Politik und Globalisierung

Die verstärkte Privatisierung des Bildungsbereichs und der Rückzug des Staates führen zu reduzierten Teilhabechancen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Der Staat billigt die Verschlechterung der Lebensbedingungen für größer werdende Teile der Bevölkerung mit dem Verweis auf die Zwänge von Wettbewerb und Globalisierung. Nach einer Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2000 blicken 70 % der Deutschen besorgt in die Zukunft. Mitte der achtziger Jahre seien es nur etwa 20 % gewesen. Als Hauptgrund für diese starke Zunahme werden Ängste vor der Globalisierung genannt (vgl. Emnid 2000). Uriona und Hoffmann untersuchten in einer vergleichenden Studie, wie Jugendliche in Deutschland und in Argentinien auf die Herausforderungen der Globalisierung reagieren. In Anbetracht der Risiken der Globalisierung stellen sie fest, dass trotz großer Unterschiede des politischen Systems, des Wohlfahrtsstaates, des Reichtums und der Rechtsstaatlichkeit in den beiden Ländern egoistische Verhaltensweisen und Wettbewerbsorientierungen zunehmen (Uriona und Hoffmann 2007, S. 94). In Argentinien könne die Form der Auseinandersetzung der jungen Menschen mit der dortigen Krisensituation nach dem Motto „Rette sich wer kann!“ beschrieben werden. In Deutschland charakterisiere der Satz „Ein jeder für sich allein“ das Lebensgefühl vieler Jugendlicher (Uriona und Hoffmann 2007, S. 110). Als Hauptunterschied zwischen beiden Ländern wird das Ausmaß an Wohlstand genannt, das in Deutschland stärkere Konflikte verhindere (Uriona und Hoffmann 2007, S. 110). Uriona und Hoffmann beschreiben, wie das Prinzip der Eigenverantwortung gestärkt wird und die Entsolidarisierung mit Hilfsbedürftigen voranschreitet. Misstrauen und Furcht vor dem Staat und der eigenen Gesellschaft haben demnach zugenommen (Uriona und Hoffmann 2007,

S. 110; vgl. Heitmeyer 2010, S. 23 ff.). Aber auch das Vertrauen in das politische System ist messbar zurückgegangen. Ziebertz und Riegel kommen zu dem Ergebnis, dass Jugendliche zunehmend skeptisch der institutionellen Politik und deren Repräsentanten gegenüberstehen (Ziebertz und Riegel 2008, S. 110 ff). Es kann zwar nicht, wie vielfach vermutet, ein direkter Zusammenhang zwischen Marginalisierung bzw. Erwerbslosigkeit und einer Hinwendung zu Parteien der extremen Rechten festgestellt werden. Von einer näher zu bestimmenden Auswirkung des Arbeitslebens auf politische Orientierungen muss jedoch ausgegangen werden (vgl. Butterwegge und Hentges 2008; Hentges und Wiegel 2008, S. 155 ff.). Die Studien von Decker und Brähler (2006) sowie von Fichter et al. (2008) deuten darauf hin, dass die ökonomische Entwicklung unter bestimmten Bedingungen die Entwicklung rechtsextremer Einstellung begünstigen kann.

 
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