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5.3.1 Forschungsstand zu Motivstudien freiwilliger Arbeit

Die Studien zu den Motiven freiwilliger Arbeit bilden die komplexen Beweggründe ab, die Personen dazu bringen, in Vereinen unentgeltlich zu helfen. Manche Studien fragen nach den Zugangsmotiven, also den Gründen für die Aufnahme der Arbeit, andere nach dem Nutzen oder den Erwartungen an die Tätigkeit, und wieder andere nach den Vor- und Nachteilen, die freiwillige Arbeit bieten kann, aber auch nach den Gründen für fehlendes Engagement.

Einer der wichtigsten Gründe für die Aufnahme einer freiwilligen Tätigkeit ist, von Freunden, Familie und Bekannten gefragt worden zu sein (Anheier und Toepler 2002, S. 35; Bühlmann und Freitag 2007, S. 74; Düx et al. 2008, S. 72; Gaskin et al. 1996, S. 87). Insgesamt werden Personen mit vielen sozialen Kontakten häufiger nach ihrer Beteiligung in Vereinen gefragt als andere (Paulwitz 1996, S. 263). Im europäischen Vergleich ist in Deutschland die Frage von Familie und Freunden (45,0 %) nach Engagement mit großem Abstand der häufigste Grund, aus dem Freiwillige zu ihrer Tätigkeit gekommen sind, gefolgt von dem Anstoß durch Personen, die bereits Mitglied in der Organisation waren (29,0 %) (Gaskin et al. 1996, S. 84; Paulwitz 1996, S. 251). In Deutschland spielen bei der Übernahme von freiwilliger Arbeit auch die Kontakte zu einer religiösen Gemeinde (19,0 %) eine signifikante Rolle (ebd.). Becker und Dhingra (2001, S. 329) fanden in ihrer Studie heraus, dass die häufigsten Gründe für freiwillige Arbeit Folgende waren: Freunde unterstützen zu wollen, dass ihre Gemeinde Hilfe braucht, weil sie gefragt wurden und weil sie von klein auf bereits freiwillig arbeiteten.

Wallraff (2010, S. 62) befragte in einer schriftlichen und telefonischen Untersuchung 1.286 Freiwillige, die sich bei Greenpeace engagierten. Als Gründe für die Aufnahme des Engagements bei Greenpeace wurden vor allem Medienberichte über den schlechten Zustand von Umwelt und Natur genannt sowie die Ansprache von Freunden und Bekannten (ebd., S. 113). Um zu eruieren, welche Probleme im Rahmen der Tätigkeit auftreten, wurde hinsichtlich 20 Items gefragt, wie stark sie die freiwillige Arbeit negativ beeinflussen. In einer kategorialen Hauptkomponentenanalyse wurden zwei Dimensionen ermittelt, die einerseits die freiwillige Arbeit selbst und andererseits Schwierigkeiten in der Gruppe und Organisation umfassten (ebd., S. 109). Die erste Dimension umfasst Aussagen dazu, dass der Spaß bei der Arbeit fehle, die Aufgabe unklar oder unbefriedigend sei. Die zweite Dimension bemängelt Handlungsfreiheiten, zu viel Einflussnahme durch angestellte Mitarbeiter sowie bürokratische Hürden (ebd.).

Personen, die nicht freiwillig arbeiten, begründen dies am häufigsten damit, dass sie bereits familiär stark eingebunden sind (66,0 %) oder niemals gefragt wurden (56,5 %), ob sie sich beteiligen möchten (More-Hollerweger und Rameder 2009, S. 134). Bei Personen zwischen 15 und 49 Jahren kommt der Zeitmangel aufgrund der beruflichen Auslastung (63,5 %) hinzu. Personen, die bereits das Rentenalter erreicht haben, nennen vor allem Krankheiten oder körperliche Handicaps (71,1 %) sowie die Einschätzung, dass es für ihre Altersgruppe keine adäquaten Engagementangebote gäbe (71,5 %) (ebd.).

Die Allensbacher Repräsentativbefragung beinhaltet auch Fragen zu den

Kosten“ des freiwilligen Engagements. So wurden die Personen nach „Einflussfaktoren auf Überlegungen zu Einschränkung und Beendigung des ehrenamtlichen Engagements“ befragt (ebd., S. 72). Am häufigsten wird die hohe Arbeitsbelastung genannt (24,5 %[1]), die hohen Erwartungen der Klienten (22,5 %) und die psychische Belastung durch die Konfrontation mit Problemen anderer (21,0 %) (ebd.). Ähnliche Gründe für Westdeutsche, sich nicht (mehr) zu enga-gieren, finden Klages und Gensicke (1998, S. 191): wenig Zeit, fehlende Lust oder bisher nicht gefragt worden zu sein, sind die meistgenannten Gründe. Für Ostdeutsche treffen diese Gründe auch zu, sie nennen aber insgesamt mehr Gründe und stimmen diesen stärker zu. Sie befürchten am häufigsten, dass ihre Kompetenzen nicht ausreichen oder rechtliche Schwierigkeiten auftreten könnten (ebd.). Weiterhin sprechen Klages und Gensicke (1998, S. 192) von einer negativen „Staatsattribution“, die eine skeptische Haltung gegenüber dem Staat und der Regierung ausdrückt, die sich aus den zu Zeiten der DDR gemachten Erfahrung speist (siehe Kapitel 3.2) (Gaskin et al. 1996, S. 185; Klages und Gensicke 1998, S. 192).

