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8.3.2 Inobhutnahme durch das KSZ

Ist die Absicherung und das Wohl des Kindes nicht gewährleistet, oder wünscht sich das Kind die Übernachtung an einem anderen Ort, hat das KSZ eine angemessene vorübergehende Maßnahme zu treffen, beispielsweise Kinder in einem sicheren Raum bzw. in einer medizinischen Einrichtungen unterzubringen (§ 27. Abs. 2). In diesem Zusammenhang gibt es keine konkrete Verordnung für die geeigneten Bedingungen von Inobhutnahmen, stattdessen entscheiden die zuständigen SozialarbeiterInnen des KSZ selbstständig vor Ort über eine angemessene Maßnahme. Dabei sind die Befugnisse, der SozialarbeiterInnen das Kind notfalls in Obhut zu nehmen, begrenzt.

Weiterhin ist die vorläufige Inobhutnahme des Kindes und Jugendlichen nur drei Tage gegen die Zustimmung der Eltern erlaubt (§ 27. Abs. 3). Stehen die Eltern der Inobhutnahme des KSZ entgegen, muss das KSZ nach drei Tagen den Eltern das Kind unverzüglich zurückgeben oder das KSZ muss beim Bürgermeister der Stadt bzw. Kommune einen Antrag stellen, um das Kind in einer langfristigen Inobhutnahme über drei Tage hinaus zu schützen. Stellte dabei das KSZ beim Bürgermeister einen Antrag und erhält innerhalb der drei Tage keine Antwort von Kommune bzw. Stadt, hat das KSZ keine Befugnis das Kind länger in Obhut zu behalten und muss dieses den Eltern unverzüglich zurückgeben [1] . Um dies zu verhindern, kann das KSZ mit der Zustimmung des Bürgermeisters die Inobhutnahme des Kindes höchstens um zwei Tage verlängern. Wird dem KSZ vom Bürgermeister die Zustimmung der langfristigen Inobhutnahme gewährt, hat das KSZ unverzüglich dem Kind eine angemessene Maßnahme sowie eine Pflegefamilie oder ein Kinderheim zu organisieren. Das ist jedoch nur ein administratives Verfahren ohne gerichtliche Maßnahmen. Das bedeutet, dass das elterliche Recht weiterhin bei den Sorgeberechtigten bleibt. Aus diesem Grund hat das KSZ nicht nur keine Befugnis über den Kinderschutz, wenn die Eltern ihr Kind zurück haben wollen, sondern das Kind muss auch den Eltern sofort zurückgeben werden. Insofern gibt es keine logische Regelung bei einer Inobhutnahme und eine Lücke im südkoreanischen Schutzsystem.

Die Tabelle 20 zeigt, wie sich die Zahlen der vorläufigen Schutzmaßnahmen durch das KSZ im Zeitraum von 2005 bis 2012 entwickelten. Es wird deutlich, dass sich die vorläufigen Maßnahmen kontinuierlich von 1396 auf 3047 erhöhten. Darunter wurden 977 Kinder und Jugendliche durch Verwandte und 2012 nur in 19 Fällen betroffene Kinder von Pflegefamilien in Obhut genommen. Zudem ist aufgefallen, dass 1620 Kinder und Jugendliche in sozialen Einrichtungen im Jahr 2012 kurzfristig innerhalb von 3 Tagen in Obhut genommen wurden. Auch der langfristige Schutz ist viel geringer als der kurzfristige Schutz. Aus rechtlicher Sicht betrachtet, hat das KSZ also für eine kurzfristige Maßnahme innerhalb von 3 Tagen beschränkte Befugnisse, in das Recht der Eltern einzugreifen und ohne zuvor deren Zustimmung einzuholen. Die langfristigen Maßnahmen, die darüber hinaus über 3 Tage gehen, benötigen wiederum die Zustimmung der Eltern. Auch wenn sich das Kind für eine langfristige Maßnahme mit Zustimmung der Eltern entschieden hat, muss die Einrichtung sowie Pflegeheim oder Kinderheim das Kind den Eltern unverzüglich herausgeben, wenn die Eltern als Berechtigte ihr Kind aus der schützenden Einrichtung zurückhaben wollen. In dieser Hinsicht gibt es im südkoreanischen Gesetz für diese spezielle Situation im Kontext von Kinderschutz kaum Regelungen/Gesetze. Zusätzlich gibt es für die Zeit der langfristigen Maßnahmen in sozialen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche ebenfalls keine Regelungen/Gesetze.

Quelle: National Child Abuse report[2]

Tabelle 20: Vorläufige Schutzmaßnahmen durch Fremdunterbringung 2005-2012

Solche speziellen Probleme, die mit langfristigen Schutzmaßnahmen verbunden sind, sind nur durch den Entzug oder die Beschränkung der elterlichen Erziehungsberechtigung durch das Familiengericht zu lösen. So kann Kindern ein langfristiger Schutz über 3 Tage in einem sicheren Raum, im Schutz vor elterlicher Gewalt, geschaffen werden. Im nächsten Kapitel wird das Thema behandelt, wie das Sorgerecht in Bezug auf Gewalt gegen Kinder familiengerichtlich gehandhabt wird.

  • [1] Wird die zuständige Behörde vom KSZ für Kinder und Jugendliche in der Stadt oder Kommune zur langfristigen Schutzmaßnahme beauftragt, hat der zuständige Beamte den Tatbestand im Gesetz zu untersuchen. So dauert einiges an Zeit für eine Entscheidung zur langfristigen Schutzmaßnahme in Anspruch genommen. Das Problem dabei ist, dass die Eltern nach drei Tagen der vorübergehenden Inobhutnahme durch das KSZ die Rechte an ihrem Kind laut Gesetz wieder zurück erhalten. Die Eltern als Sorgeberechtigte können das Kind zurückholen, egal, ob der gefährliche Zustand durch die Eltern oder durch eine ähnliche Situation noch besteht oder nicht.
  • [2] National Child Protection Agency, 2005-2012. National Child Abuse Report.
 
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