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12.2.2 Kontaktaufnahme und Informationsgewinnung

In der Phase der Kontaktaufnahme und Informationsgewinnung geht es um die Sammlung gewichtiger Anhaltspunkte, welche die Gefahren des Kindeswohls bestimmen und um die Kontaktaufnahme mit den Betroffenen. Das Jugendamt versucht zunächst den Kontakt über einen Hausbesuch und Gespräche mit dem betroffenen Kind oder Jugendlichen, den möglichen beteiligten Personen (Familienangehörige, Nachbarn) bzw. Institutionen (Schule, Kindergarten, Arzt etc.) herzustellen. Die Gespräche sollen zeigen, ob bei dem Kind oder Jugendlichen die gegenwärtige Gefährdung tatsächlich vorliegt (§ 8a Abs. 1 Satz 1 und 2 SGB VIII) [1]. Das Jugendamt hat diese Informationsgewinnung gemäß der einschlägigen Datenschutzbestimmungen des SGB VIII (§§ 61ff) zu erfüllen. Diese fassen sich zusammen aus:

Ÿ eigenen Wahrnehmungen aus der Betreuungssituation und den Erzählungen (Berichten) der Kinder/ Jugendlichen,

Ÿ Datenerhebungen (Informationsgewinnung) bei den Betroffenen (Personensorgeberechtigten/ Kindern und Jugendlichen) Vgl. § 62 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII - und

Ÿ ohne Mitwirkung des/der Betroffenen können Daten erhoben werden, wenn dies zur Wahrnehmung des Schutzauftrages erforderlich ist (§ 62 Abs. 3 Nr. 2d und Nr. 4 SGB VIII). [2]

Der erste Hausbesuch sollte möglichst mit zwei Kollegen erfolgen, wobei der fallzuständige Kollege die Verantwortung trägt und der zweite Kollege die Rolle des Beobachters übernehmen sollte[3]. Weiterhin soll beim ersten Kontakt mit den Betroffenen sowie Kind und Jugendlichen oder Eltern eine Sicherheitseinschätzung vorgenommen werden. Diese soll zeigen, ob das betroffene Kind oder der Jugendliche zumindest bis zum nächsten Treffen in der gegenwärtigen Situation vor erheblichen Gefahren geschützt ist (§ 8a Abs. 1 Satz 2 SGB VIII). [4] Nach der Sicherheitseinschätzung kann das Jugendamt geeignete und notwendige Jugendhilfeleistungen anbieten (§ 8a Abs. 1 Satz 3, §§ 27, 36 SGB VIII) oder notwendige Interventionsmaßnahmen treffen sowie die Inobhutnahme veranlassen bzw. das Familiengericht oder Polizei einschalten, wenn eine akute dringende Gefährdung vorliegt (§ 8a Abs. 3, § 42 SGB VIII, § 1666 BGB).

  • [1] Im demokratischen Rechtsstaat gibt es aber keinen Generalverdacht gegen Eltern und deshalb keine vorbeugende Überwachung nach dem Muster einer Röntgenreihenuntersuchung. Deshalb wird auch eine derzeit diskutierte Pflichtuntersuchung nicht mit dem Argument der Vorbeugung vor Gefährdung, sondern nur mit Hinweis auf die Bedeutung der Untersuchung für die gesundheitliche Entwicklung aller Kinder zu rechtfertigen sein. Jordan, E. (Hrsg.), 2008. Kindeswohlgefährdung. 3. Auflage. Weinheim und München, S. 16
  • [2] Jordan, E. (Hrsg.), 2008. Kindeswohlgefährdung. 3. Auflage. Weinheim und München, S. 30
  • [3] Janz, A., 2004. Umgang mit Meldungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Ein Arbeitspapier der AG der Nordhessischen Jugendämter für eine Vereinheitlichung im Vorgehen. Jugendamt Kassel, S. 9
  • [4] Kindler, H., Lillig, S., Herbert, B., Meysen, T., Werner, A. (Hrsg.), 2006. Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD), München, S. 44-2
 
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