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12.2 Handlungsverfahren

In Deutschland gibt keine einheitlichen Handlungsverfahren oder Vorgaben zur Fallbearbeitungen. Dies ist unter anderem zurückzuführen auf die unterschiedliche Auslegung von Kindeswohlgefährdung in der Fachliteratur. Dabei kam das Deutsche Jugendinstitut (DJI) zu dem Forschungsergebnis, dass das Handlungsverfahren idealerweisein sechs Phasen erfolgt. [1] (Abb. 37 zeigt das Vorgehen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung)

Ÿ Phase 1: Meldung bzw. Wahrnehmung einer Kindeswohlgefährdung

Ÿ Phase 2: Kontaktaufnahme und Informationsgewinnung

Ÿ Phase 3: Einschätzung und Bewertung einer Kindeswohlgefährdung

Ÿ Phase 4: Hilfeprozesse für das Kind, die Jugendliche und ihre Familie

Ÿ Phase 5: Einbezug des Familiengerichts

Ÿ Phase 6: Bewertung der Hilfe- und Veränderungsprozesse

Quelle: Fieseler, G., Herborth, R., 2010[2]

Abbildung 37: Vorgehen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung (§§ 8a, 42 SGB VIII)

12.2.1 Meldung bzw. Wahrnehmung einer Kindeswohlgefährdung

Beim ASD können die Kenntnisse über gewichtige Anhaltspunkte wie mögliche Gefährdungssituationen des Kindes oder Jugendlichen auf verschiedenem Weg eingehen. Zunächst als Selbstmeldung der Eltern oder Minderjährigen, die sich zum Erhalt der Hilfe und Unterstützung in einer Gefährdungs-, Konfliktoder Belastungssituation selbst melden oder als Fremdmeldung, die von Privatpersonen, wie z.B. durch Verwandte, NachbarInnen oder durch MitarbeiterInnen von Institutionen wie Ärzten, Polizei und Schule erfolgen. Schließlich kann der ASD durch den Kontakt mit den Familien selbst die Gefährdungssituation bearbeiten, z.B. bei der Trennungs- und Scheidungsberatung, bei der Erziehungshilfe, usw. [3] Dabei beträgt die Reaktionszeit „Sofort, innerhalb von 24 Stunden, innerhalb einer Woche oder mehr als einer Woche“[4] . Folgende Aspekte müssen im Rahmen einer Meldung fachlich eingeschätzt und entschieden werden[5]:

Ÿ Einschätzung der möglichen Kooperation mit der Person, die die Meldung gemacht hat,

Ÿ Einschätzung der berichteten Gefährdung,

Ÿ Dringlichkeit der weiteren Fallbearbeitung,

Ÿ Planung der nächsten Handlungsschritte.

  • [1] Vgl. Kindler, H., Lillig, S., Herbert, B., Meysen, T., Werner, A. (Hrsg.), 2006. Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München, S. 44-1
  • [2] Fieseler, G., Herborth, R., 2010. Recht der Familie und Jugendhilfe. 7. Auflage. Köln, S. 96
  • [3] Kindler, H., Lillig, S., Herbert, B., Meysen, T., Werner, A. (Hrsg.), 2006. Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). München, S. 44-1
  • [4] Ebd., S. 47-4
  • [5] Ebd., S. 47-2
 
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