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6.5 Religion, Religiosität und Freiwillige Arbeit

Viele internationale Studien zu den Motiven freiwilliger Arbeit zeigen, dass Religionszugehörigkeit und Religiosität einen positiven Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, sich freiwillig zu engagieren, und auch das Ausmaß des Engagements haben (Becker und Dhingra 2001; Bekkers 2003, 2006; Bekkers und Schuyt 2008; Berger 2006, S. 116; Bowen 1999; Clary und Snyder 1991; Cnaan et al. 1993; Lam 2002; Park und Smith 2000; Reed und Selbee 2001; Reitsma et al. 2006; Wuthnow 1991 u.v.a).

Ein theoretischer Ansatz, der vielen der präsentierten Studien zugrunde liegt, ist die „Conviction and Community Theory“ von Wuthnow (1991, S. 121 ff.). Die Religionszugehörigkeit und Religiosität beeinflussen freiwillige Arbeit danach auf zwei unterschiedlichen Wegen: durch die Überzeugung der Gläubigen (conviction) und durch die Gemeinschaft (community), die eine religiöse Gemeinde darstellt (Schmitz 2007, S. 244, 271). Wuthnow (1991, S. 162) geht davon aus, dass in allen abrahamitischen Religionen der Gedanke der Nächstenliebe von großer Bedeutung ist, und stellte fest, dass Personen, die sich freiwillig engagieren (72,0 %), signifikant häufiger von dem Gleichnis des barmherzigen Samariters (Lk.10, 25-37[1]) gehört hatten und sogar selbst in einer ähnlichen Situation Hilfe geleistet hatten als Nicht-Engagierte (53,0 %). In der Vergangenheit waren es vor allem die Kirchen, die soziale Hilfe leisteten, aber auch in ihren Bildungseinrichtungen dafür sorgten, dass der Gedanke der Nächstenliebe von Generation zu Generation weitergetragen wurde (Wuthnow 1991, S. 122). Die religiöse Sozialisation vermittelt, dass Nächstenliebe etwas Gutes und von Gott Gewolltes ist und sogar „das Böse“ vertreiben kann (Bekkers und Schuyt 2008, S. 76; Berger 2006, S. 130; Cnaan et al. 1993, S. 37; Reitsma et al. 2006). Gott und Jesus werden als Vorbilder für das eigene Verhalten gesehen.

For example, a God thought to be loving and caring might serve as a role model for the believer to imitate, more so, say, than a vengeful or angry God. Or such a God could be seen by the believ-er as a resource or an enabler. Receiving divine love and care might make the believer better able to care for others“ (Wuthnow 1991, S. 128).

Die Überzeugung, dass Gott die Menschen liebt und ihnen Gutes tut, bringt die Gläubigen dazu, sich ihrerseits anderen gegenüber mildtätig zu verhalten. Wenn zudem die Überzeugung vorherrscht, dass Gott die Gläubigen beobachtet, sieht und hört, wie diese sich verhalten, gottgefälliges Verhalten belohnt und gegenteiliges Verhalten bestraft, trägt diese weiterhin dazu bei, dass die Gläubigen sich entsprechend verhalten (ebd.). Daher empfinden religiöse Personen es als essentiell, anderen zu helfen, die in Not sind. Sie investieren mehr Zeit und Anstrengungen in diese Hilfe als andere (Wuthnow 1991, S. 125).

In der psychologischen Motivationsforschung wird dieses Konzept als Norm sozialer Verantwortlichkeit bezeichnet. Heckhausen (1989, S. 286) beschreibt, dass verinnerlichte Normen, wie z.B. Nächstenliebe, die Handlungsentscheidungen unabhängiger von äußeren Umständen machen. Je stärker Personen von Normen überzeugt sind, desto größer ist ihr erwarteter Nutzen des religionskonformen Verhaltens (ebd.). Je größer der erwartete Nutzen einer Handlung ist, desto eher wird diese ausgeführt, um den erwarteten Nutzen zu erreichen. Wenn also Personen religiös sind und daher gottgefällig handeln, freiwillige Arbeit einen Akt der Nächstenliebe und daher religiöses konformes Verhalten darstellt, engagieren sich Personen, die religiös sind, häufiger als andere.