Alle diese Fragen stehen in Zusammenhang zu den Motiven freiwilliger Arbeit oder können als solche angenommen werden, wenn sie auch nicht explizit so bezeichnet werden. Die nachfolgenden Studien beschäftigen sich ausdrücklich mit den sogenannten Motiven freiwilliger Arbeit. Diese Motive reichen von religiösen Beweggründen und sozialem Pflichtgefühl über Bürgerverantwortung hin zu individualistischen Motiven, die auf Nutzenmaximierung ausgelegt sind, wie z.B. Abenteuerlust oder dem Erlernen bestimmter Fähigkeiten.

Auf einer dreistufigen Skala sollten die Befragten des Freiwilligensurveys fünf Items voll und ganz, teilweise oder nicht zustimmen (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010, S. 12). Die Abfrage von nur fünf vorgegebenen Motiven ist im Vergleich zu anderen Untersuchungen nicht sehr umfangreich. Die Frage lautete „Sagen Sie mir bitte, ob Sie den folgenden Aus-sagen über Ihr ehrenamtliches oder freiwilliges Engagement (…) zustimmen“ (ebd., S. 23). Die Gesellschaft mitgestalten zu wollen, wurde von 66,0 % der Befragten und damit am häufigsten genannt, gefolgt von dem Wunsch nach sozialen Kontakten mit 60,0 %. Qualifikationen erwerben wollten 27,0 % der Befragten, 12,0 % wollten soziale Anerkennung erhalten und 10,0 % das Engagement als berufliche Chance nutzen (ebd.). Bei Frauen der Altersgruppe 14 bis 30 Jahre sind das Berufs(47,0 %) und Qualifizierungsmotiv (25,0 %) deutlich stärker ausgebildet als in allen anderen Gruppen. Dies liegt laut der Autoren daran, dass junge Erwachsene mit der Familiengründung und Ausbildung beschäftigt sind und daher Beruf, Qualifizierung und Engagement miteinander verbinden möchten (ebd., S. 14).

Die wichtigsten Erwartungen, die an die freiwillige Arbeit gestellt werden, sind auf einer fünfstufigen Skala von 1 = unwichtig bis 5 = außerordentlich

wichtig, „dass die Tätigkeit Spaß macht“ (x= 4,4), „Menschen helfen zu können“ (x= 4,1) und „für das Gemeinwohl“ (x= 4,0) arbeiten zu können. Aber auch soziale Kontakte (x= 4,1) und der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten (x= 3,8) wird erwartet. Personen, die sich in Kirchen, Religionsgemeinschaften,

aber auch Parteien engagieren, sind deutlich stärker am Gemeinwohl orientiert

als andere (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010,

S. 143). Fraglich bleibt, ob die Frage nach Erwartungen mit den Motiven freiwilliger Arbeit gleichzusetzen ist.

Auch die zweite große deutsche Ehrenamtsstudie „Engagementatlas“ (Prognos und AMB Generali 2009, S. 13) gab lediglich vier Items vor, zu denen die Befragten zustimmen konnten[2]. „Die Gesellschaft im Kleinen mitgestalten zu wollen“ stimmten 29,6 % der Befragten zu (ebd., S. 13). „Mit anderen Menschen zusammenkommen“ gaben 25,9 % an, 23,7 % sahen das Engagement als wichtige gesellschaftliche Aufgabe und 17,8 % begründen ihre freiwillige Arbeit damit, dass sie Interessen vertreten und Probleme lösen möchten (ebd.).

Im Rahmen des Speyerer Wertesurveys wurden die Freiwilligen gefragt, was es für sie bedeutet, „sich bürgerschaftlich zu engagieren“ (Klages und Gensicke 1998, S. 190). Auf einer siebenstufigen Skala von „ganz unwichtig“ (1) bis „sehr wichtig“ (7) sollten die Befragten die Relevanz verschiedener Items bewerten. In dieser Untersuchung steht Spaß in Ost(x= 5,9) wie Westdeutschland (x= 5,6)

an erster Stelle der Motive. An zweiter Stelle steht das Motiv, Menschen helfen

zu wollen (W: x= 5,5; O: x= 5,4), und an dritter Stelle Engagement für das Gemeinwohl (W: x= 5,4; O: x= 5,2) (Klages und Gensicke 1998, S. 190). Reli-

