Auswertung des Fragebogens

Bei der Auswertung der Fragebögen ging es darum, die Vorstellungen der Schüler im Hinblick auf zugrunde liegende Denkweisen zu untersuchen und eine informierte Auswahl der Interviewpartner zu ermöglichen. In der Literatur werden für die Rekonstruktion von Prozessen der Sinnbildung verschiedene Verfahren vorgeschlagen, die eine möglichst genaue Erfassung und Analyse über eine zusammenfassende Darstellung der erhobenen Daten ermöglichen sollen (vgl. Hopf et al. 1995, S. 131; Kelle und Kluge 1999, S. 80 ff).

Das von Laucken und Mees entwickelte inhaltsanalytische Verfahren der Logographie (1987) zielt auf eine umfassende Beschreibung des „Umgangswissens“ der Untersuchungspopulation, um es so nachvollziehbar explizieren zu können. Das zentrale Instrument zur Rekonstruktion von Umgangswissen ist dabei ein Kategoriensystem, das entwickelt wird, um die Aussagen der Untersuchungspopulation möglichst vollständig zu erfassen. Das Kategoriensystem übersetzt dabei gewissermaßen die Aussagen der einzelnen Untersuchungsteilnehmer in eine gemeinsame Sprache. Auf dieser Grundlage wird es möglich, in der Untersuchungspopulation übergreifende Muster der Sinnbildung zu identifizieren (vgl. Laucken und Mees 1987; Schmitt 1996; Schmitt et al. 2001).

Eine umfassende logographische Analyse der Schülervorstellungen war angesichts der begrenzten zeitlichen Ressourcen im Rahmen dieser Untersuchung nicht möglich. Die kategorienbasierte Vollerfassung der Aussagen stellte für den Zweck der vergleichenden Untersuchung der Vorstellungen jedoch eine praktikable Vorgehensweise dar, um von da aus nach den „Ordnungsfiguren“ (Laucken 1998, S. 279) des Denkens zu fragen. Die kategorial erfassten Aussagen der Schüler und die jeweiligen Besetzungshäufigkeiten der einzelnen Kategorien wurden in Tabellen vermerkt. Eine tabellarische Erfassung der Aussagen machte es möglich, die Vorstellungen in den Untersuchungsgruppen der Hauptschüler und Gymnasiasten über die Besetzungshäufigkeiten der einzelnen Kategorien systematisch zu vergleichen. Die Auswertung sah dabei folgendermaßen aus. In einem ersten Materialdurchlauf wurden die von den Schülern geäußerten Vorstellungen über die Globalisierung herausgearbeitet und zu quantitativ bedeutsamen Gruppen zusammengefasst. Die Konstruktion aufnahmefähiger Kategorien erfolgte dabei über eine sukzessiv erweiterte Themenmatrix (vgl. Lamnek 2005, S. 405). In den Kodierleitfäden der bereichsspezifischen Tabellen wurden die einzelnen Kategorien definiert, mit Ankerbeispielen versehen und Definitionsregeln für schwer zuzuordnende Aussagen formuliert (vgl. Mayring 1997, S. 83). Anschließend wurde in einem zweiten Materialdurchlauf eine Zuordnung zu den so gebildeten Kategorien vorgenommen. Auf der Grundlage der Besetzungshäufigkeit der einzelnen Kategorien wurde ermittelt, welche Vorstellungen bei den Schülern besonders weit verbreitet und welche Vorstellungen eher selten anzutreffen sind. Die dokumentierten Besetzungshäufigkeiten in den bereichsspezifischen Tabellen ermöglichten so eine nachvollziehbare Beschreibung der Vorstellungen in beiden Untersuchungsgruppen.

Mit der Auswertung der Fragebögen war die erste Erhebungsphase abgeschlossen. Die Ergebnisse können keinen Anspruch auf statistische Repräsentativität erheben, ermöglichen aber die informierte Auswahl von Untersuchungsteilnehmern und geben erste Einblicke in die Vorstellungswelt der Schüler. Die Interviews des folgenden Untersuchungsschrittes liefern insofern aussagekräftigere Daten darüber, wie die Schüler über Globalisierung denken, als im Interview eine gezielte Auseinandersetzung mit ihren Vorstellungen möglich ist. In der dialogischen Auseinandersetzung des Interviews zeigt sich deutlicher als im Monolog der Fragebogenantwort, was und wie die jeweiligen Schüler über Globalisierung denken. Rückfragen ermöglichen es, den sich im Laufe des Gesprächs entwickelnden Vermutungen über zugrunde liegende Denkweisen nachzugehen.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >