Konsum-orientierte Anpassung, Rückzug in nationale Schutzgemeinschaften oder emanzipative Globalisierungskritik?

Auch Roland Roth (2002) geht davon aus, dass Jugendkulturen durch den Prozess der Globalisierung einem starken Veränderungsdruck ausgesetzt sind. Er unterscheidet drei gegensätzliche Reaktionsbildungen von Jugendlichen auf den Globalisierungsprozess. Demnach können Jugendliche über Konsum, aber auch Produktion als Vorreiter von Globalisierungsprozessen auftreten. Sie bedienen sich weltweit verbreiteter Lifestyles und partizipieren an kommerziellen Angeboten zur Selbststilisierung und Gruppenbildung. Verschiedene Jugendkulturen fungieren dabei auch als Trendsetter für die Entwicklung von einschlägigen Produkten transnationaler Konzerne (Roth 2002).

Neben diesen transnationalen, konsumzentrierten Jugendmilieus haben sich in den letzten 20 Jahren verschiedene lokale Gegenkulturen entwickelt, die sich aus unterschiedlichen Motiven gegen den Prozess der Globalisierung wenden. Nationalistische, rechtsextreme, regionalistische, ökologische und religiös begründete Strömungen sind dabei feststellbar. Neben diesen globalisierungsfeindlichen Organisierungsformen Jugendlicher gibt es die eher progressiv ausgerichtete globalisierungskritische Bewegung. Im Gegensatz zu den vorgenannten Gruppierungen, die auf Abschottung gegenüber den globalen Transformationen setzen, ist es hier eine eher solidarische Haltung mit den Opfern der Globalisierung, die zur Suche nach Alternativen zur jetzigen Globalisierung motiviert (Roth 2002).

Diese Typisierung in drei verschiedene Reaktionsmuster auf Globalisierungsprozesse ist als idealtypische zu verstehen. Empirisch werden sich Mischformen feststellen lassen. Bezüglich der quantitativen Ausprägung der einzelnen Reaktionsweisen sind im Moment nur Schätzungen möglich. Die zuerst genannte Gruppe der Jugendlichen, die über den Konsum von global vermarkteten Lifestyleprodukten in Form bestimmter Musikund Kleidungsstile, aber auch über den Konsum von global angebotenen Nahrungsmitteln, Filmen, Reisen etc. beschleunigend auf den ökonomischen Globalisierungsprozess wirkt, wird zumindest in westlichen Industriegesellschaften die Mehrheit der Jugendlichen ausmachen. Die Gruppen der Globalisierungsfeinde und die Zusammenschlüsse globalisierungskritischer Jugendlicher werden nur eine Minderheit der Jugendlichen darstellen. Mischungsverhältnisse werden insofern feststellbar sein, als auch in der Gruppe der Jugendlichen, die über den Konsum von Lifestyleprodukten Anerkennung, Eigensinn oder Abgrenzung anstreben, eine bewertende Einstellung gegenüber den globalen Transformationen festgestellt werden kann (vgl. Shell Deutschland Holding 2006, S. 159 ff.). Demnach betonten etwas häufiger männliche Jugendliche und Jugendliche aus Haushalten mit vergleichsweise hohem Haushalts-Nettoeinkommen die Vorteile der Globalisierung. Auf die Nachteile verwiesen eher Jugendliche mit nicht ausreichendem Haushalts-Nettoeinkommen (vgl. Shell Deutschland Holding 2006, S. 165 f.).

 
< Zurück   INHALT   Weiter >