giösen und „traditionell-gemeinwohlbezogenen Aspekten“ wird in Westdeutsch-

land stärker zugestimmt als im Osten Deutschlands, wo wiederum „hedonistische Aspekte“ wie Spaß, soziale Kontakte knüpfen, die Bereicherung des eigenen Lebens und Kenntnisse und Fertigkeiten erweitern höher bewertet werden (ebd.). Im Rahmen ihrer qualitativen Untersuchung befragte Steinfort (2010, S. 86) 13 ältere Personen über einen Zeitraum von drei Jahren jährlich zu den Gründen ihres freiwilligen Engagements. Es konnten sechs zentrale Beweggründe für freiwillige Arbeit gefunden werden. Das erste Motiv ist Kohärenz, die für den sinnstiftenden Aspekt des freiwilligen Engagements steht. Personen mit Kohärenzmotiv sind durch ihre Tätigkeit zufriedener, möchten gerne solidarisch sein und anderen helfen, teils aufgrund eigener Pflegeerfahrungen, teils um Erfahrungen zu sammeln oder weil sie Helfen schlicht für wichtig halten (Steinfort 2010, S. 184, 213). Das zweite Motive ist die Selbstverortung, bei der es darum geht, durch freiwillige Arbeit den Alltag z.B. nach dem Renteneintritt neu zu gestalten, sich auf sich selbst zu konzentrieren und weiterhin aktiv zu bleiben (Steinfort 2010, S. 214). Das dritte Motiv ist das Generieren neuer Sozialkontakte und der Wunsch, sich auszutauschen (ebd., S. 215 f.). Der Aspekt der Produktivität bezieht sich auf eine sinnvolle Zeitgestaltung und stellt das vierte Motiv dar. Das fünfte Motiv, das Kompetenzerleben, beinhaltet zum einen das gezielte Erlernen von Fähigkeiten, aber auch, sich selbst als kompetent zu empfinden. Das letzte Motiv ist die Anerkennung, die die Gesellschaft an die Freiwilligen heranträgt. Allerdings schließt Steinfort (2010, S. 216) eher implizit auf dieses Motiv, als dass es von den Befragen selbst genannt wurde.

Auch in ihrer Studie konnte Notz (1987, S. 89, 145) durch insgesamt 44 Expertengespräche und qualitative Interviews feststellen, dass Freiwillige in Einrichtungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, des Sozialdienstes katholischer Frauen und einer freien Einrichtung keineswegs nur altruistische Motive haben. Vor allem das Motiv, in die Arbeitswelt integriert zu sein und sich zu beweisen, (noch immer) bestimmte Fähigkeiten zu haben, herrschte bei ihren Befragten vor. Über die Zeit schienen sich die Motive der Befragten jedoch zu verändern. Vor allem Freiwillige des Sozialdiensts katholischer Frauen berichteten davon, dass im Laufe ihrer Tätigkeit das Bewusstsein wuchs, dass ihre Aktivitäten eine Chance darstellten, sich politisch für die eigene Gruppe und die Klienten einzusetzen (ebd.).

81,0 % der 875 freiwilligen Mitarbeiter aus sozialen Tätigkeitsbereichen der Caritas in Köln, die im Rahmen der Allensbacher Repräsentativbefragung interviewt wurden, nennen als besonders wichtig für ihre freiwillige Arbeit, Armen und Benachteiligten helfen zu können, gefolgt von Freude, „etwas Sinnvolles zu tun“ mit 75,0 % (Süßlin 2008, S. 30). Eine „moralische Pflicht“, anderen zu helfen, empfinden 61,0 % und für 57,0 % ist es wichtig, Mitleid mit den Hilfebedürftigen zu haben. Ebenfalls 57,0 % gaben an, ihre zur Verfügung stehende Zeit mit etwas Nützlichem verbringen zu wollen oder diese Arbeit aus religiöser Überzeugung zu leisten. Sogenannte altruistische Motive sind für die Personen, die in der Pfarrcaritas arbeiten, noch wichtiger als für Freiwillige, die nicht in kirchlich gebundenen Diensten und Einrichtungen arbeiten (ebd., S. 31). Fraglich ist, ob die Formulierung der Frage[3] Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit begünstigt. Wenn nach der Wichtigkeit der offensichtlich allgemein positiv bewerteten Items gefragt wird, kann eine verhältnismäßig hohe Zustimmung erfolgen, obwohl diese nicht die ursprünglichen Motive abbilden. Immerhin liefert die Frage hinsichtlich Spaß und Helfen ähnliche Ergebnisse wie andere Untersuchungen. Allerdings muss bei Süßlins (2008) Studie berücksichtigt werden, dass es sich um eine selektive Stichprobe handelt. Befragt wurden Freiwillige, die ausschließlich im sozialen Bereich der Caritas tätig sind. Sie sind vermutlich religiöser als andere und durch den Tätigkeitsbereich häufiger mit Bedürftigen in Kontakt als z.B. Freiwillige von Fußballvereinen. Innerhalb dieser Gruppe unterscheiden sich die Motive jedoch deutlich, wenn z.B. nach Altersgruppen unterteilt wird. Freiwillige unter 50 Jahren geben seltener religiöse Motive an, aber häufiger egoistische. Soziale Kontakte (47,0 %), Lernen (58,0 %) oder die persönliche Weiterentwicklung (30,0 %) motivieren die jüngste Altersgruppe im Vergleich zu den 50-64-Jährigen (38,0 %, 46,0 %, 21,0 %) und der Gruppe der Über-65-Jährigen (39,0 %, 41,0 %, 14,0 %) häufiger (Süßlin 2008, S. 33). Weiterhin wurden die Freiwilligen danach gefragt, welche Aussagen auf ihre Arbeit zutreffen. 79,0 % der Freiwilligen gaben an, dass es sich um eine Tätigkeit handelt, „die Spaß [und] Freude macht“, 75,0 %, dass sie durch die Arbeit „viele Kontakte zu anderen Menschen“ geknüpft haben, und 71,0 %, dass sie eine Aufgabe gefunden haben, die ihrem „Leben einen Sinn gibt“ und interessant ist (ebd., S. 57). Der Autor vermutet, dass auch aus den Antworten dieser Frage auf die Motive der Befragten zu schließen ist.

