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Exemplifikation: Analyse (inter-)serieller Konstellationen

Wie unser Beispiel zeigt, wird es nicht selten der Fall sein, dass sich anhand eines Materials von relativ überschaubarem Volumen eine relativ große Anzahl sozialer Serien identifizieren lässt. Wie wir erläutert haben (und worauf wir nun zurückkommen werden), ist aber ein Material wie der Brief, mit dem wir uns beschäftigt haben, nur das Ausgangsmaterial für weitergehende (serielle, interund transserielle) Analysen. Oder genauer: es stellt lediglich eine Sequenz in einer sozialen Serie dar, deren Elemente (Strauss und Kojève) an verschiedenen anderen sozialen Serien beteiligt sind (von denen einige dem Material zu entnehmen sind), die uns interessieren müssen, wenn wir unsere anfängliche Irritation auflösen wollen. Wenn wir davon ausgehen, dass wir im Zuge der weitergehenden Beschäftigung mit diesen Materialien eine erkleckliche Anzahl zusätzlicher sozialer Serien identifizieren werden, so wird deutlich, dass wir gut daran tun, uns gezielt eine Grundlage zu schaffen, um angesichts dieser Diversität von Materialien nachvollziehbare und transparente Forschungsentscheidungen treffen zu können: Welche sozialen Serien sollte ich aus welchen Gründen (nicht) für weitere Analysen heranziehen? Auf welche Fragen verdichte ich auf diese Weise mein Forschungsproblem? Welche Fragen bleiben auf diese Weise offen?

Eine Konstellationsanalyse muss nicht alle Fragen, die das Material dem Forscher nahelegt, klären. Aber der Forscher sollte klären, welche Fragen (und welche nicht) er aus welchen Gründen verfolgt. Wenn wir z. B. im Ergebnis unserer Beschäftigung mit dem Strauss-Brief die Entscheidung treffen, die Relevanz der Serie Strauss-Mrs. Koyré als ‚eher randständig' zu beurteilen, so ist dies wohlbegründet, wenn wir z. B. entschieden haben, unsere Analyse auf das Gespann Strauss und Kojève zu konzentrieren – möglicherweise innerhalb eines bestimmten Zeitraums, möglicherweise unter kontrastiver Berücksichtigung ihres Verhältnisses zu einer dritten Person (z. B. eines ‚Schülers' wie Hilal Gildin) oder unter Berücksichtigung von Äußerungen, die einige prominente U.S. liberals um das Jahr 1965 herum tätigten. Gleichwohl sollten wir uns verdeutlichen, dass die weitere Analyse der Serie Strauss-Mrs. Koyré möglicherweise ein Licht auf eine bestimmte Dimension von Strauss' Verständnis von reason bzw. reasonableness geworfen hätte, die wir aufgrund der Konzentration auf andere Materialien vernachlässigen. Denn indem Strauss vermerkt, er hoffe, Mrs. Koyré werde ihm verzeihen, dass er nicht in der Lage gewesen sei, ihr zu schreiben (Strauss 1965, S. 313), dokumentiert er – so ließe sich zumindest hypothetisch feststellen – dass er am Anspruch, reasonable zu agieren, in dieser eher privaten Angelegenheit aufgrund einer konstatierten (aber nicht näher erläuterten) Defizienz gescheitert ist. (Eine Hintergrundrecherche hätte ergeben, dass Alexandre Koyré kurz zuvor gestorben war.) Man hätte dies weiterverfolgen können; man musste es nicht. Indem wir aber immerhin die Möglichkeit, es zu tun, in Form unserer Überblickstabelle festgehalten haben, haben wir sie nicht einfach fallengelassen, sondern in den Forschungsprozess eingespeist – um sie gegebenenfalls, falls weitere Analysen dies nahelegen sollten, aufgreifen zu können.

Fünfte Verfahrensregel der Konstellationsanalyse Schaffe eine Grundlage, um angesichts der Diversität von Materialien nachvollziehbare und transparente Forschungsentscheidungen treffen zu können! Dokumentiere systematisch mögliche Forschungsfragen, die Du nicht verfolgt hast, um sie gegebenenfalls, wenn weitere Analysen dies nahelegen sollten, wieder aufgreifen zu können!

