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9.3 Die öffentlichen Träger des Jugendamtes

9.3.1 Die Struktur des Jugendamtes

Oberstes Ziel aller Kinder- und Jugendhilfeaktivitäten ist, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und Kinder und Jugendliche vor Gefahren um ihr Wohl zu schützen. Damit können sie ihr Recht auf eine Erziehung zu einer eigenständigen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit einfordern (vgl. § 1 SGB VIII). [1] Für das Wohl des Kindes und Jugendlichen einschließlich der Gewalt gegen Kinder ist das Jugendamt als öffentlicher Träger zuständig (unter dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und unter den Landesbehörden/-jugendämtern). In allen Städten und Gemeinden wurden Jugendämter eingerichtet, so sind die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe für alle gewährleistet. Dabei spielt die Bundesregierung bzw. die Länder eine zentrale Rolle, sie bestimmen die Sozialpolitik und organisieren bzw. entscheiden so über das Ausmaß der Kinder- und Jugendhilfe. Entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip führen in der Regel die freien Träger die Dienstleistungen der Kinder- und Jugendhilfe aus.

Quelle: Gries, J., Ringler, D., 2003[2] Abbildung 32: Strukturen der Jugendhilfe in Deutschland

Die Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe bestehen aus dem Jugendamt und Landesjugendamt. Ihre Aufgaben sind folgende: [3]

Ÿ Sachliche Zuständigkeit des örtlichen Trägers, Jugendamt:

Gewährung von Leistungen (§§ 11-41) oder Erfüllung anderer Aufgaben (§§ 42-60) nach dem SGB VIII. Sie sind sachlich zuständig für fast alle einzelfallbezogenen Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe und tragen die Gesamtverantwortung nach § 79 Abs. 1.

Ÿ Sachliche Zuständigkeit des überörtlichen Trägers, Landesjugendamt: Die Wahrnehmung der beratenden und unterstützenden Aufgaben gemäß § 85 Abs. 2. mit ggf. Nr.: 1. Beratung der Jugendämter und Empfehlungen, 2. Förderung der Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und freier Jugendhilfe, 3. Anregung und Förderung von überörtlichen Einrichtungen, Diensten und Veranstaltungen, 4. Modellvorhaben, 5. Beratung der Jugendämter bei Gewährung von Hilfen, 6. Aufsicht über Einrichtungen, 7. Beratung der Träger von Einrichtungen, 8. Fortbildung, 9. Hilfe im Ausland, 10. Erlaubnis für Vereinsvormund/ und Pflegschaften.

Alle kreisfreien Städte und Landkreise sind gesetzlich dazu verpflichtet, ein Jugendamt einzurichten und dadurch die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe zu erfüllen (§ 69 Abs. 1 und 3 SGB VIII). Die Organisierung des internen Jugendamtes wurde nach § 70 Abs. 1 SGB VIII festgelegt, dieses Gesetz bestimmt, dass die „Aufgaben des Jugendamts durch den Jugendhilfeausschuss und die Verwaltung des Jugendamts wahrgenommen werden“. Dadurch besteht das Jugendamt aus zwei Teilen, der Verwaltung und dem Jugendhilfeausschuss, wie Abbildung 33 zeigt. Diese „Zweigliedrigkeit“ des Jugendamts beinhaltet eine funktionale Aufgabenverteilung zwischen dem Jugendhilfeausschuss, dem die politische Steuerung und Kontrolle dieser Verwaltung obliegt und der Verwaltung des Jugendamts, der die Kontrolle der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten im Hinblick auf das Sorgerecht obliegt[4].

Quelle: Fieseler, G., Herborth, R., 2010[5]

Abbildung 33: Organisation des Jugendamts

Die Jugendämter bestimmen vor allem über die Politik der Kinder- und Jugendhilfe und tragen die Gesamtverantwortung der öffentlichen Träger, die die gesetzliche Hilfeleistung umsetzen[6] (§§ 11-41 SGB VIII). Weiterhin hat das Jugendamt besondere Aufgaben[7] (§§ 42-60 SGB VIII), z.B. vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kinder und Jugendlichen „Inobhutnahme“, Mitwirkung in gerichtlichen Verfahren, Beistandschaft, Pflegeschaft und Vormundschaft. Das Jugendamt erfüllt also zwei Arten von Aufgaben, einerseits Hilfe zu leisten, wenn eine dem Wohl des Kindes oder Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und andererseits einzugreifen, wenn das Wohl von Kindern oder Jugendlichen gefährdet ist[8]. Gemäß § 1444 BGB ist ein Eingriff in das Sorgerecht durch das Familiengericht dann möglich, wenn dadurch die Gefährdung des Kindeswohl abgewendet werden kann.

  • [1] Schone, R., Tenhaken, W. (Hrsg.), 2012. Kinderschutz in Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe. Ein Lehr und Praxisbuch zum Umgang mit Fragen der Kindeswohlgefährdung. Weinheim, S. 53
  • [2] Gries, J., Ringler, D., 2003. Jugendamt und Jugendhilfe in der Bundesrepublik Deutschland. Baltmannsweiler, S. 75-80
  • [3] Wabnitz, R., 2009. Grundkurs Kinder- und Jugendhilferecht für die Soziale Arbeit. 2. Auflage. München. S. 126
  • [4] Ebd., S. 127
  • [5] Fieseler, G., Herborth, R., 2010. Recht der Familie und Jugendhilfe. 7. Auflage. Köln, S. 197
  • [6] Das Jugendamt hat die Leistungen selbst dann anzubieten, wenn freie Träger diese nicht leisten können bzw. wollen. Stecklina, G., 2012. Jugendamt. In: Thole, W., Höblich, D., Ahmed, S. (Hrsg.), Taschenwörterbuch Soziale Arbeit, Stuttgart. S. 142
  • [7] Ausnahme: das 3. Kap. des SGB VIII, die „anderen Aufgaben“ der Kinder- und Jugendhilfe; Es handelt sich hier im Wesentlichen um die Mitwirkung bei gerichtlichen Verfahren und bei der Beistands- und Amtsvormundschaften, bei Beurkundungen und bei Fällen von Inobhutnahme und Krisenintervention, was alles originär hoheitlich Aufgaben sind und deswegen nicht auf freie Träger übertragen werden können. (§ 76 SGB VIII). (Prölß, R., 2013. Jugendamt. In: Kreft, D., Mielenz, I. (Hrsg.), Wörterbuch Soziale Arbeit, 7. Auflage. Weinheim. S. 467); Allerdings können anerkannte Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 76 SGB VIII (bei Fortbestehen der Verantwortlichkeit der öffentlichen Träger) bei bestimmten Aufgaben beteiligt werden. (Wabnitz, R., 2009. Grundkurs Kinder- und Jugendhilferecht für die Soziale Arbeit. 2. Auflage. München. S. 27)
  • [8] Schone, R., Tenhaken, W. (Hrsg.), 2012. Kinderschutz in Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe. Weinheim. S. 53
 
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