In der Untersuchung von Beck und Kollegen (1982) wurde die Stärke der Zustimmung zu vorgegebenen Motiven anhand einer siebenstufigen Skala für die freiwilligen Mitarbeiter in Jugendeinrichtungen gemessen. Für „weil ich Jugend-lichen ermöglichen will, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten“ (x= 6,14), „weil ich Jugendlichen bei ihrer Persönlichkeitsentfaltung helfen möchte“ (x= 5,51) und „weil ich meine Freizeit sinnvoll gestalten möchte“ (x= 5,15) wurden die stärks-ten Zustimmungen gemessen. Mittlere Zustimmungswerte erhielten „weil ich Interesse an der Leitung von Gruppen habe“ (x= 4,97), „weil ich dabei die Möglichkeit habe, Freunde zu treffen“ (x= 4,94), „weil ich mehr Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen gewinnen möchte“ (x= 4,67) und „weil ich meine Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbilden möchte“ (x= 4,32). Die niedrigs-ten Werte wurden für „weil ich in der Jugendarbeit eventuell mein zukünftiges Berufsfeld sehe“ (x= 3,14) und „weil ein Bekannter, der als Mitarbeiter tätig war, mich für die Arbeit interessierte“ (x= 3,11) (Beck 1982, S. 28). Vor allem bei Personen mit hohen Werten auf einer Skala, die das emanzipatorische Be-wusstsein der Befragten maß, spielte das Motiv der Hilfe bei der Persönlich- keitsentfaltung (x= 5,85) in Kombination mit dem Wunsch, eine Gruppe leiten zu wollen (x= 5,25), eine besonders große Rolle. Die Autoren vermuten, dass diese Freiwilligen dazu beitragen wollen, dass die Jugendlichen ihrerseits eman- zipatorische Einstellungen übernehmen und „gesellschaftskritische“ Erwachsene werden (ebd., S. 77). Altruistische Motive werden als solche beschrieben, „die gewissermaßen zum Image des Ehrenamtlichen gehören“, aber nicht bestimmten Items zugeordnet werden können (ebd.). Der Altruismus könnte ähnlich wie der Spaß und Wunsch zu helfen quer zu den anderen persönlichen Motiven liegen und Grundvoraussetzung für die freiwillige Arbeit sein.

Auch der österreichische Freiwilligenbericht erhob mit einer vierstufigen Skala 14 Motive freiwilliger Arbeit (More-Hollerweger und Rameder 2009, S.

132). Wieder stehen Spaß (x= 3,55) und Menschen helfen zu wollen (x= 3,48) im Vordergrund, gefolgt von Menschen kennenlernen (x= 3,15) und dazuzulernen (x= 2,98) (ebd.).

Aber auch eine sinnvolle Beschäftigung zu haben, ist für die Freiwilligen be-sonders wichtig (Düx et al. 2008, S. 72). Die Motive für eine längerfristige Tätigkeit sind nach Düx und Kollegen (2008, S. 72) hauptsächlich Erfahrungen zu sammeln, Anerkennung zu erhalten und Kompetenzen zu entwickeln sowie gesellschaftlich Verantwortung zu übernehmen. Für viele ist auch in dieser Analyse wichtig, soziale Netzwerke auszubauen, neue Freunde zu finden und unter Gleichgesinnten zu sein. Düx und Kollegen (2008, S. 73) sprechen von der Vermehrung loser Netzwerkbeziehungen (weak ties[4]) über die engen sozialen Be-ziehungen zu Familie und Freunden (strong ties[5]) hinaus. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, in deren Rahmen man kleine informelle Hilfen und Informationen erhält, wurde von vielen Befragten als besonders wertvoll beschrieben (ebd.).

