Formen von Gewalt gegen Kinder beschrieben. (Tab. 15, 16)

Quelle: Moggi. 2005 [6]

Tabelle 15: Kurzzeitfolgen von Gewalt gegen Kinder

Quelle: Moggi. 2005 [7] Tabelle 16: Langzeitfolgen von Gewalt gegen Kinder

Zusammenfassend ergibt sich, dass in Deutschland und Südkorea viele Kinder Gewalterfahrung erlebten und damit aufwachsen. Dabei entstehen vielfältige Beeinträchtigungen in der körperlichen und psychischen Entwicklung im Kindesalter und ihres eigenen Selbstbewusstseins sowie der Potenzialität bzw. Sozialverhaltens und Sozialisationsprozesses, der durch diesen riesigen Stress beeinträchtigt wird. Einmalige Einwicklungsphasen im Kindesalter spielen deshalb eine sehr wichtige Rolle, da ihre Schäden nach dieser Phase nicht reversibel sind.

Weiterhin weisen diese Kinder durch die zugefügten Schäden später Probleme im Erwachsenenleben auf und sind damit in die Gesellschaft schlecht integrierbar und in diesem Sinne also kaum gesellschaftsfähig. [8] Es ist deshalb nötig, dass in diesen Familien und bei den Kindern angemessene und individuelle Maßnahmen durchgeführt werden, z.B. die Integration von Eltern- und Kinderarbeit, Opfer- und Tätertherapie, Frühintervention und -prävention, die Erkennung von Risikofaktoren und die Förderung von Widerstandsfähigkeit und kindlichen Schutzfaktoren, da sie in der zukünftigen Arbeit bei allen Formen von Gewalt gegen Kinder in Südkorea und Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnen [9] . Dabei spielt es eine große Rolle, welche Handlungen und vor welchem Hintergrund der Staat und die zuständige Instanz nachkommen können. Im nächsten Kapitel wird deswegen auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und organisatorischen Strukturen eingegangen.

  • [1] Moggi stellte fest, dass sich die Folgen von Gewalt an Kindern in zwei Typen je nach Latenzzeit gruppieren lassen, in die Kurzzeitfolgen und Langzeitfolgen. Die Kurzzeitfolgen sind in der Regel diejenigen Folgen, die unmittelbar bis mittelfristig (ca. innerhalb von 2 Jahren) nach Misshandlungsbeginn auftreten und Langzeitfolgen sind im Gegensatz zu Kurzzeitfolgen anhaltend oder treten erst später nach einer gewissen Latenzzeit auf. Zudem sind Art und Schwere der Folgen von der Form und Schwere der Kindesmisshandlung, vom Kontext, von Bewältigungsprozessen und vom Entwicklungsstadium bzw. persönlichen Eigenschaften der Jugendlichen abhängig. Moggi, F., 2005. Folgen von Kindesmisshandlung: ein Überblick. In: Deegener, G., Körner, W. (Hrsg.), Kindesmiss-handlung und Vernachlässigung. Ein Handbuch. Göttingen, S. 94-95
  • [2] Ebd., S. 96-98
  • [3] Ebd., S. 94
  • [4] Hong, M., 2009. A Study on the Impact of Child Abuse Experience and socioenvironmental Factors on Delinquency. Jeonju. S. 56; Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt, 2011. Survey of Child Abuse. Seoul, S. 84-85; Ministerium für Frauen und Familien, 2010. Survey of domestic violence. Seoul, S. 36; Kim, G., 1988. Kinder schlagen: noch eine Kriminalität. Seoul, S. 301309; Ko, M., 2004. A Phenomenological Study on the experience of physically abused children. Korean Journal of Social Welfare Vol 56-1, S. 96; Kim, J., 1986. A Study on teacher's perception on abused young children in low socioeconomic status areas. Ewha Womans Uni. Seoul, S. 71; Moon, Y., 2011. A Study on the prevention of Child Abuse and the Protection Measures of the Abused Child. Diss. Dongguk Uni., S. 41
  • [5] Kindler, H., Lillig, S., Herbert, B., Meysen, T., Werner, A. (Hrsg.), 2006. Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München, Kap. 26-2
  • [6] Moggi, F., 2005. Folgen von Kindesmisshandlung: ein Überblick. In: Deegener, G., Körner, W. (Hrsg.), Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Ein Handbuch. Göttingen, S. 95-96
  • [7] Ebd., S. 99
  • [8] Vgl. Fegert, J., Ziegenhain, U., Fangerau, H., 2010. Problematische Kinderschutzverläufe. Mediale Skandalisierung, fachliche Fehleranalyse und Strategien zur Verbesserung des Kinderschutzes. Weinheim und München, S. 19
  • [9] Bange, D., 2005. Gewalt gegen Kinder in der Geschichte. In: Deegener, G., Körner, W. (Hrsg.), Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Göttingen, S. 32
 
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