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12.3.2.2 Kooperation mit der Schule

Die Kinder und Jugendlichen verbringen täglich mehrere Stunden im direkten Kontakt mit ihren LehrerInnen in der Schule. Ebenfalls steht sie möglicherweise für die Eltern als Vertrauensort zur Verfügung. Deswegen ist die Schule ein geeigneter Ort um möglichst effektiven und präventiven Kinderschutz aufzubauen, dort kann einer guten Atmosphäre sowie ein „Vertrauensklimas“ geschaffen werden. Damit die Schule diesem Anspruch gerecht werden kann, benötigt sie häufig weitere Unterstützung und Förderung. Die Partnerschaft zwischen Schule und Jugendhilfe ist deshalb wichtig und unverzichtbar. [1] In Deutschland legen landesrechtliche Regelungen hierzu unterschiedliche Formulierungen fest, da das Schulwesen in der Verantwortung der Bundesländer liegt. Die Tabelle 32 ist eine Übersicht über Regelungen zum Kinderschutz in den Schulgesetzen.

Hinweise auf Schutz des Kindeswohls

Regelung von Verfahrensabläufe zum Schutz des

Kindeswohls

Keine Nennung eines Schutzauftrages für Schulen

Saarland: § 33, Abs. 1

Baden-Württemberg:

§ 85, Abs. 3 und 4

Berlin

Bayern: Art. 31, Abs. 1

Bremen

Brandenburg:

§§ 4 Abs. 1 und 63, Abs. 3

Hamburg

Nordrhein-Westfalen:

§ 42, Abs. 6

Hessen

Rheinland-Pfalz: § 3, Abs. 2

Mecklenburg-Vorpommern

Sachsen: § 50a, Abs. 1

Niedersachsen

Thüringen: § 55, Abs. 2

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Quelle: Fischer, J., Buchholz, T., Merten, R. (Hrsg.), 2011

Tabelle 32: Übersicht über Regelungen zum Kinderschutz in den Schulgesetzen (Stand: August 2009) [2]

Liegen bei Kindern oder Jugendlichen gewichtige Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Wohls vor, nehmen die KlassenlehrerInnen bzw. die Schulleitung oder die SchulsozialarbeiterInnen unverzüglich eine Gefährdungseinschätzung vor. Weiterhin nimmt die Schule Kontakt mit den Eltern oder sonstigen Personensorgeberechtigten auf. Nach der Risikoeinschätzung und Gesprächen mit den Eltern versucht die Schule die Auffälligkeiten bzw. die sozialen Probleme bei einem Schüler oder Schülerin zunächst durch eigene Ressourcen, z.B. Klassenwechsel, Hausaufgabenhilfe, Förderunterricht usw. abzuwenden. Dabei kann die Schule bei Bedarf die anonymisierte Fachberatung des ASD bzw. Beratung durch erfahrene Kollegen, erhalten. Verdichtet sich aufgrund gewichtiger Anhaltspunkte ein Verdacht oder erweisen sich die durch die Schule eingeleiteten Maßnahmen als nicht erfolgreich, so dass das Wohl eines Schülers ernsthaft gefährdet oder beeinträchtigt ist, muss die Schule das Jugendamt informieren. Dabei erbringt der ASD des Jugendamtes bei Bedarf folgende Leistungen: anonyme Beratung, ein gemeinsames Gespräch zwischen Kind/Eltern, KlassenlehrerInnen und zuständige MitarbeiterInnen, erzieherische Hilfe und eine unverzügliche Prüfung der Situation bei Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung. [3] Ein exemplarische Flussdiagramm zeigt die mögliche Zusammenarbeit von Schule und Jugendamt:

Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, 2009[4]

Abbildung 41: Exemplarisches Flussdiagramm zur Zusammenarbeit von Schule und Jugendamt bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung (§ 8a SGB VIII)

Grundvoraussetzung für eine gelungene Kooperation zwischen Schule und Jugendamt, ist eine Kommunikations- und Kooperationsstruktur, die „auf gleicher Augenhöhe“ basiert. Zudem gilt der Grundsatz „Kinderschutz vor Datenschutz“. Im Rahmen der Risikoeinschätzung sind die Institutionen verpflichtet, personenbezogene Daten auszutauschen. [5] Die günstigen Faktoren für eine gelungene Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe sind folgende: [6]

Ÿ Regelmäßige Teilnahme an den Sozialraumkonferenzen.

Ÿ Aufbau von zielgruppenorientierten und themenspezifischen Angeboten, z.B.: präventive Mittel, Kooperation mit den ambulanten Hilfezentren

Ÿ Sozialräume im Rahmen der fallunabhängigen Arbeit.

Ÿ Gemeinsame Veranstaltungen mit Eltern, Kindern, Schule und Jugendhilfe.

Ÿ Bei Bedarf auch institutionalisierte Kontakte in Form von Sprechstunden, regelmäßige Kooperationsgespräche.

Ÿ Einbeziehung der BeratungslehrerInnen.

Ÿ Einbeziehung der SchulpsychologenInnen.

  • [1] Fischer, J., Buchholz, T., Merten, R. (Hrsg.), 2011. Kinderschutz in gemeinsamer Verantwortung von Jugendhilfe und Schule. Wiesbaden, S. 102
  • [2] Ein Überblick über die Schulgesetze zeigt, dass sich nicht in allen Schulgesetzen der Bundesländer Regelungen zum Tätigwerden bei Bekanntwerden gewichtiger „Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls einer SchülerIn“ (§ 3 Abs. 2 Rheinland-Pfalz SchulG) finden. Regelungen zum Schutzauftrag bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung sind bisher in den Schulgesetzen der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Rheinland-Pfalz verankert. Seit Dezember 2008 enthält auch das Thüringer Schulgesetz eine entsprechende gesetzliche Normierung. Fischer, J., Buchholz, T., Merten, R. (Hrsg.), 2011. Kinderschutz in gemeinsamer Verantwortung von Jugendhilfe und Schule. Wiesbaden, S. 102
  • [3] Vgl. Landeshauptstadt Hannover, 2011. Zusammenarbeit im Kinderschutz. kinderschutz-niedersachsen.de/doc/doc_download.cfm?uuid=8CBBEB9EF-84C8587E3-BC96E0304B184F: 21.11.2013. S. 12
  • [4] Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, 2009. Bildung für Berlin. Zusammenarbeit zwischen Schulen und bezirklichem Jugendamt im Kinderschutz: Handlungsleitfaden. Berlin, S. 16
  • [5] Vgl. Jugendamt der Stadt Bochum, Kooperationsvereinbarung zwischen den Schulen im Stadtgebiet Bochum und dem Sozialen Dienst des Jugendamtes des Stadt Bochum. -bochum.paritaet- nrw.org/progs/kia/kg/04bochum/content/e706/e1178-/e1179/e1360/V3SchuleundJugendhilfeKooperationsvertrag2008Dez.08.pdf: 21.11.2013. S. 5
  • [6] Jugendamt der Stadt Bochum, Kooperationsvereinbarung zwischen den Schulen im Stadtgebiet Bochum und dem Sozialen Dienst des Jugendamtes des Stadt Bochum, S. 5
 
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