H5: Je religiöser Personen sind, desto eher arbeiten sie freiwillig.

Iannaccone (1990, S. 299) argumentiert, dass der Besuch der Gemeinde und von Gottesdiensten und Ritualen von außerordentlicher Bedeutung ist, und erweiterte den Ansatz Beckers (1982) der rationalen Erklärung des Handelns um religiöse Produktion und religiöses Kapital. Er versteht religiöse Praktiken als Beiträge zu einem Produktionsprozess zur Herstellung „religiöser Produkte“ (ebd., S. 299). Religiöse Produkte sind nicht beobachtbar und sehr komplex. Die bereits im Kapitel 6.3.1 dargestellten und von Stark und Bainbridge (1987, S. 43) mit Kompensatoren bezeichneten Anreize sind solche religiösen Produkte. Diese religiösen Produkte sind die Belohnung für konformes, gottgefälliges Verhalten. Die Beiträge (Kosten), die geleistet werden müssen, um die Belohnungen zu erhalten, können z.B. Riten und Traditionen wahren, Geld spenden, Beten, den Gottesdienst besuchen oder auch freiwillige Arbeit in der Gemeinde sein (Iannaccone 1990, S. 299).

Wilson und Musick (1997, S. 695) bezeichnen freiwillige Arbeit als “collective action” (dt. kollektives Handeln (Schmitz 2007, S. 31, 234). Religiöse Produkte dienen sowohl dem Gemeinwohl als auch der Person, die sie ausübt, da der Beitrag anderen Personen hilft, aber den Helfer auch zu einem „besseren“, gottgefälligen Menschen macht. Dies ist in allen abrahamitischen Religionen gleich.

Um religiöse Produkte zu erhalten, generieren die Gläubigen sogenanntes religiöses Kapital, das z.B. religiöses Wissen über Rituale, das Einhalten von Vorschriften und Bibeloder Korankenntnisse beinhaltet. Weiterhin ist es notwendig, mit den religiösen Ritualen und Gepflogenheiten vertraut zu sein, um von ihnen profitieren zu können. Nur wenn diese erlernt und wiederholt werden, kann die Person in der religiösen Gemeinde Anerkennung finden, in die Gemeinde integriert werden und von ihrem religiösen Kapital profitieren.

Die Teilnahme an Ritualen, Gebeten in Gottesdiensten und Messen sind untrennbar miteinander verknüpft und sich selbst verstärkend (ebd.). Je häufiger die Teilnahme an diesen Ritualen ist, desto vertrauter ist die Person mit den Praktiken und desto integrierter ist diese in die Gemeinde. Je integrierter eine Person in die Gemeinde ist, desto häufiger werden wiederum die Teilnahme und das Engagement, um fortwährend den Austausch von Kapitalien zu gewährleisten, aber auch um den Verpflichtungen zu entsprechen, die mit der Zugehörigkeit zu der Gruppe einhergehen. Durch das Erlernen der Praktiken und Rituale gewinnt die Person Anerkennung vor Gott und den Gemeindemitgliedern und das Gefühl, ein gottgefälliger Mensch sein, was den begehrten religiösen Produkten entspricht. Die Gemeindemitglieder kontrollieren wiederum das Einhalten des konformen Verhaltens, wie z.B. sich für die Gemeinde in Form von freiwilliger Arbeit zu engagieren.

