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12.3.2.1 Kooperation mit der Gesundheitshilfe

Die Kooperation mit der Gesundheitshilfe spielt für den Kinderschutz eine große Rolle. Insbesondere bei der Einschätzung der Gesundheit von Säuglingen und Kleinkindern ist sie wesentlich, da diese in der Regel ausschließlich von den Eltern bzw. Sorgeberechtigten betreut werden. Die Gesundheitshilfe wie z.B. Frauenärzte, Entbindungskliniken, Hebammen und Kinderärzte etc. können die gewichtigen Anhaltspunkte bei Gefahren des Kindeswohls durch Diagnosen feststellen, d.h. finden Ärztinnen/Ärzte, Hebammen/Geburtshelfer, EntbindungspflegerInnen und Angehörige eines anderen Heilberufes in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen, sollen sie mit dem Kind oder Jugendlichen und dem Sorgeberechtigten die Situation erörtern und auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, soweit dies das Wohl des Kindes oder Jugendlichen nicht in Frage stellt (§ 4 Abs. 1 KKG).

Einige Landesregelungen sehen regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung vor, so bestimmen das brandenburgischen Gesundheitsdienstgesetz (BbgGDG) und die Kinder- und Jugendgesundheitsdienstverordung (KJGDV) der Landkreise und kreisfreien Städte regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Kinder und Jugendliche vor um diese vor Krankheiten, Behinderungen und Entwicklungsstörungen zu schützen und um möglichst frühzeitig erforderliche Maßnahmen einleiten zu können. Folgende Untersuchungen werden für eine kommunale Versorgungsplanung zusammengefasst: [1]

Ÿ Kindergarten/Tagespflege einmal jährlich (§ 2 Abs. 1 KJGDV).

Ÿ Schuleingangsuntersuchung vor Beginn der Schulpflicht (§ 2 Abs. 2 KJGDV).

Ÿ Schuluntersuchung in der fünften, sechsten und zehnten Klasse beim Übergang in die gymnasiale Oberstufe (§ 2 Abs. 3 KJGDV).

Ÿ Schulabgangsuntersuchung (zehnte Klasse) zusammen mit der Erstuntersuchung nach § 32 Jugendarbeitsschutzgesetz (§ 2 Abs. 4 KJGDV).

Ÿ Förderschulen alle zwei Jahre (§ 2 Abs. 3 KJGDV).

Um gewichtiger Anhaltspunkte erkennen und einschätzen zu können, sind Beratungen mit einem erfahrenen Kollegen oder einer entsprechend spezialisierten Fachkraft notwendig. [2] Diese können bei einer Kindeswohlgefährdung die Kinder bzw. Jugendlichen als auch deren Familien angemenssen unterstützen und fördern. Stoßen sie dabei jedoch an ihre Grenzen, sind sie trotz des Berufsgeheimnisses befugt, zur Abwendung der Gefährdung die erforderlichen Informationen an das Jugendamt weiterzugeben (§ 4 Abs. 3 KKG). [3]

Meysen stellte in seiner Forschung fest, dass die Ärzte im Kinderschutz niedrigschwellige Partner brauchen, die sie beim Abbau der Hemmschwellen unterstützen: [4]

Ÿ So können für Frauenärzte Schwangerschafts(konflikt)beratungsstellen wichtige Anlaufstellen sein, zu denen sie die Schwangeren und die werdenden Väter vermitteln.

Ÿ So können Geburtskliniken ihren ärztlichen Einfluss und Kontakt zu den Familien über eine Zusammenarbeit mit Hebammen verlängern.

Ÿ So bietet sich für Kinderärzte eine enge Kooperation mit Kinderschutz- und Erziehungsberatungsstellen an.

Quelle: Armbruster, M , 2000 [5]

Abbildung 40: Exemplarisches Schema der Kooperation im Bereich Medizin und Jugendhilfe in Heidelberg

  • [1] Bundesministerium für Bildung, Jugend und Sport, (Hrsg.), 2004. Empfehlungen zum Umgang und zur Zusammenarbeit bei Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung sowie bei entsprechenden Verdachtsfällen. S. 14
  • [2] Vgl. Meysen, T., 2012. Das Recht zum Schutz von Kindern. In: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. (ISS) (Hrsg.), Vernachlässigte Kinder besser schützen. Sozialpädagogisches Handeln bei Kindeswohlgefährdung. München, S. 41-43
  • [3] Vgl. Ebd., S. 45; Seitens behandelnder Ärzte ist zu beachten, dass zunächst grundsätzlich die ärztliche Schweigepflicht gemäß § 203 StGB gilt. Diese darf aber im Sinne einer sorgfältigen Güterabwägung bei drohender Gefahr für ein Rechtsgut von hohem Rang gebrochen werden. Das gefährdete Kindeswohl ist in dieser Abwägung das höhere Rechtsgut. Als rechtliches Instrument dient hierzu der rechtfertigende Notstand gemäß § 34 StGB. Bei begründetem Verdacht auf eine Kindesmisshandlung ist wegen der nicht ausschließbaren Wiederholungsgefahr eine Durchbrechung der ärztlichen Schweigepflicht möglich. Dies kann z.B. gegenüber dem Jugendamt erfolgen, dass seinen im SGB VIII verankerten Pflichten zur Hilfeleistung bzw. Abschätzung der Kindeswohlgefährdung (§ 8a SGB VIII) nachkommen muss. Gegebenenfalls hat das Jugendamt Entscheidungen des Familiengerichts herbei zu führen. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Strafanzeige gemäß § 138 StGB besteht nicht. Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. 2012. Vorgehen bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung Empfehlungen für Kinderschutz an Kliniken. Kassel, S. 9
  • [4] Meysen, T., Schönecker, L., Kindler, H., 2008. Frühe Hilfe im Kinderschutz. Rechtliche Rahmenbedingungen und Risikodiagnostik in der Kooperation von Gesundheits- und Jugendhilfe. Weinheim und München, S. 84
  • [5] Armbruster, M. (Hrsg.), 2000. Misshandeltes Kind. Hilfe durch Kooperation. Freiburg, S. 4145
 
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