Diese Überlegung gilt selbstverständlich nicht allein hinsichtlich der sozialen Serien, die sich im Ausgangsmaterial identifizieren lassen, sondern hinsichtlich sämtlicher Materialien, die wir heranziehen. Daher empfehlen wir, die Überblickstabelle im Zuge der weitergehenden Analysen kontinuierlich zu erweitern und zu ergänzen – durch die Erfassung hinzukommender sozialer Serien bzw. neu gewonnener Einsichten hinsichtlich bereits erfasster sozialer Serien.

Der Prozess der systematischen Extension der Materialübersicht dient einerseits dem forschungslogischen Anspruch, möglichst vollständig die verschiedenen Aspekte des Materials zur Wiedervorlage in den Forschungsprozess einzuspeisen. Andererseits ist aber zu vermeiden, dass das Procedere eine rein artifizielle Qualität gewinnt, d. h. der Konstellationsanalytiker lediglich um der Materialextension willen das Materialvolumen extendiert, jedoch im Sinne seiner Forschungsfrage‚nichts Neues' entdeckt. Er sollte daher im Vollzug des Forschungsprozesses die Entdeckung neuer Aspekte systematisch erfassen, um so beizeiten präzise, d. h. in Form einer wohlbegründeten Forschungsentscheidung, das Erreichen des Punktes im Rahmen seiner Untersuchung markieren zu können, an dem die Auseinandersetzung mit den Materialien so weit fortgeschritten ist, dass (vorerst) keine Irritation mehr besteht, er also nunmehr mit der gezielten Falsifikation der Befunde, die er bis hierher gewonnen hat, beginnen kann.

Damit diese Forschungsentscheidung als wohlbegründet gelten kann, ist es wichtig, ausgangs jeder Analyse einer einzelnen Sequenz eine Forschungshypothese zu formulieren. In dieser sollte der Analytiker verbinden: a) eine Rekonstruktion des Sinngehalts des Materials in Hinsicht auf das eigene Forschungsproblem; b) eine Reflexion über den Stand des Irritationsmanagements (d. h. der Klärung des Forschungsproblems), der auf Grundlage dieser letzten Rekonstruktionsleistung erreicht wurde, im Vergleich zu dem Stand, der vor der Analyse dieser Sequenz erreicht war; c) eine Reflexion über die Kriterien und Kategorien, die anlässlich der Analyse der nächsten Sequenzen forschungsleitend sein sollen.

Indem der Konstellationsanalytiker nach jeder Analyse einer Sequenz eine solche Forschungshypothese formuliert, entsteht Schritt für Schritt eine Serie von Forschungshypothesen: ein Forschungstagebuch, das eng am Material die erarbeiteten Befunde, die auf diesen Befunden aufbauenden Forschungsentscheidungen sowie die mit ihnen einhergehende Entwicklung des Irritationsmanagements dokumentiert.

Sechste Verfahrensregel der Konstellationsanalyse Dokumentiere Deine Arbeiten in einem Forschungstagebuch, indem Du ausgangs jeder Analyse einer einzelnen Sequenz eine Forschungshypothese formulierst: Rekonstruiere den Sinngehalt des Materials in Hinsicht auf Dein Forschungsproblem! Stelle eine Reflexion über den Stand Deines Irritationsmanagements an! Stelle eine Reflexion über die forschungsleitenden Kategorien und Kriterien an!

In unserem Fallbeispiel müsste die Forschungshypothese, die anschließend an die Analyse der Sequenz/03.06.1965 der Strauss-Kojève-Serie zu formulieren wäre, die folgenden Aspekte berücksichtigen:

a. den Zusammenhang zwischen einer bestimmten Haltung zu den gegenwärtigen

U.S. liberals, einem Verständnis dafür, dass persecution and the art of writing nicht als fancy abgetan werden können, und dem Vermögen, den Humor des Aristophanes in Verbindung mit deren Victorian paraphrases wertzuschätzen; den Zusammenhang dessen, was reason bzw. reasonable heißen soll, mit einer relativen institutionellen Flexibilität;

