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2.3 Die These von der Priorität des aktiven kinetischen Vermögens

2.3.1 „Mit Blick auf das eine Erste“ (V 12)

Aristoteles sagt in Met. V 12, die Hauptbedeutung (kyrios horos, 1020a4) von dynamis sei das aktive kinetische Vermögen, das Prinzip der Veränderung in einem anderen oder insofern es ein anderes ist (1020a4ff). Er begründet dies wie folgt:

ta de lego/mena kata du/namin pa/nta le/getai proj th prw¯thn [mi¿an]: auÀth d' e)stiìn a)rxh metabolh=j e)n aÃll% hÄ v aÃllo. ta ga aÃlla le/getai dunata t%½ ta me eÃxein au)tw½n aÃllo ti toiau/thn du/namin ta de mh eÃxein ta de w¨diì eÃxein.

Alles aber, was [dynaton] nach einem Vermögen (kata dynamin) genannt wird, heißt [so] mit Bezug auf das eine[1] Erste (pros tên prôtên mian); dieses aber ist das Prinzip der Veränderung in einem anderen oder insofern es ein anderes ist. Denn die anderen dynata werden [so] genannt, teils weil etwas anderes über dieses selbst eine solche dynamis hat, teils weil es dies nicht hat, teils weil es dies auf eine bestimmte Weise hat. Ebenso verhält es sich auch mit den adynata. (Met. V 12, 1019b35-1020a4)

Aristoteles sagt also, daß alles, was dynaton mit Blick auf ein Vermögen (kata dynamin) genannt wird, so genannt wird mit Blick auf „das Prinzip der Veränderung in einem anderen oder insofern es ein anderes ist“. Dies könnte so mißverstanden werden, daß er meint, nur was selbst über ein aktives kinetisches Vermögen verfügt, wäre dynaton kata dynamin. Doch dann bleibt unverständlich, wieso Aristoteles es für nötig hält, für eine solche definitorische Festlegung eine Begründung des obigen Inhaltes zu bringen. Da Aristoteles aber eine solche substantielle Begründung bringt, kann man davon ausgehen, daß er auch eine wichtige These zu verteidigen hat. Diese These betrifft die dynata kata dynamin: diejenigen vermögenden Dinge, die gemäß eines Vermögens „Vermögende“ (dynata) genannt werden. Mit Vermögen sind hier aber nicht nur die aktiven kinetischen Vermögen gemeint, sondern auch die passiven Vermögen, die Widerstandsvermögen und die qualifizierten Vermögen. Aristoteles' These ist also: Alles, was gemäß eines dieser Vermögen als dynaton bezeichnet wird (im Gegensatz zu der logischen Bedeutung von dynaton), wird mit Blick auf ein aktives kinetisches Vermögen so genannt. Diese These wiederum veranlaßt Aristoteles dazu, die aktiven kinetischen Vermögen als die Grundbedeutung (kyrios horos) von dynamis anzusehen (1020a19-20). Ich will nun noch eine verwandte These aus Met. IX 1 vorstellen, um dann die Begründung für die beiden Thesen zu diskutieren.

  • [1] Das „eine“ (mian) in 1020a1 findet sich nicht bei Alexander und Asklepios und wird deswegen von Brandis und Ross gestrichen. In der parallelen Formulierung in 1046a10 ist es aber textkritisch unumstritten; Jaeger beläßt es daher im Text. Vgl. die Apparate von Jaeger und Ross zur Stelle. Wenn man davon ausgehen kann, daß auch im Griechischen ein Superlativ mit bestimmtem Artikel ein Individuum kennzeichnen kann, dann sagt mian nichts, was nicht ohnehin schon im Superlativ tên prôtên enthalten ist
 
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