Doch müssen die Werte der religiösen Einrichtung nicht notwendigerweise mit den Werten der Gläubigen übereinstimmen, und außerdem durchlaufen die westlichen Gesellschaften seit vielen Jahren Prozesse der Säkularisierung (Lam 2002, S. 408; Wuthnow 1991, S. 123). Warum religiöse Personen dennoch häufiger freiwillige Arbeit leisten als andere, liegt nach Meinung vieler Autoren daran, dass religiöse Gemeinden Orte sozialer Beziehungen sind (Kapitel 5.2) (Wilson und Janoski 1995, S. 138; Wuthnow 1991). Die Teilnahme an Aktivitäten in der Gemeinde, wie z.B. Gottesdiensten, Gemeindefesten, Bibelkreisen, Kirchenchören und vieles mehr, bewirkt eine Integration der Personen in die Kirchen-gemeinden. Personen, die sich in religiösen Gemeinden bewegen, sind stärker durch deren Normen und Werte geprägt, weil diese durch andere Gemeindemitglieder zum einen an sie vermittelt werden, zum anderen deren Einhaltung kontrolliert wird (Wilson und Janoski 1995, S. 139). „Clearly, your decision to volunteer is affected as much by what other people are thinking and doing as by what you are thinking and doing“ (Wilson und Musick 1997, S. 695).

Verschiedene Autoren fanden heraus, dass sich z.B. die Spendenbereitschaft von Personen erhöht, wenn diese vis-à-vis gefragt werden, also eine soziale Kontrolle stattfindet (Olson und Caddell 1994, S. 172; Wiepking und Bekkers 2010,S. 14). Je anonymer die Spende getätigt wird, desto geringer fällt sie aus. Dies könnte sich durchaus auf die freiwillige Arbeit übertragen lassen. Mit dem Begriff „community“ beschreibt Wuthnow (1991, S. 121 ff.) den Einfluss einer religiösen Gemeinde auf ihre Mitglieder und damit den zweiten Teil seiner

Conviction and Community Theory“. Seine Annahme ist, je häufiger Personen sich in religiösen Gemeinden aufhalten, z.B. durch Besuche von Gottesdiensten, desto eher kommen sie mit anderen Gemeindemitgliedern in Kontakt und so auch mit den durch die religiöse Gemeinde kontrollierten Normen und Werten.

In almost all (…) congregations, after the worship is over, (…) they sit down with fellow worshippers over coffee, cake, or a more substantial meal. Stemming from Judeo-Christian traditions of breaking bread among members and helping build a community around the congregation, fellowship is an important aspect of congregational life. Although most common among Protestant congregations, it is also common among other faith traditions and especially immigrant congregations“ (Cnaan und Curtis 2013, S. 23).

Die religiöse Erfahrung wird so gleichzeitig zum sozialen Austausch mit anderen Gemeindemitgliedern. Das zentrale Merkmal, dass Wuthnow (1991, S. 125) und andere (z.B. Hodgkinson und Weitzman 1992; Wilson und Musick 1997) herausgearbeitet haben und welches den größten Einfluss auf freiwillige Arbeit hat, ist daher der Besuch von Gottesdiensten. Dieser bewirkt demnach nicht nur, dass Personen Überzeugungen wie die Wichtigkeit der Nächstenliebe entwickeln, sondern auch dass sie über Projekte, die die Gemeinde ausübt, informiert und gebeten werden, sich zu beteiligen. Der Forschungsstand zeigt, dass dies vor allem für die freiwillige Arbeit in religiösen Vereinen gilt. Daher wird folgende Hypothese getestet:

H6: Personen, die häufiger den Gottesdienst besuchen, arbeiten häufiger freiwillig und vor allem häufiger freiwillig in zweckorientierten Organisationen als andere.

Ein weiterer Aspekt, der durch den Besuch von Gottesdiensten beeinflusst wird, ist der Kontakt zu Personen, die sich dort bereits engagieren (Wilson und Janoski 1995, S. 138; Wuthnow 1991). Durch diesen Kontakt werden Personen häufiger gefragt, ob sie sich ebenfalls engagieren wollen (Park und Smith 2000, S. 276; Wilson und Janoski 1995, S. 138; Wuthnow 1991). Außerdem können Personen, die Interesse an einer freiwilligen Tätigkeit haben, sich in die vorhandenen Strukturen einfach integrieren, indem sie sich leichter informieren können und von den Aktivitäten in der Gemeinde erfahren (Berger 2006, S. 130; Wuthnow 1991, S. 127).