Tabelle 10: Motive freiwilliger Arbeit nach Kopke und Lembcke, arithmetische Mittelwerte

Motive

Wohlfahrt

Selbsthilfe

Menschen helfen

3,7

3,6

Spaß

3,3

3,3

Kenntnisse erweitern

3,3

3,4

Erfahrungen weitergeben

3,1

3,4

Gemeinwohl

3,3

3,3

Menschen kennenlernen

3,0

3,1

Geselligkeit

2,6

2,9

Verantwortung

2,6

2,5

Eigene Probleme lösen

2,3

3,0

Anerkennung

2,5

2,2

Eigene Interessen vertreten

2,2

2,6

Glauben praktizieren

2,0

1,8

Beruflicher Nutzen

2,3

1,9

Quelle: Kopke und Lembcke (2005, S. 115 f.).

In einer multivariaten Analyse zeigt Schüll (2004, S. 266), dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Organisation deutlich die Motive beeinflusst oder zumindest Personen mit ähnlichen Motiven in Vereinen zusammen kommen. Nur das Streben nach sozialem Prestige und die altruistische Gemeinwohlverpflichtung bleiben weitgehend von dem Verein, in dem die Freiwilligen arbeiten, unabhängig. Es leuchtet ein, dass eine altruistisch motivierte Person vermutlich überall Gutes für das Gemeinwohl tun kann, während eine politisch motivierte Person zunächst eine politische Grundhaltung hat und sich einen entsprechenden Verein mit derselben politischen Ausrichtung sucht. In der Analyse wurden bei Freiwilligen der Diakonie häufiger politische Motive gefunden als im weitestgehend politisch neutralen Roten Kreuz (ebd.).

Die Motive Freiwilliger in Wohlfahrtsorganisationen und Selbsthilfegruppen wurden in der Studie von Kopke und Lembcke (2005, S. 116) anhand einer vierstufigen Skala zwischen den Abstufungen „unwichtig = 1“ bis „sehr wichtig = 4“ abgefragt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 10 abgetragen. Am wichtigsten scheint den Befragten in beiden Gruppen, Menschen helfen zu können, gefolgt von Spaß bei der Arbeit zu haben. Dies entspricht den meisten anderen Motivstudien und spricht erneut für eine Grundhaltung, die allen Freiwilligen gemein ist. Auch die Kenntnisse zu erweitern und Menschen kennenzulernen gehören zu den Motiven, die als besonders relevant eingestuft werden. Hinsichtlich der eigenen Problembewältigung übertreffen erwartungsgemäß die Freiwilligen der Selbsthilfegruppen die Einschätzung der anderen, weil diese Bewältigung per Definition im Fokus des „sich selbst Helfens“ liegen. Der Glaube spielt unter Freiwilligen der Wohlfahrtspflege eine größere Rolle als unter denen der Selbsthilfegruppen und auch soziale Anerkennung und der berufliche Nutzen werden als wichtiger eingeschätzt. Geselligkeit und eigene Interessen zu vertreten sind hingegen für die Personen der Selbsthilfegruppen wichtiger (ebd., S. 115 f.).

Schulze (2004, S. 95) befragte 14 Männer und vier Frauen im Rahmen von Leitfadeninterviews zu ihrer ehrenamtlichen Arbeit in Fußballvereinen. Die Motive, die er fand, unterscheiden sich von denen anderer Vereine. In der Öffentlichkeit stehen, dem Verein etwas zurückgeben, aber auch Verpflichtung und Verantwortungsgefühle wurden zum Ausdruck gebracht (ebd., S. 108). Zwar spielen auch Interesse und Spaß an der Vorstandsarbeit sowie daraus resultierendes Lob und Anerkennung eine Rolle, doch scheint die emotionale Bindung an den Verein durch langjährige Mitgliedschaft deutlich stärker ausgeprägt zu sein als in z.B. sozialen Einrichtungen. Die Ehrenamtsträger sind stolz auf die Leistung ihres Vereins und empfinden ein Wir-Gefühl. Die Arbeit ist insgesamt mehr auf die eigene Gruppe – also den Verein und dessen Mitglieder – ausgerichtet als

z.B. darauf, Fremden in Notsituationen zu helfen (ebd.).

Als Motive für die freiwillige Tätigkeit im europäischen Vergleich werden von 49,0 % der deutschen Befragten persönliche Gründe und Bedürfnisse angegeben (Gaskin et al. 1996, S. 89). Erst mit großem Abstand wird an zweiter Stelle der Bedarf im Gemeinwesen (24,0 %) als Grund angegeben, dessen Anteil sich aber nicht signifikant von denen anderer Länder unterscheidet, gefolgt von religiösen und moralischen Motiven (22,0 %). Der Anteil der Freiwilligen mit religiösen Beweggründen ist im Vergleich zu den anderen neun Ländern[6] (durchschnittlich 12,0 %) mit Abstand am höchsten und übersteigt die Angaben der anderen Länder um mindestens sieben Prozentpunkte (ebd.). Das ist erstaunlich, da Deutschland im europäischen Vergleich nur durchschnittliche Werte hinsichtlich Gottesglauben und Spiritualität aufzeigt und Kirchenaustritte häufiger wurden (Bundeszentrale für politische Bildung 2011; Eicken und SchmitzVeltin 2010, S. 577 f.). Auch die Strukturierung des Tages ist in Deutschland häufiger als Motiv angegeben als in allen anderen Ländern (ebd.).

