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15.3 Modellprojekte von Gewalt gegen Kinder in Deutschland

[1]

15.3.1 Modellprojekt „Pro Kind“(2007-2012)

„Pro Kind – Wir begleiten junge Familien“, ein Modellprojekt zur frühen Prävention durch ausgerichtete Hausbesuchsprogramme in Niedersachsen, Bremen und Sachsen, ist in insgesamt 14 Kommunen tätig und wurde nach dem Vorbild des evidenzbasierten Programms Nurse-Family-Partnership (NFP[2]) konzipiert, welches in den USA bereits seit fast 30 Jahren erfolgreich für risikobelastete Frauen und ihre Familien etabliert ist. [3]

Das theoretische Konzept des Modellprojekts wird durch Erkenntnisse und Hypothesen der ökologischen Theorie, der Selbstwirksamkeitstheorie und der Bindungstheorie begründet. [4] Ein zentrales Ziel von „Pro Kind“ ist die Prävention von Kindeswohlgefährdung durch die Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenzen, Informationsvermittlung und Förderung von Kommunikationskompetenz. [5] Während der Schwangerschaft soll ein gesundes Leben der werdenden Mütter und Kinder ermöglicht werden. Nach der Geburt sollen Mutter und Kind früh gefördert werden, damit eine gesunde Ernährung, angemessene Pflege und liebevolle Betreuung des Kindes sicher gestellt ist. Weiterhin soll die elterliche Erziehungskompetenz und Alltagsbewältigung gefördert werden. Die erlernten Fähigkeiten sollen in folgenden Themenbereichen angewandt werden und sich verfestigen: [6]

Ÿ Persönliche Gesundheit von Mutter und Kind: gesunde Ernährung, Stillen, Verzicht bzw. Reduktion von Rauchen, Alkohol und anderen Drogen.

Ÿ Gesunde, sichere Umgebung: Themen sind zum Beispiel Sicherheit in Haushalt und Nachbarschaft, Vermeidung von passivem Rauchen.

Ÿ Lebensplanung und -gestaltung: Planung von Schulabschluss, Berufsausbildung, Berufstätigkeit und Familienplanung.

Ÿ Mutterrolle, Elternrolle: Mutter-Kind-Bindung wird gefördert, Eltern erlernen, wie sie ihr Kind am besten fördern und erziehen können, Vernachlässigung und Missbrauch wird vorgebeugt.

Ÿ Familien- und Freundeskreis: Nutzung der persönlichen Beziehungen zur Unterstützung der Kinderversorgung und des eigenen Lebens, Kompetenzerwerb bei Beziehungsfragen.

Ÿ Soziale Dienste und Gesundheitsversorgung: Nutzung vorhandener Unterstützungsangebote.

Zielgruppe des Projekts sind erstgebärende Frauen in der 12. bis 28. Schwangerschaftswoche, die sich in einer finanziellen Problemlage befinden und mindestens einem weiteren sozialen oder persönlichen Belastungsfaktor (z.B. Minderjährigkeit, keinen Schulabschluss, alleinerziehend, soziale Isolation, eigene Misshandlungsoder Vernachlässigungserfahrung) ausgesetzt sind. [7]

Ÿ Besondere finanzielle Notlage (ALG II oder vergleichbares Einkommen),

Ÿ Besondere soziale/ persönliche Belastung (sozial isoliert, minderjährig, Drogen/Alkohol-Problematik, Gewalterfahrung, keine abgeschlossene Schule bzw.: Ausbildung oder Sonstiges),

Ÿ Wohnort in Modellkommunen,

Ÿ Gesicherter Aufenthaltsstatus. [8]

Die Hausbesuche werden durch FamilienbegleiterInnen – Hebammen und SozialpädagogInnen – von der Schwangerschaft, bis zum 2. Lebensjahrs des Kindes kontinuierlich begleitet. Dadurch kann eine stigmatisierende Wirkung vermieden werden und stattdessen die Hilfe mit einem natürlichen, lebensweltorientierten Kontext verbunden werden. In der Anfangsphase werden sie wöchentlich zu Hause besucht, danach erfolgt eine vierzehntägige Besuchsperiode bis zum 21. Lebensmonat des Kindes. In der letzten Phase werden die Treffen auf drei Mal pro Monat reduziert. Ein Hausbesuch dauert etwa 90 Minuten. [9]

  • [1] Als Alternativen zu den nachträglichen Interventionen des Jugendamtes werden die Modellprojekte PROKIND und STEEP betrachtet und anaylisiert. Diese Präventionsangebote für Kinder unter drei Jahren, werden durch vielfältige staatliche Projektmodelle umgesetzt, um so die Gruppe der Risikogefährderten zu verringen und um Angebote gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen verstärkt zu etablieren.
  • [2] nursefamilypartnership.org
  • [3] Vgl. Jungmann, T., 2010. Das Hausbesuchsprogramm des Modellprojekts „Pro Kind“. In: Kißgen, R., Heinen, N. (Hrsg.), Frühe Risiken und Frühe Hilfen. Stuttgart, S. 183-193
  • [4] Vgl. Brand, T., Jungmann, T. (Hrsg.), 2013. Kinder schützen, Familien stärken. Erfahrungen und Empfehlungen für die Ausgestaltung Früher Hilfen aus der „Pro Kind“ Weinheim, S. 29-30
  • [5] Vgl. Deutsches Jugendinstitut e.V. 2010. Kinderschutz und Frühe Hilfen: IzKK-Nachrichten. Heft 1, S. 22
  • [6] Stiftung Pro Kind. bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-E18476369105757811/- bst/E14_Modellprojekt_Pro-Kind.pdf: 06.11.2013
  • [7] Felsenweg-Institut der Karl Kübel Stiftung. 2012. Projektbericht Landesprojekt „Pro Kind Sachsen“,S. 3
  • [8] Stiftung Pro Kind. bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-E184763691057811/bs- t/E14_Modellprojekt_Pro-Kind.pdf: 06.11.2013
  • [9] Vgl. Felsenweg-Institut der Karl Kübel Stiftung. 2012. Projektbericht Landesprojekt „Pro Kind Sachsen“, S. 3-4
 
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