Fortschritt

Die Kategorie des Fortschritts umfasst alle Aussagen, die eine ökonomische Argumentation mit dem Moment des Fortschritts verbinden. Fünf von sechs Schülern betonen den technischen Fortschritt. Gym66 bringt dabei als Einzige eine Einschränkung der positiven Einschätzung zum Ausdruck: „-Weltmarkt –Weiterentwicklung -Maschinen -Wirtschaft (Menschen wollen mehr) Weiterentwicklung. Einerseits gut andererseits schlecht, denn Sachen entwickeln sich weiter, aber Menschen/Tiere leiden auch darunter.“ (Gym66) Bei dieser Schülerin fällt auf, dass sie sich auf vermeintlich anthropologische Konstanten bezieht: „Menschen wollen mehr“.

Drei Schüler verwenden den Terminus „technischer Fortschritt“. Dieser „technische Fortschritt“ wird hier in Verbindung gebracht mit „besserer Marktwirtschaft“ (Gym81) und „Wirtschaft, Handel mit der ganzen Welt – Konkurrenzkampf“ (Gym79). Gym80 bringt das Argument folgendermaßen auf den Punkt:

*Irgendwas mit Wirtschaft *Verbindung von Weltmärkten *technischer Fortschritt. Keine Ahnung was das ist ehrlich gesagt. Ich glaube aber, dass es gut ist, da es zum weltweiten Handel und Fortschritt beiträgt.“ (Gym80) Ähnlich bewertet auch Gym79 den Globalisierungsprozess. Sie findet ihn „gut“, „da es uns ermöglicht mit der ganzen Welt zu handeln und gegenseitig zum Fortschritt animiert“. Ergänzend zum „technischen Fortschritt“ zählt letztere auch noch die „besseren Transportund Logistikmöglichkeiten“ auf. Gym99 macht einen Aspekt explizit, der implizit auch in anderen Äußerungen von Schülern, die dieser Subkategorie zugeordnet wurden, vorhanden ist. Für ihn ist „das Zusammenwachsen der verschiedensten Bereiche auf globaler Ebene“ ein Prozess, den er „durch die technische Entwicklung“ als „unaufhaltsam“ (Gym99) charakterisiert. Im Zentrum der Argumentation von Gym81 und Gym73 stehen weniger der technische Fortschritt als vielmehr marktorientierte Wirtschaftsformen. Diese kommen auch in den gerade besprochenen Vorstellungen zum Ausdruck, jedoch weniger eindeutig und eben verknüpft mit dem Aspekt des technischen Fortschritts. Trotz ihrer Unsicherheit, mit der sie ihr Argument umrahmt, denkt die Schülerin Gym81 in einer auf den Markt bezogenen Weise: „-Ähnliche Wirtschaft/ Politik in jedem Land -Verbesserung des Handels über die Welt. Ehrlicherweise keine Ahnung was das ist, nur Vermutungen. -Einfachere Kommunikation unter den versch. Ländern -Bessere Marktwirtschaft. Ich gehe davon aus dass die Globalisierung etwas Gutes ist was zum Fortschritt beiträgt.“ (Gym81) Interessant ist dabei, dass sie explizit die globale Angleichung von „Wirtschaft/Politik in jedem

Land“ benennt.

Weniger unsicher im Hinblick auf die positive Bewertung dieser Entwicklung ist die Schülerin Gym73: „Unter Globalisierung verstehe ich Exporte und Importe zwischen den Ländern der Welt, dass der Zoll nicht mehr so ernst genommen wird (weniger bezahlen) und es mehrere und einfachere Handelswege gefunden werden. Verbindung der Händler auf der Welt. schwer zu erklären:) Finanzielles Versagen eines Staates. Durch Aufhebung des Zolls kann der Staat wieder Sachen billiger exportieren. Gefällt mir, weil Fortschritt ist immer gut.“ (Gym73) Fortschritt wird hier mit weniger Zoll und einfacheren Handelswegen assoziiert. Finanzielles Versagen des Staates kann laut Gym73 durch weniger Zoll ausgeglichen werden. Unklar bleibt hier, ob zwischen Staat und Markt differenziert wird, also ob „der Staat“, der „durch die Aufhebung des Zolls […] wieder Sachen billiger exportieren“ kann, auf den Markt innerhalb einer Nationalökonomie verweist und also implizit weniger Staatlichkeit gefordert wird, oder ob Gym73 die Institution Staat als wirtschaftlichen Akteur versteht. In beiden Fällen erscheint Fortschritt hier nicht als mögliche Folge dieser Maßnahmen, sondern diese selber scheinen als der Fortschritt verstanden zu werden.

 
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