Als Vorteile, die Freiwillige aus ihrer Arbeit ziehen, werden mit 65,0 % Spaß, mit 40,0 % Menschen treffen, Freunde gewinnen sowie Gesundbleiben und das Vertreten moralischer und religiöser Werte angegeben (Gaskin et al. 1996, S. 98; Paulwitz 1996, S. 242). Alle vier Merkmale sind im europäischen Vergleich in Deutschland überdurchschnittlich oft angegeben. Bei der Frage nach den Nachteilen freiwilliger Arbeit nennen Deutsche häufiger als alle anderen Europäer die mangelnde Anerkennung Freiwilliger (31,0 %), gefolgt von schlechter Organisation (25,0 %) (ebd.). Durchschnittlich stimmen in der europäischen Stichprobe 48,0 % der Aussage zu, dass „jeder (…) eine moralische Verpflichtung [hat], irgendwann in seinem Leben unbezahlte Arbeit“ zu leisten (Gaskin et al. 1996, S. 117). In Deutschland findet diese Aussage mit 37,0 % am

wenigsten Zustimmung. Auch der Aussage, dass freiwillige Arbeit eine Form der aktiven Beteiligung in einer Demokratie ist[7], stimmen Personen aus Bulgarien (51,0 %) und Deutschland (56,0 %) am seltensten zu (ebd.). Die Gründe, nicht beteiligt zu sein, sind mangelnde Zeit, fehlende Ansprache und dass sich nie Gedanken über Partizipation gemacht wurden (Gaskin et al. 1996, S. 107; Paulwitz 1996, S. 253). Nicht gefragt worden zu sein, ob man sich engagieren möchte, wird als Zeichen der mangelnden sozialen Anerkennung interpretiert, was sich auch darin widerspiegelt, dass überdurchschnittlich oft genannt wurde, dass die „Bemühungen“ für freiwilliges Engagement „nicht immer geschätzt“ würden (Paulwitz 1996, S. 263).

Nadai (1999, S. 47 ff.) führte im Rahmen ihrer Studie zu „Gemeinsinn und Eigennutz“ Expertengespräche mit Vereinsvertretern verschiedener sozialer Einrichtungen und 25 problemzentrierte Interviews mit dort engagierten Freiwilligen durch. Weiterhin führte sie eine standardisierte schriftliche Befragung mit 593[8] Freiwilligen der Vereine durch (ebd., S. 49). Gefragt nach dem Nutzen ihrer freiwilligen Arbeit antworten 45,0 % der Befragten, dass sie durch diese soziale Kontakte knüpfen konnten, 44,0 %, dass sie ihren Horizont erweitern und 37,0 %, dass sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten erweitern konnten (ebd., S. 214). Persönlichkeitsentwicklung steht mit 20,0 % an vierter Stelle. Die angege-benen Nutzen unterscheiden sich danach, in welcher Organisation die Befragten arbeiten. Personen, die beim Roten Kreuz tätig sind, geben vor allem Kontakte (27,5 %), Horizonterweiterung (24,3 %), Persönlichkeitsentwicklung (24,6 %) sowie Helfen und nützlich sein (21,6 %) an (ebd., S. 217). Im Vergleich zu Personen, die in einem Frauenverein tätig sind, bei denen mit großem Abstand die Kontakte (36,9 %) gefolgt von der Horizonterweiterung (20,5 %) im Vordergrund stehen, beschreiben die Freiwilligen der Telefonseelsorge den größten Nutzen als Persönlichkeitsentwicklung (53,5 %), gefolgt von Horizonterweiterung. Soziale Kontakte (7,0 %) spielen für diese Gruppe nahezu keine Rolle, aber es ist die Gruppe mit dem höchsten Anteil Freiwilliger, die sich durch ihr Engagement weiterbilden (25,6 %) (ebd.). Bei dem öffentlichen Träger der Sozialbehörde dagegen ist der Erwerb von politischem und sozialem Verständnis (20,8 %) der größte Nutzen (ebd.). Der zweitgrößte Nutzen ist die Horizonterweiterung (19,5 %). Bei Freiwilligen der Drogenhilfe steht die Horizonterweiterung (53,8 %) im Vordergrund und danach werden mit 35,8 % soziale Kontakte als wichtigster Nutzen der Arbeit angegeben (ebd.). Nadai (1999, S. 218) betont jedoch, dass der Nutzen „Helfen“ in allen Einrichtungen bis jener des öffentlichen Trägers angegeben wird, was den altruistischen Charakter der freiwilligen Tätigkeit insgesamt widerspiegelt.