„[R]eligious organizations tell people of opportunities to serve, both within and beyond the congregation itself, and provide personal contacts, committees, phone numbers, meeting spaces, transportation, or whatever it may take to help turn good intentions into action” (Wuthnow 1998a, S. 242-243).

Die soziale Kontrolle der Gemeinde sorgt dafür, dass die Personen weniger häufig ablehnen. Um zu klären, ob die These Wuthnows (1991, S. 127), dass Personen, die Gottesdienste besuchen, tatsächlich häufiger durch die Ansprache von anderen zu ihrem Engagement gekommen sind, wird folgende Hypothese getestet:

H7: Je häufiger Freiwillige Gottesdienste besuchen, desto eher sind sie aufgrund der Ansprache von Personen aus der Organisation zu ihrem Engagement gekommen.

Wenn religiöse Personen eher in zweckorientierten Organisationen, also religiösen Vereinen tätig sind, sind weniger religiöse Personen eher in solidarischen Organisationen tätig. Weiterhin besuchen weniger religiöse Personen seltener Gottesdienste. Wenn die Gottesdienste aber die Orte sozialer Beziehungen sind, in welchen Personen gefragt werden, ob sie sich engagieren möchten, sollten Personen, die in solidarischen Organisationen freiwillig arbeiten, seltener durch die Ansprache von Personen aus der Organisation oder von Personen, die dort schon aktiv waren, zu ihrem Engagement gekommen sein. Daher wird im Folgenden überprüft:

H8: Freiwillige, die in zweckorientierten Vereinen arbeiten, sind häufiger aufgrund der Ansprache von Personen aus der Organisation zu ihrem Engagement gekommen als Personen, die in solidarischen Vereinen arbeiten.

Der Kontakt zu Personen in religiösen Gemeinden, die sich bereits engagieren, ist mit anderen Worten die Integration in ein religiöses soziales Netzwerk bzw. religiöses Sozial-kapital (Bourdieu 1983, S. 192; Park und Smith 2000, S. 276; Wilson und Janoski 1995, S. 138). Als Orte sozialer Beziehungen schaffen die religiösen Gemeinden die Möglichkeit, dass die Gläubigen mit Gleichgesinnten zusammentreffen und Beziehungen und soziale Kontakte untereinander pflegen können (ebd.).

Die Zugehörigkeit zu der religiösen Gemeinde erweitert die potentiell zur Verfügung stehenden Ressourcen, auf die die Gläubigen zurückgreifen können (Bourdieu 1983, S. 191). Durch die sozialen Beziehungen innerhalb der Gemeinde können die Mitglieder wiederum von dem religiösen Kapital ihrer Kontakte profitieren. Das religiöse Kapital kann in andere Kapitalien umgewandelt werden, z.B. durch die Integration in die Gemeinde, Sozialkapital. Die Verbindung unter den Personen ist dabei dieselbe Konfession.

Mit der Zugehörigkeit zu der religiösen Gemeinde gehen aber auch die von Bourdieu (1983, S. 192) als Institutionalisierungsarbeit bezeichneten Verpflichtungen einher. Dazu gehören die Zustimmung zu den religiösen Werten und Normen, das Einhalten bestimmter Vorschriften oder auch das Engagement in der Gemeinde (Bourdieu 1983, S. 183; Park und Smith 2000, S. 275). Doch verringern die sozialen Kontakte auch die Kosten für die religiösen Produkte, weil der Nutzen um die Aneignung von Sozialkapital erweitert wird (Iannaccone 1990; Reitsma et al. 2006).