b. die Entdeckung der Möglichkeit, die Frage des Zusammenhangs eines Wissens um das Existentsein von reason und eines Wissens um die reasonableness einer Person zu beantworten, indem geprüft wird, in welcher Weise Äußerungen über Personen als Äußerungen über den Grad der ihnen zugeschriebenen reasonableness gelesen werden können; die Entdeckung der Möglichkeit, bestimmte Äußerungen coram publico als Dokumentationen einer Haltung, die reasonable heißen kann, zu lesen, und zugleich der Notwendigkeit, die Klassifizierung reasonable nicht als Klassifizierung der ‚reinen' Äußerung (d. h. ihres propositionalen Gehalts), sondern als Klassifizierung der Äußerung in Kombination mit ihrer nicht-öffentlichen Kommentierung bzw. Erläuterung zu verstehen;

c. den systematischen Zusammenhang von reason und joke; die Differenzierung von Haltung und Äußerung; das Verhältnis von liberalism und persecution bzw. art of writing.

Da wir im Durchgang durch die Sequenz/03.06.1965 der Strauss-Kojève-Serie feststellen können, dass Strauss hier nicht hinreichend präzise erläutert, was es mit seinem Wissen über die Existenz von reason bzw. reasonableness auf sich hat, können wir schließen, dass Kojève aus den vorhergegangenen kommunikativen Erfahrungen, die beide teilten, über Erkenntnisse darüber, was Strauss mit seiner Äußerung sagen wollte, verfügte. Da uns keine Materialien in Form von Gesprächsprotokollen o. ä. vorliegen, müssen wir diese geteilten kommunikativen Erfahrungen anhand des überlieferten Schriftverkehrs nachvollziehen, und mithin die skizzierte Forschungshypothese auf der Grundlage der schrittweisen Analyse der der Sequenz/03.06.1965 vorangegangenen Sequenzen dieses Schriftverkehrs fortentwickeln.

Vordergründig betrachtet scheint der Konstellationsanalytiker, wenn er wie beschrieben verfährt, die ‚natürliche' Sequenzfolge geradezu umzukehren. Bei näherer Betrachtung des Vorgangs zeigt sich allerdings, dass dies nicht der Fall ist; denn die Umkehrung der Sequenzfolge ist nur der erste Schwung einer exegetischen Pendelbewegung, deren zweiter Schwung die ‚natürliche' Sequenzfolge wiederherstellt, d. h. von der früheren Sequenz zu der ihr folgenden, von der die Pendelbewegung ihren Ausgang nahm, fortschreitet. Der Vollzug einer solchen Pendelbewegung soll es dem Konstellationsanalytiker ermöglichen, die Realien eines Vorgangs der Verdichtung kommunikativer Erfahrungen explizit zu machen; in unserem Fallbeispiel: warum Strauss am 03. Juni 1965 sich gegenüber Kojève in genau der Weise über reason und reasonableness äußern konnte, wie er es tat.

Wir können sagen, dass der Konstellationsanalytiker, indem er jene exegetische Pendelbewegung initiiert, ein Gedankenexperiment vollzieht. Er versetzt sich an die Stelle des Empfängers eines Briefs, dem bei der Lektüre eine Passage unklar geblieben ist, und der, da es ihm wichtig ist, sie zu verstehen, den letzten Schriftverkehr mit dessen Autor hervorholt; der darin liest; dann neuerlich den jüngsten Brief sich vornimmt; im Licht seiner Lektüre des letzten Schriftverkehrs nun besser zu verstehen meint, worum es in jener unklaren Passage geht; der aber doch immer noch mit der Möglichkeit rechnet, dass alles ganz anders gemeint sein könnte, als es ihm scheint; der daher sich entschließt, noch einen weiteren Schritt in beider schriftlichem Verkehr zurückzugehen; und dieses Procedere letztlich so lange praktiziert, bis er sicher ist, was der Autor in jener Passage des letzten Briefs ihm sagen wollte.

Siebente Verfahrensregel der Konstellationsanalyse Initiiere eine Pendelbewegung zwischen den verschiedenen Sequenzen einer Serie, um so den der ‚natürlichen' Sequenzfolge eigenen Vorgang einer schrittweisen Verdichtung kommunikativer Erfahrungen zu explizieren!

Der Konstellationsanalytiker, der das beschrieben Gedankenexperiment anstellt, vollzieht auf diese Weise von den beiden interagierenden Operationen der seriellen und der interseriellen Analyse nur deren einen Teil. Auch hinsichtlich des zweiten Teils können wir davon sprechen, dass es ihm angelegen sein muss, von seinem Ausgangsmaterial her exegetische Pendelbewegungen zu initiieren. Da er aber nun den Fokus auf die einzelne Person und deren Organisation ihres Denkraums richtet, wird allerdings das Gedankenexperiment, das er vollzieht, eine etwas andere Qualität annehmen müssen. Es ist im Fall der Analyse einer interseriellen Konstellation nicht die Haltung des erklärungsbedürftigen Briefempfängers, in die er sich versetzt. Sondern es ist dies die Haltung des Autobiographen, dem der Sinn einer Passage in einem Brief (z. B. bezüglich seines Wissens über reason und reasonableness), den er selbst vor längerer Zeit schrieb, nicht mehr recht klar ist, und der daher möglichst vollständig das, was er sonst in diesem Zeitraum geschrieben hat, konsultiert, um seine Denkbewegung seinerzeit zu rekapitulieren. – In unserem Beispiel muss das interserielle Gedankenexperiment, das der Konstellationsanalytiker vollzieht, zuerst der Haltung des Autobiographen Strauss gelten.

Im Vollzug des interseriellen Gedankenexperiments für den Fall Strauss kann der Konstellationsanalytiker z. B. feststellen, dass der (am 19. Oktober 1964) auch einem anderen der Beitragenden zu seiner Festschrift: jenem Jacob Klein, um die Einschätzung von dessen Meno (Klein 1965) er Kojève am 03. Juni 1965 bat, seinen Dank übermittelte – jedoch mit anderer Akzentuierung als im Fall von Kojève und dessen Beitrag, nämlich in Begriffen der geistigen Ehre (Strauss 1964b). Klein seinerseits befragte daraufhin am 25. Oktober 1964 Strauss, ob es denn nicht – obschon wohl „bis zu einem gewissen Grade wahr“ sei, dass beider Verhältnis auch beinhalte, am anderen dies und jenes zu „missbillige[n]“ – von Grund auf (und eben nicht nur bis zu einem gewissen Grade!) „wahr“ sei, dass „Bindungen“ zwischen ihnen beständen, „die jenseits aller möglichen Kritik liegen“; immerhin gebe es „keinen Menschen, den ich mehr ehre als Dich“ (Klein 1964; Hervorhebung PG). Für den Konstellationsanalytiker könnte diese Feststellung nun Anlass sein, zum Zwecke der Explikation der Komplexität des geistigen Verkehrs, an dem Strauss teilhatte, seiner Analyse die Frage des Verhältnisses von reason und geistiger Ehre bzw. des Verhältnisses der graduellen Beurteilung von reasonableness und von Ehrbarkeit und Geehrtsein zu applizieren.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, uns in Erinnerung zu rufen, dass es sich bei der seriellen und der interseriellen Analyse um interagierende Operationen handelt, die unterschiedliche Fragestellungen an ein und dasselbe Material herantragen. Demnach kann der Konstellationsanalytiker sich nicht damit begnügen zu konstatieren, dass Strauss' Denkraum zum Zwecke der Kennzeichnung der Qualität einer Person sowohl einen Begriff von reason als auch einen Begriff geistiger Ehre aufweist; sondern es sollte ihm angelegen sein, Klarheit darüber zu gewinnen, ob (und inwiefern) diese Begriffe in unterschiedlichen Serien (z. B. in der StraussKojève-Serie und der Strauss-Klein-Serie) verschieden konnotiert ist.