Braun und Kollegen (1987) unterscheiden fünf Anforderungen und Bedingungen, die die Freiwilligen an ihre Arbeit stellen, was im Sinne einer KostenNutzen-Rechnung verstanden werden kann (Braun et al. 1987, S. 83): Von den Freiwilligen gaben 72,0 % an, dass sie erwarten, ihre Zeit selbst einteilen zu können, 70,0 %, dass der Einsatzbereich möglichst nah an ihrem Wohnort liegen sollte, 59,0 %, dass sie Versicherungsschutz und 51,0 %, dass sie Anleitung erwarten, 50,0 % erwarten wenig seelische Belastung, aber nur 32,0 % haben etwas gegen körperliche Belastung bei ihrer freiwilligen Tätigkeit (ebd., S. 85). Weniger wichtig ist den Befragten, dass die Tätigkeit zu ihrem erlernten Beruf passt (23,0 %) oder Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen (16,0 %) (ebd.). Empirische Studien, die sich mit dem Nutzen und Belohnungen von Spenden beschäftigten, fanden heraus, dass vor allem Gegenleistungen, wie Einladungen zu Veranstaltungen, die Spendenbereitschaft erhöhten (Wiepking und Bekkers 2010, S. 11). Gegenleistungen verschiedenster Art fungieren also auch als Anreize für das freiwillige Engagement. Eine monetäre Aufwandsentschädigung erwarten zwar die Wenigsten (4,0 %), doch sollten zumindest die anfallenden Kosten erstattet werden (32,0 %) (Braun et al. 1987, S. 85). Die Autoren schließen daraus, dass mögliche Widerstände, wie sie durch die beschriebenen Anforderungen und Bedingungen deutlich werden, verhindern, dass sich Personen freiwillig engagieren und nicht nur die Motive allein ausschlaggebend sind (ebd.,S. 86). In die Kosten-Nutzen-Rechnung werden also mögliche Barrieren berücksichtigt sowie Bedingungen und Anforderungen, die Freiwillige an ihre Tätigkeit stellen (ebd., S. 83). Mehr als 70,0 % der Befragten nennen ihre Zeit selbst einteilen zu können und dass der Weg zu der Einrichtung nicht weit von ihrem Wohnort entfernt ist als wichtige Bedingungen für ihr Engagement (ebd., S. 85). An zweiter Stelle wird ausreichender Versicherungsschutz und Anleitung von Fachpersonal genannt (etwa 60,0 %). Die Hälfte der Befragten möchte nicht, dass ihre Tätigkeit zu psychischen und physischen Belastungen führt, etwa 20,0 % möchten ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen und erweitern und ein Drittel der Befragten erwartet die Erstattung anfallender Kosten. Diese klaren Anforderungen werden für den Fall, dass ihnen nicht entsprochen wird, als Grenznutzen gesehen, an dem die Kosten für die Tätigkeit den Nutzen übersteigen (ebd.) (Kapitel 6).

Insgesamt berichten die Autoren davon, dass die Erwartung der Befragten, aus der freiwilligen Arbeit einen „persönlichen Nutzen“ ziehen zu können, bei allen Befragten groß ist (ebd., S. 83). Eine direkt mit der Tätigkeit in Zusammenhang stehende „Belohnung“ scheint dabei wichtiger zu sein als symbolische Anerkennung z.B. durch Auszeichnungen. Eine solche Belohnung kann der Erwerb von bestimmten Fähigkeiten und Wissen sein. Eine Ausnahme stellen religiös motivierte Personen dar. Sie scheinen auch transzendente Belohnung, z.B. gottgefällig zu sein, für ausreichend zu erachten (ebd.). Was genau die religiös motivierten Befragten erwarten, wird nicht weiter eruiert.

In den Untersuchungen zu freiwilligem Engagement wird Religiosität und Religionszugehörigkeit oft synonym mit religiösen Motiven verwendet, weil davon ausgegangen wird, dass vor allem Gläubige abrahamitischer Religionen das Prinzip der Nächstenliebe verinnerlicht haben und folgerichtig daraus handeln (Cnaan et al. 1993, S. 37). Im Forschungsstand der vorliegenden Arbeit konnten bereits vielfältige Belege dafür gezeigt werden, dass religiöse Personen sich häufiger und vor allem in religiösen Bereichen engagieren (Kapitel 5.2). Es wird davon ausgegangen, dass Personen, die religiös sind, auch gleichzeitig aus religiösen Gründen freiwillig arbeiten. Religionszugehörigkeit und Religiosität sind jedoch keineswegs gleichzusetzen mit religiösen Motiven. Aber was sind genau diese religiösen Motive und was verbirgt sich hinter den religiösen Gründen? Nur wenige Untersuchungen beschäftigen sich mit den latenten Konstrukten, die hinter dem durch Gottesglauben motivierten Handeln stehen. In deutschsprachigen Studien fehlt eine solche differenzierte Auseinandersetzung vollständig. Daher wird im Folgenden eine angloamerikanische Untersuchung dargestellt, die eine solche Analyse anstellt.