Das soziale Netzwerk freiwilliger Mitarbeiter vergrößert sich durch die freiwillige Arbeit noch weiter, weil sie mit anderen Personen in Kontakt treten (Gaskin et al. 1996, S. 107; Stadelmann-Steffen 2010, S. 51).

Iannaccone (1990, S. 303) kann für drei Surveys[2] nachweisen, dass Ehepartner der gleichen Religionszugehörigkeit häufiger den Gottesdienst besuchen als andere. Er begründet dies damit, dass die Kosten für religiöse Produkte geteilt und dadurch verringert würden und so der Gesamtnutzen Produktion erhöht würde. Ähnliche Ergebnisse finden Reitsma und Kollegen (2006) in ihrem Ländervergleich. Sie stellten fest, dass Personen, die in ein religiöses Netzwerk mit Personen der gleichen Konfession eingebunden sind, eher Geld für karitative Zwecke spendeten als andere. Aktive Gemeindemitglieder haben eher Kontakte zu anderen Gemeindemitgliedern und engagieren sich eher für die Gemeinde als andere.

Active church members (…) are more likely to have social capital in the form of ties to fellow congregants that can be used to mobilize their energies, and they are more likely to be aware of needs and opportunities in their communities as a result of attending services in their congregations“ (Wuthnow 1999, S. 334).

Sind die Kosten für religiöse Beiträge geringer, wenn man diese mit engen Netzwerkpersonen teilt, und müssen Personen mit religiösen Netzwerken also ihre Austauschbeziehungen durch das Einhalten von Verpflichtungen aufrechterhalten, so sollten sich Personen eher in religiösen Organisationen engagieren, wenn sie in ein religiöses Netzwerk eingebunden sind.

Die Anforderungen, die durch diese soziale Kontrolle an die Gemeindemitglieder gestellt werden, haben auch Auswirkungen auf deren soziale Beziehungen untereinander sowie das Ausmaß der Integration in die und außerhalb der Gemeinde (Finke et al. 2006, S. 624). Verbringt eine Person z.B. mehrfach in der Woche Zeit in der Gemeinde, weil sie sich dazu verpflichtet fühlt, an z.B. Gottesdiensten teilzunehmen, wird sie auch in häufigerem und daher engerem Kontakt zu anderen Gemeindemitgliedern stehen, als wenn sie nur einmal im Jahr in den Gottesdienst geht. Gleichzeitig nehmen die Kontakte außerhalb der Gemeinde ab. So fördert die Gemeinde die Abgrenzung von der „Außenwelt“ (ebd.). Zusätzlich sorgt die Wahrnehmung des Glaubens als die einzig wahre religiöse Lehre für die Abgrenzung von anderen (ungläubigen) Gruppen. Personen, die nicht willens sind, die Anforderung der Gemeinde zu erfüllen, werden ausgeschlossen, und die sozialen Netzwerke gewinnen an Bindung, weil sie aus Perso-nen bestehen, die ähnlich (hohe) Beiträge in Form von Engagement für die Gemeinde leisten. Je größer also die Anforderungen der Gemeinden an ihre Mitglieder sind, desto enger sind die sozialen Beziehungen unter den Gemeindemitgliedern und desto stärker ist die Bindung an die Gemeinde (Finke et al. 2006, S. 624).

H9: Je mehr Personen der eigenen Konfession in das Netzwerk integriert sind, desto eher arbeiten Personen freiwillig und vor allem eher freiwillig in zweckorientierten Organisationen als andere.

  • [1]Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn [Jesus] und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: "Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst!" Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben! Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber. Die zogen ihn aus, schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinab zog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit, Als er zu der Stelle kam und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: "Der die Barmherzigkeit an ihm tat." Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen!“ (Evangelische Kirche Deutschland 1999, S. 155)
  • [2] Catholic American Survey 1963 und 1974, Northern California Church Members Survey 1963 und die Wellen 1978-1987 des General Social Survey (Iannaccone 1990, S. 303)
 
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