Erster Erhebungsschritt: Fragebogen

Um die Vorstellungen einer größeren Anzahl von Schülern erfassen zu können, wurde der Fragebogen als ein forschungsökonomisch praktikables Erhebungsinstrument gewählt. Das Ziel der Fragebogenuntersuchung war es, die vorhandenen Vorstellungen möglichst umfassend zu beschreiben, um so eine angemessene Grundlage für die Auswahl der Interviewpartner zu erhalten.

Weitgehend geschlossene Fragen würden kaum Daten liefern, die eine Rekonstruktion der zugrundeliegenden Denkweisen erlauben. Um die Vorstellungen bestimmen zu können, ist es wichtig zu wissen, aus welcher Perspektive und mit welchen Begriffen sich die Schüler mit dem Gegenstand Globalisierung auseinandersetzen. Deshalb wurde ein Fragebogen eingesetzt, der die Vorstellungen anhand von offenen Fragen erhebt.

Ein Fragebogen, der die Zustimmung zu bestimmten Items abfragt, war auch aufgrund des Messwiederholungsdesigns der Untersuchung nicht möglich. So musste verhindert werden, dass es zur Übertragung von unerwünschten Effekten auf das folgende Treatment der Interviews kommt. Würde man etwa nach der Zustimmung oder Ablehnung zu vorgegebenen Erklärungen der Globalisierung fragen, wäre es wahrscheinlich, dass auf diese Erklärungsangebote bei dem anschließendem Interview zurückgegriffen wird. Mit der Erhebung über offene Frageformulierungen ist davon auszugehen, dass unerwünschte Übertragungseffekte vermieden werden konnten.

Die Entscheidung für ein aussagekräftiges Auswertungsverfahren, basierend auf dem Prinzip der Vollerfassung der Aussagen, machte es notwendig, die Datenproduktion auf die für die Untersuchung besonders relevant erscheinenden Bereiche zu konzentrieren. Eine Begrenzung des Untersuchungsbereichs war notwendig, um das erhobene Material in einem noch vertretbaren Zeitraum auswerten zu können. Die Fragen beschränkten sich deshalb auf die Erfassung der Beschreibung, der Erklärung und der Bewertung der Globalisierung. Die Auswahl der zu untersuchenden Bereiche soll kurz erläutert werden.

Die Frage nach der Bedeutung des Begriffs „Globalisierung“ zielte auf die Erfassung der von den Schülern jeweils wahrgenommenen Dimensionen von Globalisierung, die nach den vermuteten Ursachen der Globalisierung sollte, über die definierende Bestimmung hinaus, einen Einblick in das grundsätzliche Verständnis von Globalisierung geben. Bei der geforderten Erklärung des Globalisierungsprozesses wurden den Schülern in stärkerem Maße aktive Strukturierungsleistungen abverlangt.

Das Ziel der Untersuchung bestand nicht darin, die politischen Einstellungen der Schüler zu untersuchen. Es ging darum, Wege einer nachhaltigen Vermittlung des Gegenstands Globalisierung zu finden. Es ist gleichwohl davon auszugehen, dass die jeweilige Positionierung der Schüler gegenüber dem Prozess der Globalisierung eine wichtige Rolle bei der Auseinandersetzung mit dem Thema in Vermittlungssituationen spielt. Um Hinweise auf einen möglichen Umgang mit dem Thema zu gewinnen, wurde nach der Einschätzung der Relevanz des Themas Globalisierung gefragt. Auch wurde um eine Begründung der jeweiligen Einschätzung gebeten. Auf diese Weise konnten Informationen über die normative Bewertung der Globalisierung gewonnen werden.

Mit der Erfassung der Beschreibung, der Erklärung und der Bewertung der Globalisierung war eine erste Sondierung des Untersuchungsfeldes möglich, die sowohl aussagekräftige Anhaltspunkte für die Rekonstruktion zugrundeliegender Denkweisen bot als auch eine informierte Auswahl von Interviewpartnern für die folgende Untersuchung erlaubte.

 
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