Cnaan und Kollegen (1993, S. 40 f.) befragten 466 Freiwillige und 405 nicht freiwillig tätige Personen in Philadelphia, Chapel Hill und Providence. Unter den Freiwilligen verzeichneten die Autoren 39,1 % Katholiken und 32,8 % Protestanten, während 48,1 % der Kontrollgruppe ohne Engagement katholisch und 24,2 % evangelisch waren (ebd., S. 41). In der Studie wurde Religiosität durch die Zustimmung („strongly agree“ bis “strongly disagree“) zu 10 Items abgefragt und anschließend zu zwei Dimensionen zusammengefasst (ebd., S. 42 f.). Intrinsische Religiosität zeichnet sich dadurch aus, dass die Religion von zentraler Bedeutung für die Befragten ist und als Grundbedürfnis empfunden wird. Für Personen, die eher den Items instrumenteller Religiosität zustimmen, ist Religion weniger wichtig und deren Ausgestaltung flexibler (ebd.). Zusätzlich wurde die sog. Motives-To-Volunteer-Skala (MTV Scale) zur Messung der Motive verwendet, die nach der Zustimmung zu 28 Aussagen hinsichtlich der Entscheidung für freiwillige Arbeit fragt (Cnaan und Goldberg-Glen 1991, S. 279 f.; Cnaan et al. 1993, S. 43). Eines der Items dieser Skala ist die Frage nach der Zustimmung zu der Aussage „It is God's expectation that people will help each other“ (Cnaan et al. 1993, S. 43). Es handelt sich um eine Antwortmöglichkeit auf die Frage, was zu der Entscheidung geführt hat, sich freiwillig zu engagieren. Das Item impliziert, dass Helfen Gottes Wille ist und der Befragte es als seine religiöse Pflicht erachtet, sich entsprechend zu verhalten.

Die Skala für Religiosität und das religiöse Motiv korrelieren hoch (r = 0.65, p < 0,001). Es wurde jedoch weder erhöhte intrinsische Religiosität bei Freiwilligen im Vergleich zu nicht freiwillig Tätigen festgestellt noch ein Zusammenhang zwischen der aufgewendeten Zeit für freiwillige Arbeit und intrinsischer Religiosität (Cnaan et al. 1993, S. 45). Die Autoren fanden jedoch einen Zusammenhang zwischen Bildung, Alter und Religiosität. Höhergebildete und junge Freiwillige hatten die niedrigsten Werte intrinsischer Religiosität (ebd., S. 44). Auch hatten christliche im Vergleich zu jüdischen Freiwilligen höhere Werte auf derselben Skala. Erhöhte Zustimmung auf der Skala intrinsischer Religiosität wurde vor allem bei älteren katholischen und katholischen weiblichen Freiwilligen verzeichnet. Personen, die in religiösen Einrichtungen arbeiteten, stimmten weiterhin signifikant stärker dem religiösen Motiv zu (ebd.).

Problematisch an dieser Untersuchung ist, dass zwar Religiosität und Bedeutung der Religion ausführlich abgefragt wurden, das religiöse Motiv jedoch nur in Form eines einzigen Items der MTV Skala. Zwar korrelieren die Religiositätsskala und das Item, doch ist auch hier fraglich, ob eine reine statistische Korrelation zweier getrennt voneinander erhobener Merkmale tatsächlich eine hinreichende Abfrage religiöser Motive bedeutet. Es ist zumindest vorstellbar, dass religiöse Personen durchaus andere relevante religiöse Motive haben könnten als nur die Erfüllung von Gottes Erwartungen. Daher ist es notwendig, „tatsächlich explizit nach religiösen Beweggründen für das freiwillige Engagement“ zu fragen (Hoof 2010, S. 318). Einige der nachfolgenden Untersuchungen integrieren religiöse Motive in sog. Motivbündel, indem sie diese traditionellen, altruistischen oder wertorientierten Motiven zuordnen.

  • [1] Gemittelter Anteil aus den Angaben der Personen, die erwogen und nicht erwogen haben, ihr Engagement zu beenden oder einzuschränken
  • [2] Leider wird in der Veröffentlichung von Prognos und AMB Generali (2009) keine weitere Aussage darüber getroffen, welche Antwortmöglichkeiten den Befragten gegeben wurden
  • [3]Das ist/ war für mich wichtig, mich ehrenamtlich zu engagieren“. Items: „Armen und benachteiligten Menschen zu helfen; Das Gefühl, dass es eine moralische Pflicht ist, anderen Menschen zu helfen; Mitleid für Menschen in Not; Mein Glaube, meine religiöse Überzeugung; Ich will sozial etwas bewegen, etwas verändern; Ich wollte etwas in meinem Wohnumfeld tun; Ehrenamtlich zu arbeiten hat in meiner Familie Tradition; Ich wurde von anderen darum gebeten“ (Süßlin 2008, S. 31)
  • [4] Granovetter (1973)
  • [5] (ebd.)
  • [6] Großbritannien, Irland, Belgien, Niederlande, Frankreich, Dänemark, Schweden, Bulgarien, Slowakei
  • [7] Durchschnittliche Zustimmung aller zehn Länder 62,0 % (Gaskin et al. 1996, S. 118)
  • [8] In der Untersuchung sind Frauen deutlich überrepräsentiert, weshalb es zu Verzerrungen der Ergebnisse kommen kann
 
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