Wir haben oben darauf hingewiesen, dass der Konstellationsanalytiker nicht zwangsläufig alle Fragen klären muss (und kann), die das Material ihm nahelegt. In diesem Sinn muss auch die Frage des Verhältnisses von reason und geistiger Ehre nicht zwangsläufig weiterverfolgt werden. Wenn der Forscher aber entsprechend der Vorgaben, die wir oben erläutert haben, die Möglichkeit, dieser Frage nachzugehen, nicht einfach fallengelassen, sondern wie beschrieben sie in den Forschungsprozess eingespeist hat, so wird er mindestens noch einmal auf sie zurückkommen. Er wird dies tun, nachdem er endlich in Form einer wohlbegründeten Forschungsentscheidung das Erreichen des Punktes im Rahmen seiner Untersuchung markiert hat, an dem die Auseinandersetzung mit den Materialien so weit fortgeschritten ist, dass keine Irritation hinsichtlich Strauss' Wissen über die Existenz von reason bzw. reasonableness mehr besteht. Denn dies ist nicht der Punkt, die Untersuchung zu beenden, sondern es ist dies der Punkt, an dem der Konstellationsanalytiker mit der (oben schon angedeuteten) gezielten Falsifikation der Befunde, die er bis hierher gewonnen hat, beginnen kann. Es gilt ihm nun in diesem letzten Schritt der Analyse, systematisch anhand seines Forschungstagebuchs zu überprüfen, welche der Aspekte des Materials, die zu vernachlässigen er auf dem Weg sich entschieden hatte, seine Befunde widerlegen könnten oder doch jedenfalls in deren Licht erklärungsbedürftig sind – um nun gerade diesen Aspekten noch einmal besondere Aufmerksamkeit zu widmen und auf diese Weise sein Forschungsergebnis auf verbreiterter Materiallage bestätigen zu können oder es zu präzisieren.

Achte Verfahrensregel der Konstellationsanalyse Bemühe Dich um eine gezielte Falsifikation Deiner Befunde: Identifiziere anhand Deines Forschungstagebuchs vernachlässigte Aspekte, die sie widerlegen könnten!

Im Ergebnis der seriellen und interseriellen Analysen, die der Konstellationsanalytiker vorgenommen hat, wird er die Denkbewegung einer öffentlichen Person (bzw. mehrerer interagierender Personen) in der Form von Veränderungen und Kontinuitäten ihres Denkraums (des Settings ihrer Begriffe, Argumentationsfiguren, sprachlichen Bilder, etc.) erarbeitet haben. Sofern wenigstens eines der Objekte dieses Denkraums – der Begriff reason bzw. reasonable, die Referenz auf den Autor Aristophanes, o. ä. – auch ein Objekt im Denkraum einer anderen Person darstellt, hat der Konstellationsanalytiker eine Grundlage, um diese Denkräume und die ihre Entwicklungen begleitenden Denkbewegungen zu vergleichen, d. h. eine transserielle Analyse vorzunehmen.

Wie wir oben festgestellt haben, tragen wir in Form einer solchen Analyse dieselbe Fragestellung an unterschiedliche Materialien heran. D. h. die Grundlage eines Vergleichs von Denkräumen bzw. Denkbewegungen ist in konstellationsanalytischer Hinsicht keine andere als im erläuterten Szenario; lediglich wird hier eine Mehrzahl von Konstellationsanalysen zum Zweck der Kontrastierung des im Material sich niederschlagenden Handelns und Zusammenhandelns öffentlicher Personen vollzogen. Die Praxis des Fallvergleichs selbst unterscheidet sich nicht von der üblichen Praxis in der Soziologie; daher ist sie nicht Gegenstand unserer Darstellung. Wir wollen allerdings noch einmal daran erinnern, dass der Anspruch einer Konstellationsanalyse die Explikation der Komplexität des geistigen Verkehrs, den man ‚Öffentlichkeit' nennt, ist. Ein vergleichendes Verfahren, das diesem Anspruch zuwiderliefe, z. B. auf die Formulierung simpler Dichotomien aus wäre, den Prozesscharakter des Denkens unterschlüge oder serielle Sonderheiten einebnete, wäre folglich für die Zwecke der Konstellationsanalyse nicht geeignet.

 
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